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Rathenow Hier finden Schüler ihren Traumberuf
Lokales Havelland Rathenow Hier finden Schüler ihren Traumberuf
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16:31 03.01.2019
Juniorchef Philipp Thonke (l.) mit seinem Facharbeiter Maik Schmidt. Der 24-Jährige hat seinen Arbeitgeber auf der Börse für Ausbildung und Studium kennengelernt.
Juniorchef Philipp Thonke (l.) mit seinem Facharbeiter Maik Schmidt. Der 24-Jährige hat seinen Arbeitgeber auf der Börse für Ausbildung und Studium kennengelernt. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow/Paaren

Von wegen im Havelland findet die Jugend keine Traumberufe. Landrat Roger Lewandowski (CDU) hat sich am Donnerstag beim Besuch der größten Bäckerei im Land Brandenburg persönlich davon überzeugt, dass es in der Region Jobs gibt, die selbst einem eingefleischten Verwaltungsbeamten große Freude bereiten. Interessant und fast schon paradiesisch klingt zum Beispiel die Arbeit am „Tortenplatz“.

Den ganzen Tag umgeben von Buttercreme, Streusel und Früchten, die in echter Handarbeit auf verschiedenste Torten gelegt, gespritzt und gestreut werden. Alles was man braucht, um hier zu arbeiten, ist eine Ausbildung zum Konditor und die bietet unter anderem die Bäckerei Thonke an.

„Dass Backen kreativ ist und sehr viel Spaß machen kann, beweist die Moderatoren Enie van de Meiklokjes in ihrer Sendung ,Enie backt’. Ihr ist es zu verdanken, dass der Bäckerberuf derzeit wieder etwas im Trend liegt“, sagt Philipp Thonke, Juniorchef der Bäckerei Thonke. Rund 500 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Um Fachkräfte für die Zukunft zu sichern, bildet das Unternehmen in vier Berufen aus.

Allerdings geht es der Bäckerei wie anderen Handwerksbetrieben auch – sie haben Mühe geeignete Auszubildende zu finden. Deshalb wird sich das Rathenower Familienunternehmen auch in diesem Jahr wieder mit rund einhundert weiteren Ausstellern auf der „Börse für Ausbildung und Studium im Landkreis Havelland“ präsentieren.

Landrat Roger Lewandowski (r.) besucht mit Vertretern der IHK, der Agentur für Arbeit und der Kreishandwerkerschaft die Bäckerei Thonke Quelle: Christin Schmidt

Diese findet zum neunten Mal statt und bringt am 10. Januar im Erlebnispark Paaren Ausbildungsbetriebe und Schulen verschiedenster Branchen mit Schülern zusammen. Organisiert wird die Börse von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Havelland gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Neuruppin, der Industrie und Handelskammer Potsdam, der Kreishandwerkerschaft Havelland und der Wirtschaftsförderung Brandenburg.

„Aktuell haben sich 1470 Schülerinnen und Schüler der 9. bis 13. Klasse und 75 Lehrkräfte angemeldet, das ist ein Rekord“, verkündete Landrat Roger Lewandowski (CDU) am Donnerstag freudig. Er sah sich in Vorbereitung der Börse gemeinsam mit Rainer Deutschmann von der Kreishandwerkerschaft, Simone Hirschmann von der Agentur für Arbeit und Leona Heymann (IHK) am Produktionsstandort der Bäckerei Thonke in Rathenow um.

Hier arbeitet unter anderem Maik Schmidt. Der 24-Jährige fand Dank der Ausbildungsbörse zu seinem Beruf. „Eigentlich wollte ich damals Verkäufer werden. Herr Thonke überzeugte mich aber zum Probearbeiten in der Bäckerei und kurz darauf habe ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben“, berichtet der junge Rathenower.

Landrat Roger Lewandowski (2.v.r.) besucht mit Vertretern der IHK, der Agentur für Arbeit und der Kreishandwerkerschaft die Bäckerei Thonke. Quelle: Christin Schmidt

Inzwischen ist er ein Bäcker und damit ein Facharbeiter. „Meine Berufswahl habe ich nie bereut. Ich bin heute in der Feinbäckerei beschäftigt und stelle unter anderem den Belag für unseren Mohnkuchen her“, erklärte Maik Schmidt und reichte den Gäste eine Kostprobe. Die Mischung aus Milch, Gries, Mohn, Puddingpulver und Zucker begeisterte den Landrat ebenso wie die moderne Technik mit der hier gearbeitet wird.

Zwei Klicks braucht es am Computer, um Teig anzumischen und einen um Brot und Brötchen in den Ofen zu schieben. Die Brotlaibe werden aber nach wie vor von Hand geknetet. „Niemand muss mehr schwere Säcke mit Mehl schleppen“, betont der Juniorchef. Er ist selbst gelernter Koch und der beste Beweis dafür, dass man auch im Handwerk Karriere machen kann. In Wien, Dubai und Innsbruck hat er gearbeitet und führt nun in vierter Generation fort, was sein Uropa Gotthilf Thonke 1926 aufgebaut hat.

Die Gäste zeigten sich begeistert und fühlten sich einmal mehr von der Notwendigkeit der Börse für Ausbildung und Studium bestätigt. Rund 25.000 Euro investiert der Landkreis in diese Veranstaltung mit dem Ziel, jungen Menschen eine berufliche Perspektive in der Region aufzuzeigen und den Nachwuchs zu überzeugen, die Heimat nicht zu verlassen. Der Landrat ist sich sicher, dass dieses Geld gut investiert ist. Die hohe Teilnehmerzahl zeige, dass der Bedarf groß ist.

„Wir wollen auch mit allen Klischees aufräumen. Es ist längst nicht mehr so, dass man für eine gute Ausbildung die Heimat verlassen muss. Die Unternehmen in der Region haben viel zu bieten“, betont Simone Hirschmann. Etwas Kritik gab es allerdings von Roger Lewandowski. Er hatte gehofft, dass sich mehr Handwerksbetriebe auf der Messe vorstellen. „Sie haben recht, unsere Innungsbetriebe sind schwach vertreten. Das hat aber auch mit der sehr starken Auftragslage zu tun“, erklärte Rainer Deutschmann.

Erstmals wird es 2019 während der Börse Seminare zu Themen wie Karriereweg mit Ausbildung, Studienberatung, duales Studium und Überbrückungsmöglichkeiten geben. 225 Schüler haben sich dafür bereits angemeldet. Neu ist auch die Webseite zur Börse. Auf www.ausbildung-im-havelland.de gibt es unter anderem eine Übersicht mit allen Ausstellern.

Von Christin Schmidt