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Rathenow 530 Millionen Kosten: Lehrter Bahn wird bis 2034 ausgebaut
Lokales Havelland Rathenow 530 Millionen Kosten: Lehrter Bahn wird bis 2034 ausgebaut
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13:59 20.03.2019
Durchs Havelländische Luch verlaufen derzeit zwei Schnellbahngleise. Hier soll ein neues Stammbahngleis verlegt werden.
Durchs Havelländische Luch verlaufen derzeit zwei Schnellbahngleise. Hier soll ein neues Stammbahngleis verlegt werden. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Bahnfahrer aus dem Havelland. Die gute zuerst: Die Lehrter Stammbahn zwischen Rathenow und Berlin wird ausgebaut.

Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Takt auf der Linie RE 4 verdichtet wird. Außerdem wird sich die Fahrtzeit in die Hauptstadt – wenn auch geringfügig – verringern. Die schlechte Nachricht: Bis es so weit ist, wird es noch rund 15 Jahre dauern.

Diese beiden zentralen Botschaften verkündete Jürgen Bahn, der verantwortliche Manager für das Millionenprojekt, am Dienstagabend im Rathenower Kulturzentrum.

Informationsveranstaltung im Kulturzentrum

Dorthin hatte die Deutsche Bahn die Bürger geladen, um über den Stand der Planungen zum Ausbau der Strecke Hannover – Berlin (auch bekannt als Lehrter Stammbahn) zu informieren.

Jürgen Bahn, Manager des Ausbauprojektes Lehrter Stammbahn. Quelle: Markus Kniebeler

Der vorgestellte Zeitplan – die Inbetriebnahme der Lehrter Bahn ist im Jahr 2034 geplant – gibt eine Ahnung von der Dimension des Vorhabens.

Und die geschätzten Investitionskosten bestätigen diese: 530 Millionen Euro sind veranschlagt, um die in Teilen stillgelegte Stammbahn zwischen Vorsfelde (Niedersachsen) und Wustermark wieder flott zu machen.

Geschwindigkeiten bis 160 km/h

Dieser 239 Kilometer lange Abschnitt soll durchgehend elektrifiziert und für Geschwindigkeiten von 160 km/h ausgebaut werden. Zwischen dem Abzweig Bamme und dem Abzweig Ribbeck soll ein drittes Gleis errichtet werden. Derzeit befinden sich dort nur zwei Streckengleise, die sich die Züge des Güter-, Regional- und Fernverkehrs teilen müssen.

>>LESEN SIE AUCH: Linke fordern schnelleren Ausbau der Lehrter Bahn-Strecke

Dieses Einzelprojekt interessierte die rund 40 Zuhörer im Blauen Saal am meisten. Denn die rund 17 Kilometer lange Engpass, von Jürgen Bahn als Flaschenhals bezeichnet, ist der Hauptgrund dafür, dass momentan nicht mehr Züge auf die Strecke geschickt werden können.

Ein durchgehendes Stammbahngleis zwischen Rathenow und Berlin würde den Regional- vom Fernverkehr trennen. Das zeitaufwändige Ein- und Ausfädeln von Regionalzügen auf die Schnellbahntrasse entfiele, die Fahrtzeit würde sich verkürzen und der Takt könnte verdichtet werden.

Den Verkehr bestellen die Länder

Diese heiß ersehnte Taktverdichtung, das wurde im Verlauf der Veranstaltung deutlich, ist allerdings nicht Sache der Deutschen Bahn. „Die Länder Berlin und Brandenburg bestellen und bezahlen den Verkehr“, stellte Michael Aebeloe, Referent des Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn für das Land Brandenburg, klar. Dann werde geprüft, ob eine Verdichtung praktisch und technisch umsetzbar sei.

Daniel Golze, Fraktionschef der Linken Rathenow Quelle: privat

Daniel Golze, Fraktionschef der Rathenower Linken, der den Ausführungen aufmerksam folgte, appellierte an alle Verantwortlichen, zu prüfen, ob man bis zur Fertigstellung der Stammbahn in den Stoßzeiten nicht jetzt schon mehr Regionalexpresszüge auf die Strecke schicken könne.

Golze setzt sich für schnellere Umsetzung ein

„Wenn wir als Stadt für Menschen aus dem Großraum Berlin attraktiv werden wollen, dann können wir mit der Verbesserung der Bahnanbindung nicht bis 2034 warten“, sagte er.

Der SPD-Abgeordnete Manfred Lenz hakte nach und wollte wissen, ob man in dem Gesamtprojekt den Lückenschluss auf der Stammbahn zwischen den Abzweigen Bamme und Ribbeck nicht vorziehen könne.

Denn dass sich der Verkehr auf der viel befahrenen Strecke so schnell wie möglich entspanne, müsse doch auch im Interesse der Bahn sein.

Ernüchternde Antwort

Die Antwort des Projektmanagers fiel ernüchternd aus. Bei der Planung des Gesamtvorhaben hätten natürlich auch wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle gespielt. Außerdem sei der brandenburgische Abschnitt des Gesamtvorhabens der mit Abstand komplizierteste.

Denn während es in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen bereits Baurecht gebe, müsse in Brandenburg ein komplettes Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Und das brauche bei einem Projekt dieses Umfangs seine Zeit.

Genug Platz zwischen den Trappenschutzwällen

Der neu zu bauende Abschnitt führt quer durch das Trappenschutzgebiet. Die Befürchtung, dass beim Baugenehmigungsverfahren deshalb mit zusätzlichen Komplikationen zu rechnen sei, ist unbegründet.

Zwischen den beiden Trappenschutzwällen, die beim Bau der ICE-Strecke zum Schutz des sensiblen Areals errichtet wurden, sei Platz für zwei zusätzliche Gleise, erklärte Jürgen Bahn.

Bei einem ersten Gespräch der Bauplaner mit Vertretern des Fördervereins Großtrappenschutz habe es von dessen Seite keine nennenswerten Einwände gegeben.

Im Zuge der Arbeiten sollen die Bahnsteige in Nennhausen, Buschow und Wustermark umgebaut werden. In Groß Behnitz wird kein Halt eingerichtet. Das sei vom Land Brandenburg nicht angemeldet worden, so Jürgen Bahn.

>>Lesen Sie zum Thema auch unseren Kommentar: „Gemischte Gefühle“

Von Markus Kniebeler