Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Christian Görke will den Wahlkreis 4 zum vierten Mal gewinnen
Lokales Havelland Rathenow Christian Görke will den Wahlkreis 4 zum vierten Mal gewinnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 14.08.2019
Christian Görke will wieder in den Landtag. Quelle: Joachim Wilisch
Rathenow

Hat es mit dem Hang zum Sport zu tun? Seit fünfeinhalb Jahren ist Christian Görke Finanzminister des Landes Brandenburg. In dieser Zeit hat er alle Kollegen aus anderen Ländern hinter sich gelassen. „Plötzlich war ich der Dienstälteste“, sagt Christian Görke. Kein anderer Finanzminister aus einem deutschen Bundesland ist länger dabei.

Nur die Sache zählt

Da ist man der Erfahrene. Der, auf den alle anderen schauen, wenn Verhandlungen in gemeinsamen Kommissionen mal schwierig werden. Parteizugehörigkeit? Spielt dann keine Rolle mehr. Wenn die Kuh vom Eis geholt werden muss, dann zählt nur die Sache.

Das Bekenntnis

Das weiß Christian Görke und bekennt doch offen: „Klar, ich bin Linker und in dieser Partei zuhause.“ So offen sagte er es den Mitgliedern vor einigen Monaten, als er sich wieder für das Direktmandat im Wahlkreis 4 nominieren ließ. Dreimal hat er den Wahlkreis schon gewonnen. Weit über 6000 Stimmen sammelte er stets. Auch, wenn er bei der Landtagswahl vor fünf Jahren Federn lassen musste.

Christian Görke noch ohne Ministerwürde bei einem Ergometer-Städtevergleich auf dem Märkischen Platz in Rathenow. Quelle: privat

Jetzt also der vierte Anlauf. Und wieder hat Christian Görke mit Dieter Dombrowski einen prominenten CDU-Mitbewerber. Die beiden kennen sich, sie kreuzen alle fünf Jahre die Klinge um den Wahlkreis. Beide haben Respekt voreinander, auch wenn Dombrowski mal im Wahlkampf die Keule rausholt und die Landesregierung als rot-rote Amateure“ bezeichnet.

Mit Leistung

Görke kann das ab. Das knallharte Wortgefecht ist seine Sache nicht. „Ich versuche es mit Leistung“, sagt er und zählt auf, was ihm wichtig ist. „Die kommunale Familie und die Stärkung der Städte und Gemeinden bleibt mein wesentliches Anliegen.“ Da habe er in den vergangenen Jahren eine Menge erreicht. „Das kann uns keiner abspenstig machen.“

Lebenswerte Bedingungen

Gerecht soll es zugehen, auch in den Regionen des Landes, die nicht direkt an Berlin angebunden sind. „Wir brauchen überall lebenswerte Bedingungen“, sagt Görke. „Und wir haben doch eine tolle Chance, jetzt, da auch das Westhavelland für stadtmüde Berliner interessant ist.“ Allerdings müsse dafür die Bahnanbindung an die Hauptstadt schnell besser werden. „Wir können nicht viele Jahre warten, wir brauchen schon jetzt einen 30-Minuten-Takt in den Stoßzeiten.“

Im Gespräch mit Ex-Turbine-Trainer Bernd Schröder. Quelle: Uwe Hoffmann

Die enge Bindung zu den Kreisen, Städten und Dörfern zählt. 24 Jahre war Görke Kreistagsabgeordneter, 16 Jahre Stadtverordneter in Rathenow. Als Minister hat man nicht immer Zeit für die Heimat. Aber Görke nimmt sie sich oft. Zum Beispiel, wenn er sich bei Heimspielen des FSV Optik regelmäßig die Seele aus dem Leib brüllt.

Glücklicher Opa

Görke war Sportlehrer, er treibt nach wie vor viel Sport. Seine neueste Leidenschaft: Kitesurfen. „Das habe ich gelernt und finde es toll“, sagt er. Nun kommt eine neue Leidenschaft hinzu: Görke ist vor einigen Wochen Großvater geworden. Seine Tochter hat ein Mädchen zur Welt gebracht und der Finanzminister zeigt sich überglücklich.

Schwierige Wahl

So überglücklich wäre er auch, wenn er den Wahlkreis wieder gewinnt. Er weiß, dass es diesmal schwierig werden könnte. Da ist Kai Berger von der AfD. Da ist Dieter Dombrowski. Da ist Stefan Behrens von den Grünen, die derzeit auf einer Erfolgswelle schwimmen. Angst um einen Landtagssitz muss Görke nicht haben. Er ist auf der Parteiliste gut abgesichert. Seine politischen Mitstreiter wissen, was sie an dem Realpolitiker haben.

