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Rathenow Auf den Spuren des roten Teufels
Lokales Havelland Rathenow Auf den Spuren des roten Teufels
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16:10 28.12.2018
Paul Nickel interessiert sich für alte Motorräder und will eine AF-Motor Artur Flemming wieder aufbauen. Quelle: Marlies Schnaibel
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Friesack/Rathenow

 Eine Spur führt ins Havelland. Zumindest wenn der Mecklenburger Paul Nickel der Vergangenheit von Artur Flemming nachspürt. Flemming war eine Motorradlegende in der frühen DDR, hatte selbst einen Motor entwickelt und mit der Marke Eigenbau viele Rennen gewonnen.

Herkunft: Schlosserfamilie

Und so ein altes Motorrad mit dem passenden Motor will der motorsportbegeisterte Paul Nickel nachbauen. Er selbst stammt gewissermaßen aus einer Schlosserfamilie: Vater, Großmutter, Großvater – waren Schlosser und auch Motorradfahrer. Bei Paul selbst stand schon mal ein Motorrad unterm Tannenbaum – anfangs war es für den kleinen Jungen eines aus Holz in der Funktion eines Schaukelpferdes, später für den Heranwachsenden kam eine richtige Maschine mit roter Schleife an den Gabentisch. Eine alte EMW.

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Die Liebe zum Motorrad sollte sich als so groß erweisen, dass der Junge nichts anderes mehr machen wollte. Etwa Lernen für die Schule. Und weil das so mit dem Abitur nicht klappte, wurde ein Beruf gelernt. Natürlich etwas mit Schlossern.

Richtige Berufswahl

Die richtige Berufswahl, sagt Paul Nickel rückblickend. Als Zerspanungsmechaniker für Frästechnik verdient er heute sein Geld, der Großteil der Freizeit geht immer noch in die Motorräder. Wie viele funktionstüchtige und halbfunktionstüchtige Maschinen auf dem Grundstück des Vaters herumstehen, kann man auf den ersten Blick schwer ausmachen. Das Haus in der Nähe von Neustrelitz ist eine ehemalige Dorfschmiede, und den Schmiedeteil haben Vater und Sohn wieder zu einer funktionstüchtigen Schmiede gemacht. Oder zu einer Metallverarbeitungswerkstatt zur Herstellung von Motorradersatzteilen. „Wenn uns ein altes Teil fehlt oder es kaputt geht und auf dem Markt nicht mehr zu finden ist, dann bauen wir es selbst“, sagt Paul Nickel. Genau so geht er auch an das Projekt „Artur Flemming“ ran.

Der AF-Motor von Artur Flemming entstand im Eigenbau. Quelle: Marlies Schnaibel

Ein Bekannter hatte die Reste eines AF-Motors gesehen und ihm davon erzählt. Dann begann die Jagd – auf den Motor, auf die Ersatzteile, auf das Motorrad selbst. „Ein Fünftel der Teile wie Zylinder, Zylinderkopf und Kurbelwelle habe ich bekommen“, erzählt Paul Nickel. „Ich habe im Internet und auf Teilemärkten gesucht, habe viel telefoniert, bin hin- und hergefahren.“

Besuch bei Zierk und Alpermann

Eine Fahrt führte nach Lehrte zu Hans Zierk. Eine andere führte nach Rathenow zu Siegfried Alpermann, einem sehr erfolgreichen Motorradfahrer. Er war mit der AF-Maschine 1960 und 1961 DDR- Meister in der 250er-Klasse geworden. Stück für Stück kamen so die Teile zusammen.

Den 34-jährigen Bastler fasziniert die Technik. „Es ist der einzige Eigenbau-Sandbahnmotor mit Königswellensteuerung, der auch erfolgreich war“, schwärmt er. „Mich fasziniert, wie ein Mann so ein Gerät als Eigenmarke entwickelt hat, nicht mit einem Betrieb im Rücken“, sagt Paul Nickel.

Suche in Friesack

Und inzwischen will er nicht nur die Maschine zum Laufen bekommen, sondern auch mehr über Artur Flemming in Erfahrungen bringen. In den 50er-Jahren war ein Buch über den Rennfahrer „Der rote Teufel“ erschienen. Vielleicht gibt es aber noch irgendwo mehr Unterlagen, Projektzeichnungen, Bilder. Flemming selbst hat in Berlin-Pankow gelebt, aber seine Familie soll nach Friesack gezogen sein. Um 1980 ist er gestorben. „Er hatte zwei Töchter, aber ich kenne ihren Familiennamen nicht“, erzählt Paul Nickel. Nun hofft er, dass geschichtsträchtige Friesacker sich an die Familie erinnern können und ihm einen Tipp geben können.

Begeisterung fürs Motorrad

Derweil wird der Motor in der 350-Kubikzentimeter-Klasse zu Ende gebaut. Zwei Dinge begeistern den jungen Mann am Motorrad: das Fahren an der frischen Luft und die Technik zum Anfassen. Beides sind direkte, unmittelbare Erlebnisse. Paul Nickel fährt täglich mit dem Motorrad zur Arbeit.

Auch die Urlaubsreisen werden oft per Motorrad absolviert. Dann geht es mit Freunden und alten Maschinen rund um die Ostsee oder ans Schwarze Meer, tausende Kilometer werden zurückgelegt. Ein Abenteuerurlaub, vor allem, wenn etwas kaputt geht und die Verständigung im tiefsten Finnland oder im rumänischen Grenzland nicht ganz einfach ist. Gelegentlich fährt Paul Nickel auch Motorradrennen – aber nur auf historischen Maschinen. Eine von Artur Flemming würde da gut reinpassen.

Kontakt über Telefonnummer 0157 760 60 534

Von Marlies Schnaibel