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Havelland Asylbewerberheim in Rathenow wird gebaut
Lokales Havelland Asylbewerberheim in Rathenow wird gebaut
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09:40 29.04.2014
Im März hatte die BI „Pro Integration“ am Grünauer Weg mehrere Transparente aufgehängt.
Im März hatte die BI „Pro Integration“ am Grünauer Weg mehrere Transparente aufgehängt. Quelle: BI
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Rathenow

Wie erwartet ist der geplanten Errichtung einer Sammelunterkunft für bis zu 100 Asylbewerber am Grünauer Weg in Rathenow auf dem Kreistag Montagabend große Aufmerksamkeit zuteil geworden. Viele Anfragen oder gar Gegenreden in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung hat es aber nicht gegeben.

Die Bürgerinitiative „Pro Integration – Contra Massenunterkünfte“, die nach eigenen Angaben mehr als 1000 Unterschriften gegen das Heim am Grünauer Weg gesammelt hat, war nur mit einem halben Dutzend Personen erschienen. Ihr Sprecher Dieter Richter stellte vier Fragen, die schon in früheren Diskussionen eine Rolle gespielt hatten. Er konnte damit aber im Sinne der Bürgerinitiative (BI) nichts erreichen. Eine knappe Stunde später, als die eigentlich angefochtene Vorlage über den Bau der Unterkunft zur Abstimmung stand, waren die Mitglieder der BI augenscheinlich alle schon gegangen.

Landkreis zahlt die Miete

Gegen den beabsichtigten Bau stimmten dann Dieter Brose (NPD) und Gerd Wollenzien (Linke). Hans-Jürgen Lünser (Pro Rathenow) enthielt sich der Stimme. Da alle anderen anwesenden Abgeordneten dafür votierten, kam die Vorlage mit großer Mehrheit durch. Demnach wird nunmehr ein bereits ausgewähltes Bauunternehmen damit beauftragt, bis zum 1. Dezember dieses Jahres am Grünauer Weg eine Sammelunterkunft für 80 bis 100 Asylsuchende in modularer Bauweise zu errichten. Es wird derzeit eine Mietvariante bevorzugt. Für eine Festmietzeit von zehn Jahren zahlt der Landkreis 22 143 Euro im Monat. Später, ab dem 16. Jahr, liegt die Miete bei 11 000 Euro. Sollte der Landkreis das Objekt nach zehn Jahren kaufen wollen, kann er es für 880 000 Euro erwerben.

Für „Pro Integration – Contra Massenunterkünfte“ hatte Dieter Richter zunächst Handeln und Aussagen verschiedener Verantwortlicher von Politik und Verwaltung gegenüber der BI kritisiert. Vom Rathenower Bürgermeister sei zu erfahren gewesen, er habe „für solchen Kram“ keine Zeit. Vom Landrat habe man trotz mehrerer Nachfragen keinen Termin erhalten. Dem zuständigen Dezernenten der Kreisverwaltung bescheinigte er, in einer Zusammenkunft „schlechte Kinderstube“ bewiesen zu haben. Und einen Vertreter der Rathenower SPD, der die BI mit den Worten „typisch NPD“ bedacht haben soll, kritisierte er: Eine Nähe zur NPD habe man keinesfalls.

Standort ist aus Sicht des Landrates nur "die zweitbeste Lösung"

Der BI-Sprecher Richter fragte, warum die Asylbewerber nicht entsprechend der Einwohnerzahlen im Landkreis verteilt werden, warum der Grünauer Weg als Standort ausgewählt worden sei, warum nicht mehr Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht würden und ob Rathenow mit der verkleinerten Polizeiwache überhaupt genug Sicherheit bieten könne.

Landrat Burkhard Schröder antwortete, dass der Standort Grünauer Weg aus seiner Sicht nur die „zweitbeste Lösung“ ist. Der Kreis habe neben dem bestehenden Heim am Birkenweg eine weitere Unterkunft errichten wollen. Doch das sei nicht umsetzbar gewesen, weil die Rathenower Stadtverordneten den dafür erforderlichen Bebauungsplan nicht beschlossen hätten. Das Grundstück am Grünauer Weg vorzuschlagen, so der Landrat, sei eine städtische Entscheidung gewesen.

Was die Unterbringung in Wohnungen betreffe, entgegnete Landrat Schröder, habe der Kreis zusammen mit der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) einen relativ hohen Stand für Familien erreicht. Mehr Asylsuchende könne der Kreis nur in Wohnungen unterbringen, wenn er diese auch von den Vermietern angeboten bekomme. Wie der Landrat angekündigt hat, soll das am Grünauer Weg geplante Projekt am Dienstag, 6. Mai, allen Interessierten vorgestellt werden. Um 19 Uhr finde im Blauen Saal des Kulturzentrums eine Versammlung statt, auf der „umfassende Bürgerinformationen“ gegeben werden.

 

Platz für Asylsuchende

  • In diesem Jahr soll der Landkreis Havelland noch über 300 Asylsuchende aufnehmen.
  • Die vorübergehende Unterkunft im OSZ-Internat Friesack gilt mit derzeit 55 Personen als voll belegt.
  • Ab Spätherbst dieses Jahres soll in Friesack dann das ehemalige ÜAZ-Internat mit rund 80 Plätzen als Asylbewerberunterkunft genutzt werden.
  • Bezugsfertig geworden ist die ehemalige Förderschule in Premnitz. Dort stehen 83 Plätze für Asylsuchende zur Verfügung.
  • Am Grünauer Weg in Rathenow soll bis Dezember 2014 eine Unterkunft für 80 bis 100 Flüchtlinge errichtet werden.
  • In Falkensee sollen auf einem Grundstück Sammelunterkünfte für bis zu 80 Personen geschaffen werden. Die Fertigstellung ist für das 1. Halbjahr 2016 vorgesehen.

Von Bernd Geske

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