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Rathenow Rathenow: Auf Streife mit den Corona-Kontrolleuren
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Corona-Kontrollen halten Rathenower Außendienstler auf Trab

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06:50 17.11.2020
Thomas Schmidt (re.) und André Slaby bringen eine Corona-Hinweis auf dem Rathenower Bahnhofsvorplatz an. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

„Was soll der Quatsch? Kümmert euch um euren eigenen Kram. Ich lass mir gar nichts vorschreiben!“ Die Außendienst-Mitarbeiter des Rathenower Bürgeramtes wollten den Mann auf dem Wochenmarkt nur an die Pflicht erinnern, zwischen den Ständen auf dem Märkischen Platz eine Maske aufzusetzen. Und wurden gleich heftigst beschimpft. Immerhin setzte der Wüterich nach der Tirade seine Maske doch noch auf.

„Derartige Reaktionen gibt es immer mal wieder“, sagt Außendienstler Thomas Schmidt, der tagtäglich in der Stadt unterwegs ist, um darauf zu achten, dass die seit Anfang November verschärften Corona-Maßnahmen eingehalten werden. Aber die Regel sei ein solch renitentes Verhalten glücklicherweise nicht.

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Rechtliche Grundlage

Gesetzliche Grundlage für die coronabedingten Kontrollen ist der Paragraph 13 des brandenburgischen Ordnungsbehördengesetzes (OBG).

Dieser Paragraph besagt, dass „die Ordnungsbehörden die notwendigen Maßnahmen treffen können, um eine im einzelnen Falle bestehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung (Gefahr) abzuwehren.“

Eine öffentliche Gefahr liegt vor, wenn bei einem ungehinderten weiteren Verlauf der Dinge mit einem Schaden für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu rechnen ist. Das ist zum Beispiel bei einer Pandemie der Fall.

Das bestätigt Reinbern Erben, der Leiter des Rathenower Bürgeramtes. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, hat er seine Mitarbeiter schon mehrfach auf ihren Touren durch die Stadt begleitet.

„Weit mehr als 90 Prozent der Menschen sind sehr verantwortungsbewusst und befolgen die Vorschriften“, sagt Erben. Dann gebe es jene, die meckern und sich dann – um beim oben genannten Beispiel zu bleiben – doch die Maske aufsetzen. „Und es gibt die hartnäckigen Fälle, bei denen es passieren kann, dass wir die Polizei zur Hilfe holen“, sagt Erben. Aber das sei die Ausnahme.

Hinweisschilder an Bushaltestellen

In manchen Fällen mangelt es auch schlicht und einfach an Informationen. So wissen viele nicht, dass nicht nur in Bussen und Bahnen, sondern auch an Bushaltestelle und auf Bahnhöfen Mund und Nase bedeckt werden müssen.

Um diese Pflicht kenntlich zu machen, waren die Außendienstler in den vergangenen Tagen im Stadtgebiet unterwegs und haben entsprechende Hinweisschilder installiert. Auf dem Bahnhofsvorplatz etwa kann sich nun niemand mehr auf Unwissenheit berufen – die Schilder, mit denen auf die „Tragepflicht einer Mund-Nasen-Bedeckung“ hingewiesen wird, sind kaum zu übersehen.

Auch auf dem Wochenmarkt achten die Außendienst-Mitarbeiter darauf, dass die Regeln befolgt werden. Quelle: Markus Kniebeler

Um die zusätzliche Arbeit, welche die Corona-Kontrollen der Verwaltung bescheren, bewältigen zu können, ist der Außendienst personell verstärkt worden. Statt zwei Zwei-Personen-Teams sind nun vier Zweier-Teams unterwegs – und zwar an sieben Tagen in der Woche. „Wir haben unseren vier erfahrenen Außendienstlern je einen Mitarbeiter an die Seite gestellt, den wir aus einem anderen Bereich der Verwaltung abgezogen haben“, sagt Reinbern Erben. Sobald die Lage sich entspanne, werden sie wieder an die ursprünglichen Arbeitsplätze zurückkehren.

Kontrollen in Läden und Einkaufsmärkten

Auf ihren Rundgängen durch die Stadt achten die Streifen nicht nur darauf, dass die Menschen ihre Maske tragen, wo dies vorgeschrieben ist, und die gebotenen Abstände einhalten. Sie sind auch dafür zuständig, in den Läden und Einkaufsmärkten nach dem Rechten zu sehen.

Reinbern Erben, der Leiter des Rathenower Bürgeramtes. Quelle: Markus Kniebeler

Dabei geht es nach Auskunft Erbens nicht so sehr darum, jeden einzelnen Kunden zu überprüfen. Vielmehr schauen sich die Außendienstler die Hygienekonzepte der Händler an. Gibt es ausreichend Möglichkeiten, sich die Hände zu desinfizieren? Wird klar und deutlich auf die Maskenpflicht hingewiesen? Wurden Abstandsmarkierungen aufgebracht? Ist garantiert, dass die auf der Gesamtfläche zulässige Besucherzahl nicht überschritten wird?

Großes Verantwortungsbewusstsein

„Es gibt in dieser Hinsicht so gut wie nichts zu bemängeln“, sagt der Leiter des Bürgeramtes. „Die Ladenbesitzer und Marktbetreiber nehmen die Sache ernst und agieren sehr verantwortungsvoll.“ In einem großen Einkaufsmarkt etwa gebe es neben den vorgeschriebenen Maßnahmen regelmäßige Lautsprecherdurchsagen, mit denen die Kunden über die aktuellen Verhaltensregeln informiert würden.

Wie lange der coronabedingte Mehraufwand von der Verwaltung noch betrieben werden muss, kann Erben auch nicht vorhersagen. Das hänge davon ab, was auf Landesebene festgelegt und dann vom Kreis verfügt werde. Momentan jedenfalls seien Lockerungen der bisherigen Regelungen nicht in Sicht.

Von Markus Kniebeler