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Premnitz Widerstand gegen Ortsumgehung formiert sich
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17:00 25.11.2019
Die neu zu bauende B 102-Ortsumgehung von Premnitz würde durch das Naturschutzgebiet „Mögeliner Luch“ führen. Quelle: Bernd Geske
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Premnitz

Mit einem Mal scheint der Bau einer B102-Ortsumgehung für Premnitz vor der Tür zu stehen. Der Landesbetrieb Straßenwesen hat am 24. September auf einer Einwohnerversammlung in Premnitz über das Projekt informiert. Ein jahrzehntelang vor allem von Vertretern der Wirtschaft gefordertes Vorhaben, das wohl viele Beobachter schon abgeschrieben hatten, ist nun nach ganz oben auf die Tagesordnung gerückt.

Läuft es so soll schnell, wie die Verantwortlichen wünschen, könnte vielleicht schon 2022 gebaut werden. Für 42 Millionen Euro soll ein 9,86 Kilometer langes Straßenstück neu gebaut werden. Das Interesse richtet sich nun auf das Planfeststellungsverfahren, das im Dezember beginnen soll.

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Der Landesbetrieb Straßenwesen hatte im September auf einer Informationsveranstaltung in Premnitz das Projekt vorgestellt. Quelle: Bernd Geske

Gegner des Projektes haben schon begonnen, sich zu formieren, und erste Aktivitäten unternommen. Für sie spricht Oliver Paulick, der für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung Premnitz sitzt und vor Jahren schon einmal Unterschriften gegen die Ortsumgehung gesammelt hat. „Es gibt eine Gruppe von Menschen aus Premnitz und Rathenow“, sagt er, „die aus vielen verschiedenen Gründen nicht nachvollziehen können, dass die Ortsumgehung wirklich benötigt werden soll.“

Er bestätigt, dass ein Mitglied der Gruppe sich schriftlich an den BUND gewendet und um Unterstützung gebeten hat. Ein wesentlicher Ablehnungsgrund sei hier, dass die Ortsumgehung durch das Naturschutzgebiet (NSG) „Mögeliner Luch“ führen soll und es „in zwei Teile zerschneiden“ würde, wie es in dem Brief heißt.

Oliver Paulick, Gegner der Ortsumgehung. Quelle: Bernd Geske

Als Gründe gegen das Vorhaben werden genannt: Dort lebe eine der größten Eidechsenpopulationen Brandenburgs. Jedes Jahr werde der Schwarzstorch dort gesichtet. Im Frühjahr könne man „hunderte von Kiebitzen“ auf den Flächen sehen. Die Strecke sei nicht wirklich sinnvoll, wird ausgeführt. Bei zutreffenden Daten hätten die Bundestagsabgeordneten dem Vorhaben nicht zugestimmt.

„Wir haben eine funktionierende Bundesstraße“, stellt Oliver Paulick fest. Eine weitere Zerschneidung der Landschaft durch die Ortsumgehung werde nicht zu einer merklichen Verbesserung führen. Der BUND sei angeschrieben worden, um einen starken Partner zu haben. Es sollten sämtliche zur Verfügung stehende Mittel genutzt werden, um die Ortsumgehung zu verhindern.

Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent beim BUND, bestätigt, dass bei ihm eine E-Mail mit dem beschriebenen Inhalt eingegangen ist. Es sei üblich, erklärt er, dass der Landesbetrieb Straßenwesen bei einem Projekt wie der Ortsumgehung Premnitz auch dem BUND die Planungsunterlagen zuschickt. Noch sei aber nichts dazu eingegangen.

Naturschutzverbände werden beteiligt

Zum konkreten Vorhaben wollte sich Axel Heinzel-Berndt nicht äußern, teilt er mit, denn er kenne die konkreten Unterlagen ja noch nicht. Im Land Brandenburg sei das Landesbüro anerkannter Naturschutzverbände gegründet worden, erklärt er, um die Beteiligung der Verbände sinnvoll zu koordinieren. Sie hätten das Recht, sich zu geplanten Eingriffen in die Natur zu äußern, um Schäden so weit wie möglich abzuwenden.

Bürger und Verbände sollten bei der bevorstehenden Auslegung Einsicht in die Planung nehmen und gegebenenfalls Stellungnahmen dazu abgeben, sagt er. Wenn dann der Planfeststellungsbeschluss gefasst sei, gebe es die Chance, möglicherweise dagegen zu klagen.

Von Bernd Geske