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Rathenow Berliner Weltzeituhr ist ein Stück Rathenow
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10:11 16.05.2019
Quelle: dpa
Rathenow

Eine Nachbildung der Berliner Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz gibt es bereits – im Optikpark. Auf dem Karpfenteich wurden die Ellipsen mit einem Stegsystem nachgebildet. Allerdings ist es für Außenstehende nicht ganz leicht, darin die Weltzeituhr zu erkennen – immerhin weist eine Tafel am Rande des Karpfenteiches darauf hin.

Attraktion zur Laga 2006

Die Weltzeituhr auf dem Karpfenteich war eine der Attraktionen zur Landesgartenschau 2006 in Rathenow. Und nun, 13 Jahre später, hat sich Erich John, der das Original entwickelte, bereit erklärt, die Uhr in ein Kleinformat umzurechnen. Diese Nachbildung sollte dann in Rathenow an prominenter Stelle – vielleicht sogar im Optikpark – an die technische Leistung von Erich John und seinem Team erinnern.

Erich John (re.), Entwickler der Weltzeituhr und Hans-Joachim Kunsch, der an den Arbeiten beteiligt war. Quelle: Uwe Hoffmann

Frühsommer 1968: Als Formgestalter wurde John dazu aufgerufen, am Wettbewerb um die Urania-Säule am Alexanderplatz teilzunehmen. Gern nahm er die Herausforderung an, mit dem Ziel, wieder einen zentralen Treffpunkt für die Berliner zu schaffen. Sein Entwurf der Weltzeituhr erregte Aufsehen und gewann die Goldmedaille für Formgestaltung.

Schwere Aufgabe

Problematisch war nur, diesen auch Realität werden zu lassen — keine leichte Übung in der Planwirtschaft der DDR. Darüber hinaus war die Maßgabe, die Uhr in neun Monaten, bis zum 20. Jahrestag der DDR fertigzustellen.

Die Nachbildung der Weltzeituhr auf dem Karpfenteich. Quelle: privat

Zahlreiche Helfer und Unterstützer wurden mobilisiert und sogar staatlich genehmigte Feierabendbrigaden gegründet. Begonnen wurde der Bau in den Rathenower Optischen Werken, und mehrmals sah es so aus, als würde das Unternehmen scheitern. Materialmangel und Wettereinbrüche galt es zu meistern.

Lebhafte Erinnerung

Erich John, 1932 geboren, erinnerte sich erst vor einigen Jahren lebhaft an die Monate, in denen die Uhr in Rathenow entstand. „Beteiligt waren nicht nur die Optischen Werke“, sagte er bei einem „Talk im Park“. Diese Veranstaltung wurde über Jahre von der Märkischen Allgemeinen und Antenne Brandenburg präsentiert.

Die Planeten der Weltzeituhr scheinen in Berlin bei sonnigem Wetter um den Fernsehturm zu kreisen. Quelle: Reiner Jensen/dpa

Geholfen haben auch der VEB Wasseraufbereitungsanlagenbau Rathenow und der VEB Elektrozentrale Rathenow. „Außerdem muss man die Feierabendbrigaden würdigen, die sich unermüdlich eingesetzt haben“, erinnerte sich John seinerzeit.

Hilfe von Merkel

Insgesamt waren 120 Menschen am Bau der Uhr beteiligt. Ein wichtiger Verbindungsmann für Erich John war in Rathenow Rolf Merkel. Der hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls intensiv für den Erhalt der Optiktraditionen in Rathenow eingesetzt und erheblichen Anteil daran, dass ein Leuchtturm von der Warnemünder Mittelmole nun in Rathenow steht. Darin Leuchtfeueroptik der Rathenower Firma Picht und Söhne.

Die Lebenserinnerungen

Zurück zur Weltzeituhr. Im Buch „Ikarusflüge“ erinnert sich John an die spannende Zeit, in der die Weltzeituhr gebaut wurde. Eine andere Broschüre zum Wirken von Erich John: „Weltzeituhr und Wartburg-Lenkrad“. All das animierte den Rathenower Stadtverordneten Horst Schwenzer mit Erich John Kontakt aufzunehmen.

Horst Schwenzer im Flugzeug „Lady Agnes“ auf dem Gollenberg bei Stölln. Quelle: Norbert Stein

Schwenzer setzt sich seit Jahren dafür ein, neue touristische Anziehungspunkte zu schaffen. Die Nachbildung der Weltzeituhr wäre ein Anziehungspunkt par excellence, weiß Schwenzer. Erich John wäre bereit, die Weltzeituhr auf dem Alex klein zu rechnen, so dass eine Miniaturnachbildung errichtet werden könnte.

Noch viele Fragen offen

Am Mittwoch haben die Rathenower Stadtverordneten einstimmig den Weg frei gegeben. Zwar haben sich die Kommunalpolitiker noch nicht auf eine Summe festgelegt, mit der die Stadt den Bau der Nachbildung finanziert. Doch wird die Stadtverwaltung nun herausfinden, ob und wie die Idee umgesetzt werden kann. Dazu könnte auch die Gründung eines Fördervereins in Frage kommen.

Für den Ideengeber Horst Schwenzer steht die Weltzeituhr für ein kleines Stück Weltoffenheit. „Hat denn keiner gemerkt, dass acht Jahre nach dem Bau der Mauer, die verhindert hat, dass Bürger der DDR in die ganze Welt reisen können, Städtenamen aus der westlichen Welt auf der Uhr vermerkt waren?“ Dazu gehören: London, Lissabon, Casablanca, Melbourne und New York – um nur einige zu nennen.

Der erste Schritt

Horst Schwenzer ist zunächst froh über die Grundsatzentscheidung: „Es gibt in der Sache noch viele offene Fragen. Aber man muss den ersten Schritt gehen.“ Diesen Mut hatten die Rathenower Stadtverordneten. Und wer weiß – vielleicht gibt es nun schon bald neben einem Flugzeug in Stölln und dem Warnemünder Leuchtturm auf der Havel auch bald die Nachbildung der Berliner Weltzeituhr.

Der Designer Erich John

Erich Johns Zeichentalent wurde in der Berufsschule entdeckt. Der Schulleiter war es dann, der John an eine in Mecklenburg neu gegründete Fachschule für angewandte Kunst empfahl. John bestand die Aufnahmeprüfung.

Seine künstlerische Begabung wurde gefördert und konnte sich voll entfalten. Die Bewerbung an die Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Weißensee folgte und erwies sich als richtungsweisende Entscheidung.

Er war einer der ersten Absolventen des neu eingerichteten Studiengangs „Formgebung für die Industrie”. Rasch konnte er erste Erfolge verzeichnen.

Nach seinem Berufseinstieg sammelte John zunächst acht Jahre Erfahrungen in der Industrie — bevor er als Dozent an seine alte Hochschule ging.

Von Joachim Wilisch

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