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Rathenow 230 Käsesorten auf dem Rathenower Wochenmarkt
Lokales Havelland Rathenow 230 Käsesorten auf dem Rathenower Wochenmarkt
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08:15 28.07.2019
„Wie viel darf’s denn sein?“ Benny Hesselink ist der Neue auf dem Rathenower Wochenmarkt. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

 Ist doch alles Käse! Ja richtig. Und zwar der allerfeinste. Seit dem 10. Juli steht der Händler Benny Hesselink mit seinem Käsemobil mittwochs auf dem Wochenmarkt vor dem Kulturzentrum und bringt die Vielfalt der Käsewelt in die Stadt.

Wenn man am Stand steht, und den Kunden zuhört, dann kann man den Eindruck gewinnen, als sei der Erlöser nach Rathenow gekommen. „Was, Sie haben echten Beaufort im Angebot?“, staunt ein Mann im mittleren Alter. „Dass ich das noch erleben darf.“

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Rohmilchkäse aus den Alpen

Und nicht nur der berühmte Rohmilchkäse aus den französischen Alpen lässt das Wasser der Kunden im Munde zusammen laufen. In der Auslage locken Köstlichkeiten aus aller Welt. Preisgekrönter Cheddar aus Lincolnshire liegt neben Kalkgrottenkäse aus Dänemark und sardinischem Trüffelpecorino.

Im Video: Hip-Hop macht Käse fruchtiger: Firlefanz oder Wissenschaft?

Wer es weniger ausgefallen mag, entscheidet sich für holländischen Gouda oder Emmentaler aus der Schweiz. Aber auch diese gängigen Käsesorten bezieht Hesselink von ausgewählten Produzenten.

Joghurt, Quark, Frischmilch

Rund 230 Käsesorten hat der 38-Jährige im Angebot. Dazu kommen eine Reihe von selbst zubereiteten Frischkäsevariationen – milde mit frischen Kräutern, würzige mit getrockneten Tomaten und solche, die mit Chili angeschärft sind. Molkereiprodukte wie Joghurt, Quark und Frischmilch komplettieren das Programm.

Rund 230 Käsesorten hat Hesselink im Angebot. Quelle: Markus Kniebeler

Dass Benny Hesselink zum Käse-Sommelier – so nennt man heute neudeutsch einen Käsefachverkäufer – dass Hesselink also zu einem Käse-Sommelier heranreifte, hat er seiner Mutter zu verdanken.

Elfi Hesselink war es, die im Jahr 2001 in Werder einen kleinen Anhänger zum Käsemobil ausbaute und damit über die Märkte der Region tourte. Weil das Geschäft gut lief, wurde aus dem kleinen Anhänger recht bald ein größeres Mobil.

Schwierige Entscheidung

Nach dem Tod von Elfi Hesselink im Jahr 2010 stand der Sohn vor einer schwierigen Entscheidung. Wie weiter mit dem Geschäft, das die Mutter gegründet und zu einem erfolgreichen Mini-Unternehmen aufgebaut hatte?

Benny Hesselink grübelte eine ganze Weile, aber am Ende war die Lösung des Problems leichter als gedacht. Er entschloss sich, das, was seine Mama entwickelt hatte, mit seiner Tante weiterzuführen.

Schwerstarbeit an einem alten Cheddar. Quelle: Markus Kniebeler

Bis zu diesem Tag hatte der gelernte Koch das hinter sich, was in der Gastronomie gerne als Ochsentour bezeichnet wird: 16-Stunden-Tage in Küchen gehobener Restaurants, wenig Freizeit, bescheidene Bezahlung.

„Was die Arbeitsbelastung angeht, war ich damals am Limit“, erinnert sich Hesselink. Von daher kam ihm die Möglichkeit, aus der Gastronomiemühle auszusteigen, gerade recht.

Hesselink stürzte sich in das Marketender-Leben. An vier Tagen ist er mit seinem Käsemobil unterwegs: Donnerstags bietet er seine Ware in Frankfurt/Oder oder Nauen an, freitags steht er in Brandenburg/Havel und samstags in Potsdam. Und seit drei Wochen ist der Rathenower Mittwochsmarkt Station in seinem Tourenplan.

Empfehlung von Kollegen

Andere Händler, die den Rathenower Wochenmarkt kennen, hatten ihm den Sprung ins Westhavelland empfohlen. Und weil der Markt auf dem Potsdamer Bassinplatz, auf dem Hesselink mittwochs vertreten war, nicht mehr so gut lief, wagte er den Ortswechsel.„Ich bin sehr zufrieden mit dem Zuspruch“, sagt er. „Anscheinend bin ich in eine Marktlücke gestoßen.“

Das kann man wohl sagen. „Wir haben drei Fleischer, drei Fischhändler, diverse Obst- und Gemüsestände und vieles mehr“, sagt Antje Siewert, Mitarbeiterin im Sachgebiet Gewerbe der Rathenower Stadtverwaltung. „Aber einen Käsestand hatten wir nicht.“

Günstige Fügung

Von daher brauchte es keine lange Bedenkzeit, als die Anfrage des Käse-Sommeliers eintrudelte. Und weil sich gerade ein Eierhändler, der viele Jahre auf dem Wochenmarkt vertreten war, aus Altersgründen zurückgezogen hatte, konnte man Hesselink einen attraktiven Standort anbieten.

Dort steht er nun und sorgt bei der Rathenower Kundschaft für Glücksgefühle. „Kommen Sie denn auch wirklich wieder?“, fragt eine Dame, die gerade ein Stück Rohmilch-Camembert erworben hat, voller Besorgnis. „Keine Bange, bin jetzt jeden Mittwoch hier“, antwortet Hesselink. Käse gut – alles gut!

Von Markus Kniebeler