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Rathenow Plötzlich Muse: Wie eine Havelländerin einen chinesischen Maler verzauberte
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11:48 09.10.2019
Der chinesische Künstler Wen Guozhang hat die Havelländerin Christin Schmidt porträtiert und das Bild nun in Peking ausgestellt. Quelle: Christin Schmidt
Peking

Es gibt Dinge, die kann man in dem Moment, in dem man sie erlebt, gar nicht richtig begreifen, weil sie sich viel mehr wie ein Traum anfühlen und weniger wie die Realität. Genau so ging es mir als ich vor wenigen Tagen im Guardian Art Center, einer großen Kunstgalerie in Peking stand und auf ein Ölgemälde schaute, auf dem ich zu sehen bin.

Das Bild einer Journalistin aus dem beschaulichen Havelland, porträtiert von einem renommierten chinesischen Künstler, hängt nun in einer der wichtigsten Galerien des Landes. Da darf einem schon ein bisschen schwindelig werden. Wenn auch noch Besucher der Ausstellung schüchtern auf Dich zukommen und darum bitten, ein Foto mit Dir machen zu dürfen, ist die Verblüffung komplett.

Zu verdanken habe ich all das Wen GuoZhang. Der 77-Jährige ist in China so etwas wie der Meister der Ölmalerei. Für mich ist er vor allem eines, ein äußerst bescheidener Mensch mit einem großen Herzen und einer unglaublich warmherzigen Ausstrahlung.

Der chinesische Künstler Wen GuoZhang hat MAZ-Journalistin Christin Schmidt porträtiert und das Bild nun in Peking ausgestellt. Rund 300 Besucher kamen zur Vernissage seiner Retrospektive.

Im Sommer 2018 lernte ich ihn im Rahmen eines Künstleraustausch kennen, den der Rathenower Karl Mertens Kunstverein organisierte. Ich war im Auftrag der MAZ unterwegs um über den Besuch aus China zu berichten und traf Wen GuoZhang in der Rathenower Stadtgalerie – ein kleiner, zierlicher Mann mit wachen Augen und ehrlichem Lächeln.

Wenig später fragte er, ob er mich porträtieren dürfe. Ich gebe zu, ich war zunächst skeptisch und zögerte. Nachdem mir Anette Mertens, die den Austausch organisiert hatte und die ich schon seit einiger Zeit kenne und schätze, zuriet, willigte ich schließlich ein. Dass mich diese Zusage ein Jahr später in die chinesische Hauptstadt bringen würde, ahnte ich nicht.

Drei Stunden stand ich damals still – in einem weißen Kleid, so wie es sich der Künstler gewünscht hatte. Seither weiß ich, wie anstrengend es ist, einfach nur stillzustehen. Es fühlte sich an, als hätten wir die Seiten getauscht. Gerade hatte ich über ihn geschrieben und nun malte er mich.

Kulturreferent bringt Künstler und Modell zusammen

Schließlich entließ mich Wen GuoZhang mit einem freundlichen Lächeln und einer Verbeugung. Das Bild war zwar noch nicht fertig, aber er beschloss es zu Hause in China zu vollenden. Wie sich herausstellte, wollte das nicht gelingen. „Das Licht stimmte einfach nicht und auch das passende Modell fehlte“, erklärte er mir später.

Wen GuoZhang gab sein Werk aber nicht auf. Im Juni 2018 kehrte er noch einmal ins Havelland zurück und erkundigte sich nach der Journalistin aus Rathenow. Bruno Kämmerling, Kulturreferent des Landkreises Havelland, konnte ihm helfen und stellte den Kontakt her. Kurz darauf posierte ich noch einmal in dem kleinen Raum in der Stadtgalerie für Wen GuoZhang.

Das lange Stillstehen fiel mir auch dieses Mal nicht leicht, aber es gelang mir immer besser, mich auf den Künstler zu konzentrieren. Ich beobachtete wie seine Augen über die Leinwand glitten, wie er den Pinsel in die Farbe tauchte und ihn mit flinken und zugleich sanften Bewegungen tanzen ließ.

Werke aus 60 Jahren künstlerischen Schaffens

Etwa drei Stunden später erlöste er mich mit den Worten „Tschu Tschu“ – was so viel bedeuten muss wie: „Du kannst Dich jetzt locker machen“. Gemeinsam betrachteten wir sein Werk und lächelten zufrieden.

Bevor sich Wen GuoZhang mit gefalteten Händen und einer Verbeugung verabschiedete, erklärte mir sein Dolmetscher noch, dass dieses Bild Teil der großen Retrospektive „The years of my artistic career“ – „60 Jahre meiner künstlerischen Karriere“ ist, die im September in Peking eröffnet wird. Und mich wollte Wen GuoZhang dabei haben.

Dort stand ich nun mitten in dieser großen Galerie und schaute ungläubig auf mein Bild. Um mich herum etwa 300 Menschen, die sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen wollten. Sie bewunderten die vielen Porträts und Landschaftsbilder, die der Künstler in den letzten sechs Jahrzehnten gemalt hatte.

Chinesische Folklore trifft auf Gesicht aus dem Havelland

Darunter beeindruckende Werke von fünf Metern Länge, die den Betrachter in das Leben der chinesische Tadschiken eintauchen lassen. Dieser Volksgruppe hat sich der Maler in den letzten 30 Jahren in seinen Werken intensiv gewidmet.

Nun bilden die Porträts der Frauen in ihren folkloristischen Kleidern einen wichtigen Teil der Ausstellung und einen spannenden Kontrast zu dem Bild jener Frau aus dem Havelland.

Mucksmäuschenstill war es, als Wen GuoZhang sich schließlich mit einer Ansprache an sein Publikum wandte. Wenngleich ich seine Worte nicht verstehen konnte, dass es für ihn ein sehr bewegender Augenblick war, konnte ich deutlich spüren.

Wen GuoZhang (Mitte) während der Vernissage mit chinesischen Tadschiken, die er in den letzten 30 Jahren häufig porträtiert hat. Quelle: Christin Schmidt

Für einen kurzen Moment war er sogar den Tränen nah. Warum erklärte mir seine Nichte Shen, die seit etwa 20 Jahren in den USA lebt und in Peking meine persönliche Dolmetscherin war.

2017 löste ein Leitungsschaden ein Feuer in Wen GuoZhangs Atelier aus. Die Flammen vernichteten zahlreiche Bilder – ein schwerer Schlag für den Künstler. Der Termin für die große Retrospektive stand damals bereits fest. Statt ihn abzusagen malte Wen GuoZhang unermüdlich weiter und begeistert nun mit dem Ergebnis ein großes Publikum.

Meinem Porträt gab Wen GuoZhang übrigens den Titel „Die weibliche, deutsche Journalistin“ frei aus dem Chinesischen übersetzt. Müsste ich Wen GuoZhang einen Titel verleihen, er wäre der Künstler mit dem großen Herzen.

Von Christin Schmidt

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