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Rathenow Ein Buchprojekt unterstützt das Frauenhaus
Lokales Havelland Rathenow Ein Buchprojekt unterstützt das Frauenhaus
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13:38 07.02.2019
Sabrina Kunz hat ihre Geschichte in dem Buch „100 Frauen schrieben Briefe an das Leben“ veröffentlicht. Die Einnahmen kommen Frauenhäusern zu Gute.
Sabrina Kunz hat ihre Geschichte in dem Buch „100 Frauen schrieben Briefe an das Leben“ veröffentlicht. Die Einnahmen kommen Frauenhäusern zu Gute. Quelle: Privat
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Rathenow

Da staunten die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses nicht schlecht, als plötzlich eine ehemalige Bewohnerin vor ihrer Tür stand und nicht um Hilfe bat, sondern der Einrichtung 500 Euro spenden wollte.

Vor sechs Jahren hatte Sabrina Kunz (Name v.d. Redaktion geändert) hier mit ihrer Tochter Zuflucht gefunden. Eine schlimme Zeit für die junge Frau.

Was sie damals erlebte, hat sie nun aufgeschrieben und gemeinsam mit 99 anderen Frauen in einem Buch veröffentlicht. „Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen an Frauenhäuser. Und weil Sie mich damals so gut aufgenommen haben und eine so wichtige Arbeit leisten, möchte ich jetzt etwas zurückgeben“, so die Besucherin.

Psychoterror im eigenen Zuhause

Die Rückkehr in die Einrichtung wühlt Sabrina Kunz sichtlich auf. Erinnerungen an eine furchtbare Zeit werden wach, als sie Jana Reinhardt bei einem Kaffee erklärt, warum sie hier ist und wie es ihr jetzt geht.

Vier Wochen verbrachte sie im einzigen Frauenhaus im Havelland, weil ihre damalige Lebenspartnerin sie vor allem psychisch terrorisierte und sie ihr Kind schützen musste.

Jana Reinhardt, die gemeinsam mit Catrin Seeger das Frauenhaus leitet, kann sich noch gut an diesen ungewöhnlichen Fall erinnern. Sie war für die verängstigte Frau da, begleitete sie bei Behördengängen, gab ihr seelische Unterstützung und half ihr, einen Weg aus der Krise zu finden.

Schreiben um zu verarbeiten

Dass Sabrina Kunz über die Erlebnisse von damals inzwischen sprechen kann, hat sie auch dem Buchprojekt „100 Frauen schreiben Briefe an das Leben“ zu verdanken. Darin beschreiben unterschiedlichste Protagonistinnen ganz persönliche Erlebnisse.

Es sind Geschichten von häuslicher Gewalt, von Krankheiten, Mobbing, Sucht, dem Verlust eines Kindes und anderen Schicksalsschlägen.

Die Idee dazu hatte Verena Nickel. Sie durchlebte selbst eine schwere Krise und fragte sich, was andere Frauen machen, wenn sie in Schwierigkeiten stecken. Also startete sie einen Facebook-Aufruf und ermutigte Frauen, ihre Geschichte aufzuschreiben.

Einhundert Frauen, ein Buch

Innerhalb kürzester Zeit meldeten sich einhundert Frauen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die bereit waren, ihre Geschichte in einem gemeinsamen Buch zu veröffentlichen. Verena Nickel war begeistert und obwohl sie selbst gar keine Erfahrung als Autorin hat, beschloss sie, das Projekt in die Tat umzusetzen.

Unterstützung bot ihr Ina Nordmann an, die gerade ihr erstes Buch veröffentlicht hat. „Nur sieben Monate später hielten wir das gedruckte Exemplar in unseren Händen“, erinnert sich Verena Nickel stolz und fügt hinzu: „Ich habe das Gefühl, wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden“.

So unterschiedlich wie die Geschichten im Buch, sind auch die einzelnen Autorinnen. „Wir kannten uns ja alle nicht. Was uns verbindet ist allein dieses Buch“, erklärt Sabrina Kunz. Für sie war das Ganze ein großer, glücklicher Zufall.

„100 Frauen schreiben Briefe an das Leben“

Verena Nickel und Ina Nordmann haben das Buch „100 Frauen schreiben Briefe an das Leben“ 2018 gemeinsam herausgebracht.

Antrieb für das Buch war die Frage, wie andere Frauen mit Schicksalsschlägen, Sorgen, aber auch mit Glück umgehen.

Auf knapp 300 Seiten erzählen unterschiedlichste Frauen ganz persönliche Geschichten zu Themen wie Liebe, Trauer, Familie, Glück und Hoffnung.

Die Frauen kennen sich nicht persönlich, sie folgten lediglich alle dem Aufruf von Verena Nickel. Was sie vereint, ist dieses Buch.

Das Buch gibt es online zu kaufen, ISBN: 3752822783

Das Buch hat vielen der einhundert Autorinnen dabei geholfen, Erlebtes zumindest ein Stück weit zu verarbeiten. Das bestätigt auch Sabrina Kunz.

„Dieses Buch ist mir sehr wichtig. Es ist ein außergewöhnliches Projekt, dass zum einen den Frauen geholfen hat, die durch das Schreiben das Erlebte ein Stück weit verarbeiten konnten. Es hilft aber auch denen, die es nun lesen können und so merken, sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein. Und es unterstützt sogar Frauenhäuser“, freut sich Sabrina Kunz.

Auch die Herausgeberinnen hoffen, dass dieses Gemeinschaftswerk vielen Leserinnen Mut macht. Denn wenngleich es durchaus sehr schwere Kost enthält, die man nicht an einem Stück lesen sollte, viele Briefe enden positiv und machen Hoffnung.

Jedes verkaufte Buch hilft Frauen in Krisen

Genau das ist es auch, was die Bewohnerinnen des Frauenhauses brauchen, ist sich Sabrina Kunz. Deshalb hat sie für die Einrichtung ein Exemplar mitgebracht.

Das ist auch ganz im Sinne der Herausgeberinnen. Denn von Beginn an stand für Verena Nickel fest, dass sie an dem Buchprojekt nichts verdienen möchte, sondern andere unterstützen will. „Ich persönlich habe davon keinen finanziellen Nutzen, aber ein sehr gutes Gefühl und 99 Frauen, die mir dankbar sind.“

Die ersten Einnahmen spendete Verena Nickel an das Frauenhaus in Münster. Nun wurde unter anderem die Einrichtung im Havelland bedacht. Und umso mehr Menschen das Buch kaufen, umso Hilfe ist möglich.

Von Christin SchmidtSabrina Kunz hat ihre Geschichte in dem Buch „100 Frauen schrieben Briefe an das Leben“ veröffentlicht. Die Einnahmen kommen Frauenhäusern zu Gute