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Rathenow CDU hadert mit Fülöp und Fuhl
Lokales Havelland Rathenow CDU hadert mit Fülöp und Fuhl
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20:06 28.08.2019
Thomas Fuhl kandidiert gegen die eigene CDI-Landtagsbewerberin Barbara Richstein. Quelle: Marlies Schnaibel
Rathenow

Dem CDU Kreisverband Havelland stehen demnächst intensive Debatten bevor. Einerseits muss sich der Kreisvorstand der Partei mit den Konsequenzen für Thomas Fuhl befassen, der gegen die eigene Parteifreundin zur Landtagswahl antritt. Andererseits rumort es im Stadtverband Rathenow, wo ein Mitglied der Partei ganz offen in Sozialen Netzwerken bei einem Stadtverordneten der NPD um Zustimmung zu einem CDU-Antrag geworben hat.

Thema Videoüberwachung

Konkret ging es um das Begehren der CDU-Stadtverordnetenfraktion Rathenow,für den Märkischen Platz in der Kreisstadt eine Videoüberwachungsanlage zu installieren. Das CDU-Mitglied Enrico Fülöp hat sich in der Sache mit dem NPD-Stadtverordneten Michel Müller ausgetauscht und für Zustimmung geworben, die es dann auch tatsächlich von Müller gab.

Stimme nicht ausschlaggebend

Die Stimme des NPD-Stadtverordneten war nicht ausschlaggebend, der CDU-Antrag wäre auch ohne Müllers Zustimmung angenommen worden. Öffentlich bekannt wurde der Vorgang, weil einerseits Daniel Golze, Stadtverordneter der Partei Die Linke darauf hingewiesen hatte und weil das Portal „Presseservice Rathenow“ das Thema aufgegriffen hatte.

Michel Müller, Stadtverordneter der NPD in Rathenow. Quelle: NPD Brandenburg

Die Frage, ob und wie sich Stadtverordnete mit Vertretern der NPD einlassen sollen, dürfte nach der Landtagswahl in der Partei zum Thema werden, zumal mit Ingo Willimzig ein SVV-Kandidat der CDU im Mai gewählt wurde und dann zur AfD-Fraktion übergelaufen ist.

Kontrolle ist schwierig

Allerdings ist aus den Reihen der CDU zu hören, dass man nicht jedes Mitglied kontrollieren könne. Ebenso sie nicht zu kontrollieren, wer mit wem welche Kontakte pflege.

Aufruf zur Kundgebung

Der CDU-Kontakt zu Müller hat auch deshalb einen Beigeschmack, weil die Partei mit Ronald Seeger an der Spitze zu einer Kundgebung aufruft, mit der das Aktionsbündnis Rathenow sich gegen eine Demonstration wendet, die der NDP-Stadtverordnete Michel Müller angemeldet hat. Den Parteiausschluss von Thomas Fuhl (54) fasst die CDU vor der Landtagswahl nicht an. Danach jedoch könnte es geschehen. In einem Schreiben hat Roger Lewandowski, Vorsitzender des Falkenseer CDU-Stadtverbandes, die Mitglieder über die für seine Partei missliche Lage informiert. Lewandowski ist auch Landrat im Kreis.

Dieter Dombrowski, Vorsitzender der CDU Havelland konstatiert Thomas Fuhl „Selbstverliebtheit“. Quelle: Markus Kniebeler

CDU-Kreisvorsitzender Dieter Dombrowski sagt: „Der CDU-Stadtverband Falkensee wird sich mit dem Verhalten von Thomas Fuhl befassen und gegebenenfalls den Kreisverband auffordern, weitere Schritte zu prüfen“, sagte Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Kreisverbandes Havelland. „Das Verhalten von Thomas Fuhl ist unsolidarisch und trägt Züge von Selbstverliebtheit.“

Immer wieder gegen den Strich

Dass Fuhl gerne mal wider den Stachel löckt ist nicht neu. Bei der ersten Sitzung des Kreistages Havelland hat er schon einmal seine Partei und seine Parteifreundin Barbara Richstein brüskiert. Die Kandidatur von Richstein zur Vorsitzenden des Kreistages lehnte er ab.Sie habe zu viele Nebenämter, sagte Fuhl. Da bleibe wohl für den Kreistagsvorsitz nicht genug Zeit übrig. In der CDU nahm man das Verhalten von Fuhl damals noch hin.

Einst Landratskandidat

Und nicht nur das. Auch die Landratskandidatur von seinem Parteifreund Roger Lewandowski schien Fuhl nicht zu gefallen. Darum hatte er sich ebenfalls um das Amt beworben.

Barbara Richstein (links) hat Fuhl zum Gegenkandidaten. Landrat Roger Lewandowski (Mitte) kennt das bereits. Quelle: © Tanja M. Marotzke

Die CDU-Verbände Falkensee, Dallgow-Döberitz und Schönwalde-Glien hatten im November auf einer Wahlkreisversammlung Barbara Richstein zu ihrer Direktkandidatin gewählt, Thomas Fuhl war an dem Tag anwesend, hatte sich aber nicht zur Wahl gestellt. Er war im Sommer plötzlich als Einzelbewerber in das Rennen um das Direktmandat eingestiegen. Der Falkenseer Stadtverband bedauert den von Thomas Fuhl eingeschlagenen Weg ausdrücklich, schreibt Roger Lewandowski. Verweist dann aber darauf, dass Fuhl damit gegen die Satzung des CDU-Landesverbandes Brandenburg verstößt.

Der Partei geschadet

Richtig eng dürfte es für Fuhl werden, wenn Barbara Richstein ihr Direktmandat nicht wie erhofft das vierte Mal erringt und sie vielleicht mit einer Stimmendifferenz verliert, die ohne Fuhls Alleingang eher nicht zustande gekommen wäre. Mit Ursula Nonnemacher (Grüne) und Ines Jesse (SPD) sitzen ihr prominente Mitbewerberinnen im Nacken. Auch die Kandidaten von AfD, FDP, Linke und Freie Wähler rechnen sich einiges aus. Der CDU-Stadtverband setzt derweil auf die Kandidatin Barbara Richstein. Er will sich beim Thema Fuhl als zuständiges Gremium „zu gegebener Zeit mit dem Sachverhalt und möglichen Folgen befassen“. Der Sachverhalt und die möglichen Folgen wären „Parteischädigendes Verhalten“ und ein Parteiausschluss.

Gut gelaunt

Derweil schreitet Thomas Fuhl gut gelaunt durch seinen Wahlkampf. Mit dem Slogan „Wie Fuhl ist das denn“ begibt er sich in die Öffentlichkeit. „Wahrscheinlich werden sie mich aus der Partei schmeißen“, meint der CDU-Mann zu den bevorstehenden Parteidebatten.Von Thilo Sarrazin hat er sich beraten lassen. Thomas Fuhl ist seit 1990 Mitglied der CDU und Stellvertreter der Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung.

Von Marlies Schnaibel und Joachim Wilisch

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