Finanzminister Görke würde gerne noch ein paar Gewichte stemmen. Quelle: Joachim Wilisch

Mit Rückblick auf die Wahlperiode drei sei die Kreisreform die Niederlage gewesen, die am meisten geschmerzt habe. „Ich denke, man hätte das Projekt noch früher zurückziehen müssen. Die Reform war mit den Brandenburgern nicht zu machen.“ Görke glaubt inzwischen, dass es grundsätzlich schwierig wird, im kommenden Jahrzehnt noch einmal über Kreis- oder Gemeindefusionen per Gesetz zu reden.

Das große Rad

Ist das schnelle Ministerleben für einen Großvater, der auch sportliche Ambitionen hat, überhaupt erstrebenswert? „Man dreht am großen Rad“, sagt Görke. „Man kann wirklich etwas bewegen und das ist natürlich für einen Politiker erstrebenswert.“

Welche Koalition?

Er würde den Minister also noch einmal geben. Zunächst hofft er, dass die AfD am 1. September nicht als Wahlsieger vom Platz geht. In welcher Koalition dann regiert wird, will Görke jetzt nicht bewerten. Für rot-rot reicht es wohl nicht. Zusammen mit den Grünen? „Warum nicht? fragt Görke zurück. Die Parteien müssten sich nach der Wahl wahrscheinlich erst finden und dann sehe man, wie es weitergeht.

Beim Richtfest für das Feuerwehrgerätehaus in Kotzen. Quelle: Joachim Wilisch

Das Land sei in den vergangenen Jahren nicht schlecht regiert worden, sagt Görke. Maximalforderungen, wie sofortigem Kohleausstieg und Atomausstieg oder einer CO2-Steuer erteilt er eine Abfuhr. „Ich sehe nicht, welche Lenkungswirkung eine CO2-Steuer hat“, so der Minister.

Keine Maximalforderung

Und die Menschen in den Kohleregionen müssen in ihrer Heimat weiter leben und arbeiten können. „Schnell und sofort“ seien da nicht die richtigen Wegbereiter.

Jetzt alles geben

Görke will in den kommenden zweieinhalb Wochen bis zur Wahl noch einmal Dampf machen. „Es geht auch um die Demokratie in Brandenburg“, sagt er. Dabei hat er die Orte im Hinterkopf, in denen die AfD zur Europawahl Einzelergebnisse vin bis zu 40 Prozent erzielte. Nitzahn in der Gemeinde Milower Land zum Beispiel. Für Görke ist es eine Herausforderung auch hier dem Mitbewerber die Stirn zu bieten.

„Es ist viel in Bewegung“, sagt er – und eilt zum nächsten Termin.

Zur Person

Christian Görke wurde am 17. März 1962 in Rathenow geboren. Von Dezember 2003 bis Januar 2014 sowie kurzzeitig von 2014 bis 2015 war er Mitglied des Landtages von Brandenburg und von 2012 bis 2014 Fraktionsvorsitzender. Er ist seit Januar 2014 Finanzminister des Landes und seit November 2014 stellvertretender Ministerpräsident.

Der Rathenower wuchs mit einer Schwester als Sohn eines Lehrers auf. Er besuchte seit 1968 in Rathenow die Schule, machte 1980 sein Abitur und absolvierte im Anschluss bis 1983 den Wehrdienst bei der Bereitschaftspolizei. Ab 1983 studierte er an der Pädagogischen Hochschule Dresden Geschichte. Das Studium beendete er 1988 als Diplomlehrer.

Bis 2003 arbeitete er als Lehrer in Rathenow. Von 1991 bis 1993 folgte ein externes Studium an der Universität Potsdam im Fach Sport, das mit der Zuerkennung des Lehramtes für die Sekundarstufe I abschloss.

Sein Vater Hans-Günter Görke (CDU) war von 1990 bis 1994 Dezernent für Bildung, Gesundheit und Kultur in der Kreisverwaltung Rathenow. Seine Schwester ist auch Lehrerin und ist Mitglied der CDU. Er ist geschieden und hat zwei Kinder sowie eine Enkeltochter.

Von Joachim Wilisch

Vor 90 Jahren wurde das Gemeindehaus Neue Schleuse in der Gebhardtstraße eingeweiht. Am 31. August wird der runde Geburtstag gebührend gefeiert.

14.08.2019

Das alte Möbellager hinter dem Geschäftssitz der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow wird abgerissen. Die Freifläche soll den Mietern zugute kommen, die in den neuen Block in der Fehrbelliner Straße ziehen. Der Bau beginnt im September.

14.08.2019

Drei Jugendarbeiter werden in der Stadt Rathenow mit Geld aus dem Kreisprogramm „Offene Jugendarbeit“ beschäftigt. Im Havelland sind es insgesamt zehn. Nun streicht der Kreis das Geld. Kommunalpolitiker befürchten, dass auch andere freiwillige Förderprogramme betroffen sind.

14.08.2019