Premnitz: Kosten für Katzen sind aus dem Ruder gelaufen
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Premnitz Kosten für Katzen sind aus dem Ruder gelaufen
Lokales Havelland Premnitz

Premnitz: Kosten für Katzen sind aus dem Ruder gelaufen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:41 28.08.2020
In Premnitz sollen künftig alle frei laufenden Katzen kastriert und gekennzeichnet werden. Quelle: MAZ
Anzeige
Premnitz

Es deutet sich an, dass die Stadt Premnitz die erste Kommune im Landkreis Havelland werden wird, die eine Katzenkastrations- und Kennzeichnungsverordnung bekommt. Damit sollen alle Besitzer von frei laufenden Katzen dazu verpflichtet werden, ihre Tiere kastrieren und per Mikrochip oder Tätowierung kennzeichnen zu lassen.

Wenn die Stadtverordneten die Verordnung wie geplant auf ihrer Sitzung am 10. September beschließen, wird sie am 1. Januar 2021 in Kraft treten. Katzenhalter, die sich nicht danach richten, können dann mit einer Geldbuße von bis zu 300 Euro bestraft werden.

Anzeige

CDU ist dagegen

Tatsächlich Strafen dieser Art zu verhängen ist in Premnitz aber derzeit noch gar nicht das Thema. Im Hauptausschuss der Stadt am Mittwochabend hat sich Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) noch einmal viel Zeit genommen, um die Lage zu erklären. Das mochte auch daran liegen, dass die CDU gegen die Verordnung ist. Michael Wischer hatte für die Fraktion betont: „Wir sehen nicht, dass unser Problem dadurch verringert wird.“ Und hat mit Nein gestimmt.

Die Situation in der Waldkolonie sei besorgniserregend, hat Ralf Tebling gesagt. Bis zu 80 Katzen sollen dort wild leben. Sie würden dort auch „ein Stück weit gefüttert“, so der Bürgermeister. Ihr Zustand sei aber außerordentlich schlecht. Sie seien verwahrlost und viele auch krank. So lange für eine aufgefundene Katze ungeklärt sei, ob sie einen Besitzer habe, hat der Bürgermeister die rechtliche Lage erklärt, habe die Stadt sich darum zu kümmern.

Von 2.516 auf 7.810 Euro

Eben in diesem Bereich sind die Ausgaben enorm angewachsen. Für die Übernahme von Fundkatzen durch Tierschutzvereine musste die Stadt Premnitz im vergangenen Jahr insgesamt 2.516 Euro bezahlen. Nur bis Ende Juni dieses Jahres sind aber bereits 7.810 Euro aufgelaufen. Wurden früher pro Jahr in Premnitz durchschnittlich 19 Fundkatzen pro gezählt, sind es 2020 bis Ende Juni allein schon 35 gewesen.

„Wir müssen hier gegensteuern“, hat Bürgermeister Tebling gesagt. Es würden wohl einige Jahre ins Land gehen, bis man erkennen könne, ob die Stadt mit ihrer Verordnung Erfolg habe. Er gehe aber davon aus, dass die Katzenpopulation mittelfristig kleiner werde. Fast 800 Kommunen in Deutschland seien mit einem Vorgehen dieser Art bereits erfolgreich gewesen, hat er gesagt. Allgemein bekannt ist diese Praxis als „Paderborner Modell“, weil dort das Kastrieren und Kennzeichnen von freilaufenden Katzen erstmals zur Pflicht für die Halter gemacht worden ist.

Erste Bilanz nach zwei Jahren

Um die Katzenpopulation zu begrenzen, werde weiterhin „zweigleisig“ gefahren, hat der Bürgermeister betont. Neben dem Einsatz der Verordnung werde der Tierschutzverein Rathenow und Umgebung wie bisher auch künftig wild lebende Katzen einfangen, kastrieren lassen und am Fundort wieder aussetzen. Dadurch entstünden der Stadt keine Kosten.

Michael Wischer war wenig zufrieden mit der Aussicht, dass die Ablehnung durch die CDU vermutlich das Beschließen der Verordnung am 10. September nicht verhindern wird. Wann solle das erste Mal eine Bilanz gezogen werden, welche Wirkung die Verordnung habe, fragte er und schlug vor: Anfang 2022, Ende 2021. Ralf Tebling entgegnete, das werde man wohl frühestens in zwei Jahren machen.

Von Bernd Geske