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Premnitz Zum Tod von Manfred Hüsges
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17:09 15.07.2019
Manfred Hüsges hat das DDR-Museum in Döberitz auf den Weg gebracht. Quelle: Bernd Geske
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Döberitz

„Du bist uns ein echter Freund gewesen“ – so hatten es Bekannte von Manfred Hüsges auf dessen Internetseite geschrieben. Der Begründer des DDR-Museums in Döberitz ist verstorben. Sein Nachlass dürfte unüberschaubar sein.

Peter Klapp (links) mit einem Partygrill und Manfred Hüsges mit einem Schnellkochtopf. Quelle: Bernd Geske

„Das kenne ich!” und „Das habe ich auch gehabt.” So lauteten die Sätze, die Manfred Hüsges von Besuchern zu hören bekam. Locker plaudernd und ohne jede wissenschaftliche Pose begrüßte er stets seine Gäste. Und er war in der Lage, zu vielen Ausstellungsstücken die Herstellungszeiträume, Betriebe, Orte und Besonderheiten zu nennen.

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Der Sammler

Für einen geborenen Wessi eigentlich erstaunlich. 1993 fuhr Manfred Hüsges erstmals mit einem Bekannten durch die neuen Bundesländer. Und plötzlich fing er an, Dinge zu sammeln, die in der DDR Bedeutung hatten. Zuerst hat er einen alten Barkas-Krankenwagen gekauft, bald danach einen betagten Trabant-Kombi und beide wieder aufgebaut.

Welt aus Steckbausteinen

Rund 60 Trabbis hat er im Laufe der Jahre erworben und zehn fahrbereite Autos daraus zusammengesetzt. Überhaupt galt den Trabbis seine Leidenschaft. Er war daher auch bei vielen Oldtimertreffen und Trabbi-Treffen zu Gast. Die Menge der Spielsachen lässt sich kaum ermessen. Allein die Zahl der elektrischen Eisenbahnloks hatte er bei einem Interviewtermin mit „knapp 1000” angegeben. Platz hatte er nur für 400. Kinderbücher stellte er aus und eine ganze Welt aus Steckbausteinen, die in der DDR hergestellt wurden.

Museumschef Manfred Hüsges vor seinen Lieblingen Trabant und Barkas Quelle: Tobias Wagner

Hüsges wurde zum eingefleischten „Wossi“. So bezeichnete er sich gerne. Alleine hätte er das DDR-Museum aber nicht ans Netz bringen können. Peter Klapp aus Premnitz steuerte viele Geräte und Exponate bei, zum Beispiel stattete er den „Konsum“ aus.

Wohin damit?

2005 hatte sich Manfred Hüsges gefragt, was er mit der großen Sammlung anfangen soll. Er wohnte damals noch in Mönchengladbach. Im Jahr 2014 eröffnete er mit Peter Klapp auf 400 Quadratmetern die Präsentation. 80 Gebäude hatte er sich vorher angeschaut und sich dann für das leer stehende Gaststättengebäude entschieden. Dann sanierte der gelernte Gas-,Wasser- und Heizungsinstallateur das Haus.

Nicht zu überblicken

32 Mal fuhr er mit einem Lastwagen 504 Kilometer von Mönchengladbach nach Döberitz, um die Sammlung ins Westhavelland zu bringen. Ein unglaublicher Kraftakt, der sich gelohnt hat. Anhand der schier unendlichen Zahl von Exponaten vollzogen die Besucher das Leben im „Arbeiter- und Bauernstaat” nach. Mit der Zeit wurden 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit rund 60 000 Ausstellungsstücken.

Ein Original

Manfred Hüsges war nicht nur ein „Wossi“, er war auch ein Original, der Premnitz und Döberitz fehlen wird.

Von Joachim Wilisch

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