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Rathenow Biker-Gruppe auf Bildungsreise
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14:59 20.06.2018
Die Motorradfahrer-Gruppe hat in Rathenow das Optik-Industrie-Museum im Kulturzentrum und die Optik-Firma Obrira besucht.
Die Motorradfahrer-Gruppe hat in Rathenow das Optik-Industrie-Museum im Kulturzentrum und die Optik-Firma Obrira besucht. Quelle: Bernd Geske
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Rathenow

Ein ungewöhnliches Bild bot sich am Dienstag in Rathenow auf dem Märkischen Platz. Eine Gruppe von Bikern kam angefahren, um sich vor dem Kulturzentrum zu formieren. Nach dem Erinnerungsfoto blockierten die Biker aber sofort nicht mehr die öffentliche Fläche und stellten ihre Schmuckstücke ordentlich auf einem Parkplatz in der Nähe ab.

Es war der Bildungshunger, der diese modernen „Ritter der Landstraße“ nach Rathenow trieb. Organisiert hat ihre Tour das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB), das seinen Sitz in Dortmund hat. Vor 15 Jahren hat dort Klaus Nakielski das Projekt „Bildungsurlaub für Motorradfahrer“ aus der Taufe gehoben. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen sei es als Bildungsurlaub anerkannt, hat er erklärt. Das bedeute, die Teilnehmer könnten dafür bei ihren Arbeitnehmern fünf Tage Sonderurlaub in Anspruch nehmen.

Klaus Nakielski organisiert die Motorradtouren zu Bildungszwecken. Quelle: Bernd Geske

Als Ziele für seine Bildungstouren hat Klaus Nakielski ausschließlich Orte in den neuen Bundesländern – also auf dem Gebiet der früheren DDR – ausgewählt. Es geht dabei ausdrücklich auch um Standorte, die meist aus wirtschaftlichen Gründen eng mit der DDR-Geschichte verbunden sind. Viermal im Jahr bietet er für alle Interessierten eine fünftägige Motorradtour an. Als Stützpunkte für die jetzige Fahrt hatten seine Biker Unterkünfte in Stendal und Neuruppin.

Am Montag waren sie in Pasewalk beim ersten Oberbürgermeister nach der Wende. Am Mittwoch fuhren sie zum Flugzeug „Lady Agnes“ nach Stölln und in die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück. Am Donnerstag waren sie in der Choriner Heide und beim regionalen Marmeladenproduzenten „Früchtezauber“ in Boizenburg. Am Freitag sahen sie sich das Schiffshebewerk Niederfinow an und sprachen mit einem ehemaligen Wachmann der DDR-Edelsiedlung Wandlitz.

Ute Lindemann hat die Gäste durch das Optik-Industrie-Museum geführt. Quelle: Bernd Geske

Vor einem Jahr war erstmals eine Dortmunder Biker-Gruppe im Kulturzentrum Rathenow. „Ich finde die Ausstellung im Optik-Industrie-Museum ausgesprochen interessant“, sagt Klaus Nakielski, „Frau Lindemann hat das alles auch sehr spannend vorgestellt.“ Deshalb habe er Rathenow in seinen Tourenplan mit aufgenommen.

Bereits Ute Lindemann ging bei ihrer Führung durch das Museum nach dem Gründungsmythos durch Familie Duncker auch ausführlich auf Ereignisse der DDR-Zeit ein. Außerdem fand im Kulturzentrum ein Zeitzeugengespräch statt mit Günter Schwolow, der in der DDR beim VEB Rathenower Optische Werke viele Jahre Leiter der Brillenfassungsfertigung mit über 1000 Beschäftigten war. „Wir hatten eine ausgesprochen angenehme Gesprächsatmosphäre“, hat er über die Biker berichtet. Es sei über den Betrieb und damalige politische Zusammenhänge geredet worden. Die Besucher seien sehr interessiert gewesen zu erfahren, wie das Leben in der DDR war.

Projekt „Bildungsurlaub für Motorradfahrer“

Seit 15 Jahren gibt es das Projekt „Bildungsurlaub für Motorradfahrer“.

In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen kann dafür Bildungsurlaub genommen werden. Fünf Tage Sonderurlaub pro Jahr sind möglich.

Träger der Fahrten ist das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB), das seinen Sitz in Dortmund hat.

Organisiert werden die Fahrten von Klaus Nakielski.

Er bietet gegenwärtig in jedem Jahr vier solche Touren an.

Sie führen alle durch das Gebiet der einstigen DDR und sind immer wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen gewidmet.

Teilnehmen können an einer Tour bis zu zwölf Motorradfahrer oder -fahrerinnen.

Alle Plätze sind ausgebucht. Es gibt eine Warteliste.

Ein Fahrer, der bei der Tour nach Rathenow dabei war, macht bereits die siebente Fahrt mit.

Im Anschluss fuhren die Biker zur Obrira Low Vision Rathenow GmbH, zu deren Gründern nach der Wende Günter Schwolow gehörte, der jetzt aber in Rente ist. Sein Sohn André Schwolow führte die Gäste durch die Firma. Sie interessieren sich für das Augenoptik-Fachgeschäft, die Spezial-Sehhilfen für hochgradig sehschwache Menschen und den Service für Ferngläser. Wie zu erfahren war, will Klaus Nakielski mit anderen Bikern im nächsten Jahr wieder Kulturzentrum und die Firma Obrira besuchen.

Von Bernd Geske