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Havelland Rathenow beteiligt sich am Tag gegen Gewalt an Frauen
Lokales Havelland Rathenow beteiligt sich am Tag gegen Gewalt an Frauen
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18:09 23.11.2019
Catrin Seeger vom Beratungs- und Krisenzentrum für Frauen. Quelle: Tanja M. Marotzke
Havelland

Der Landkreis tut es, ebenso die Städte Rathenow und Nauen. In Falkensee lässt es sich sogar Bürgermeister Heiko Müller (SPD) nicht nehmen, die Fahne der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Manuela Dörnenburg, am 25. November zu hissen.

Muss das sein?

Mit diesen und weiteren Aktionen beteiligt sich das Havelland auch in diesem Jahr am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen und Mädchen. Aber ist so ein Tag hierzulande überhaupt nötig? Braucht es Fahnen mit der Aufschrift „Frei leben ohne Gewalt“ an Rathäusern?

Gut im Thema

„Leider ja“, sagt Catrin Seeger. Sie hat das einzige Frauenhaus im Havelland nach der Wende aufgebaut und leitet die Einrichtung bis heute. Seeger ist zudem Sprecherin und Vorstandsmitglied im Netzwerk brandenburgischer Frauenhäuser und Vorsitzende des Unabhängigen Frauenvereins Rathenow. Dieser betreibt das Frauenhaus und berät unter anderem von Gewalt betroffene Frauen auch ambulant. Die Sozialarbeiterin und Familientherapeutin kennt sich also mit dem Thema bestens aus.

Ein Mann wird gegenüber einer Frau gewalttätig – leider immer noch Alltag. Quelle: epd

„2019 wurden bereits 110 Frauen von ihrem Partner umgebracht. Allein im Havelland hat die Polizei im vergangenen Jahr 263 Fälle häuslicher Gewalt erfasst, das geht aus dem Lagebericht zur häuslichen Gewalt hervor. Im Land Brandenburg waren es insgesamt 4466 Fälle und damit 212 mehr als 2017. Und das sind nur die registrierten Fälle. Die vielen Opfer, die nicht zur Polizei gehen also nicht mitgezählt“, betont Catrin Seeger.

Viele Gespräche

Wie groß die Not ist, bekommen sie und ihre Kollegin Jana Reinhardt täglich zu spüren – in Beratungsgesprächen und im Frauenhaus selbst. „Seit Anfang Oktober können wir keine Frauen in Not mehr aufnehmen. Unser Haus ist mit fünf Frauen und elf Kindern voll belegt. Das heißt, wir müssen mehrmals pro Woche Frauen abweisen und an andere Häuser vermitteln. Allein das zeigt, wie wichtig es ist insbesondere am 25. November darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen auch in unserer Gesellschaft noch immer von Gewalt bedroht sind“, betont Seeger.

Oft ausgelastet

In diesem Jahr war die Einrichtung im Havelland häufig ausgelastet, das heißt alle fünf Familienzimmer waren belegt. In diesem Jahren fanden hier bisher 28 Frauen sowie 44 Kinder Schutz. Diese Mädchen und Jungen wurden aus ihrem Alltag herausgerissen, weil sie im eigenen Zuhause nicht in Sicherheit sind.

Gewalt gegen Mädchen ist ebenfalls Thema am Montag. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Um diesen Kindern die nötige psychosoziale Begleitung zu ermöglichen, hatte das Land Brandenburg im Sommer entsprechende Personalkosten zur Verfügung gestellt. Auch in Rathenow wird eine solche Stelle dringend benötigt. Seit 1. Juli ist diese ausgeschrieben, aber noch immer nicht besetzt, weil es an qualifiziertem Personal mangelt.

Die Konvention

Ein weiteres Problem sind fehlende Plätze. Laut Istanbul-Konvention, dem „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, soll pro 10.000 Einwohner ein Familienzimmer zur Verfügung stehen.

Rechtlich bindend

Im Havelland wären das insgesamt 16 Zimmer. Tatsächlich stehen aber nur fünf zur Verfügung. Es fehlen also elf Familienzimmer in der Region. Dieses Defizit müsste eigentlich in den nächsten Jahren verschwinden, denn Deutschland gehört zu den 33 Ländern, die das rechtlich bindende Abkommen ratifiziert haben.

Die Istanbul-Konvention

Das „Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“ ist ein 2011 ausgearbeiteter völkerrechtlicher Vertrag und ein rechtlich bindendes Menschenrechtsinstrument.

Das Übereinkommen, auch bekannt als Istanbul-Konvention, trat Anfang Februar 2018 in Deutschland in Kraft und erfasst Gewalt gegen Frauen als das, was es ist: Eine Form der Menschenrechtsverletzung und Diskriminierung.

Das bedeutet, dass Staaten zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie dieser Gewalt nicht angemessen begegnen.

Der Konventionstext umfasst alle Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen – körperliche, seelische und sexuelle Gewalt – aber auch Stalking, Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung.

Die Konvention führt zudem eine Reihe neuer Straftatbestände ein und verlangt die Einbindung aller zuständigen öffentlichen Behörden und Hilfseinrichtungen, um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt bekämpfen zu können.

„Wir setzen große Hoffnung in die neue Landesregierung, die sich in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich verpflichtet hat, die Istanbul-Konvention umzusetzen“, sagt Catrin Seeger. Sie würde sich wünschen, dass es schon bald keinen Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen und Mädchen mehr braucht. Bis dieser Wunsch in Erfüllung geht, setzen sich Seeger und ihre Mitstreiterinnen weiter für die vielen Opfer ein.

Info für Falkensee: Die Gleichstellungsbeauftragte Manuela Dörnenburg lädt am 27. November gemeinsam mit dem Haus am Anger zu einer Theateraufführung ein. Das Turmalin-Theater aus Kunreuth in Ober-Franken spielt die auch heute in vielen Formen aktuelle Geschichte der Seherin Kassandra. Die Aufführung im Theaterraum des Haus am Angers in der Falkenhagener Straße 16 beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Christin Schmidt

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