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Rathenow Das Amtsgericht steht nicht mehr auf der Kippe
Lokales Havelland Rathenow Das Amtsgericht steht nicht mehr auf der Kippe
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17:16 22.06.2018
Justizminister Stefan Ludwig (links) hat das Amtsgericht Rathenow besucht und wurde von Amtsgerichtsdirektor Ralf Weller empfangen. Quelle: Joachim Wilisch
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Rathenow/Nauen

Das Amtsgericht Rathenow ist ein Ort, an dem Richter, Justizangestellte, Justizfachkräfte und Rechtspfleger gerne ihrer Arbeit nachgehen. Es riecht nach Gericht, es ist – um ein überstrapaziertes Wort zu verwenden – ein altehrwürdiger Ort. Durchsaniert ist das Haus auch. Unvergessen der erste Direktor des Gerichtes nach der Wende: Armin Rauxloh, inzwischen verstorben, hat sich immer sehr für die Sanierung des Gebäudes eingesetzt.

Gespräche mit dem Personal

Im Gespräch mit Richtern, Rechtspflegern und dem aktuellAmtsgerichtsdirektor Ralf Weller hörte Justizminister Stefan Ludwig (Linke) jetzt, dass das Gericht tatsächlich ein Stück Heimat ist. Dieses Stück Heimat war in Gefahr und auch Amtsgerichtsdirektor Ralf Weller erinnert sich gut daran.

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Weller selbst war nicht immer in Rathenow beschäftigt, als dieses Thema hochkochte. Aber die Gerichtsreform, die so nie vollzogen wurde, lieferte allen Richtern im Land Gesprächsstoff. Also auch Ralf Weller. „Hier in Rathenow war ich Mitte der 1990er Jahre Richter auf Probe, es war mein Start in die Richterlaufbahn und das verbindet.“

Neue Leute auf allen Ebenen

Nach Stationen in Nauen, Potsdam und Brandenburg an der Havel ist Ralf Weller inzwischen Direktor des Gerichtes, an dem er in die Laufbahn startete. Justizminister Ludwig informierte zu seinem Besuch darüber, wie das Land die Gerichte in den kommenden Jahren personell ausstatten will. „Wir werden auf allen Ebenen neue Leute einstellen“, sagte Ludwig.

Das hatte der Justizminister am gleichen Tag zuvor im Amtsgericht Nauen verkündet. „Ich besuche derzeit alle Gerichtsstandorte im Land und unterhalte mich mit den Richtern, den Gerichtsdirektoren und allen anderen Mitarbeitern“, sagte Ludwig. „Für mich ist es ein wichtiges Signal an den ländlichen Raum, dass wir unsere Gerichte auch in der weiten Fläche haben.“

Kein Wackelkandidat mehr

Das wurde in Nauen sehr wohl vernommen. Noch deutlicher hörte in Rathenow Ralf Weller hin. „Aus den Gesprächen mit dem Minister kann ich jetzt keine Tendenz feststellen, dass wir in Rathenow noch ein Wackelkandidat sind und das ist gut für das Gericht.“ Die Fallzahl ist konstant. Zwar verschieben sich die Kategorien zwischen Zivil- und Strafrecht. Aber unter dem Strich ändert sich die Zahl nicht wesentlich.

Das Gericht in Rathenow ist in vielerlei Hinsicht ein „Heimat“-Gericht. Nicht nur die Tatsache, dass die Wege zur Justiz kurz sind, belegt das. „Hier arbeiten nur Havelländer“, sagte Ralf Weller. Und auch das sorge dafür, dass dieses Gericht gut in der Gesellschaft und der havelländischen Bevölkerung verankert ist.

Ein ehrenwerter Beruf

Und sowohl Ralf Weller als auch Stefan Ludwig betonen, dass Juristen einen Beruf lernen, der Zukunft hat. „Wenn jemand das Talent hat und den Beruf erlernen will, dann kann ich da nur zuraten“, sagt Ralf Weller. Dies betreffe, so Minister Ludwig, auch die anderen Berufsgruppen im Amtsgericht. Justizfachangestellte zum Beispiel. „Ohne die geht hier wenig“, sagte Ralf Weller.

Eine Bestandsgarantie auf immer und ewig hat es bei dem Besuch des Justizministers nicht gegeben. Aber einen Blick in eine gesicherte Zukunft. Und das ist in den Augen der Rathenower Richter und Justizmitarbeiter, die schon so oft in den Abgrund geblickt haben, eine ganze Menge.

Von Joachim Wilisch