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Rathenow Die Suche nach Kita-Plätzen läuft
Lokales Havelland Rathenow Die Suche nach Kita-Plätzen läuft
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14:05 25.10.2018
Das IKW betreut im Märkischen Haus bereits eine Eltern-Kind-Gruppe. Eine zweite ist geplant.
Das IKW betreut im Märkischen Haus bereits eine Eltern-Kind-Gruppe. Eine zweite ist geplant. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Im Sachgebiet Bildung und Kindereinrichtungen der Stadt Rathenow laufen derzeit intensive Bemühungen, den akuten Mangel an Kita-Plätzen zu beheben. Mit einem Maßnahmenpaket sollen nach Auskunft von Rathenows Hauptamtsleiter Jörg Zietemann zusätzliche Betreuungsplätze bereitgestellt werden.

Die Notwendigkeit steht außerhalb jedes Zweifels. Derzeit liegen im Rathenower Rathaus rund 60 Anträge auf einen Kitaplatz vor, die nicht bedient werden können. Und weil es einen rechtlichen Anspruch auf Betreuung gibt, kann die Stadt das Problem nicht auf die lange Bank schieben.

Probleme in Rathenow-West

Erschwert wird die Situation durch nicht planbare Engpässe. Im Frühjahr war in der Kita Neue Schleuse in Rathenow-West ein Heißwasserrohr geborsten und hatte rund die Hälfte der Räume so beschädigt, dass sie nicht mehr genutzt werden können. Rund 35 Kinder werden seitdem in der Kita Olga Benario betreut.

Läuft alles nach Plan, ist die Sanierung der Kita West Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen. Dann stünden die Räume wieder zur Verfügung. Außerdem wurde die Kita Kindermund Ende September wegen massiver Betreuungsprobleme geschlossen. Es ist geplant, dass die Kita, in der 28 Kinder betreut werden, in der kommenden Woche den Betrieb wieder aufnimmt.

Wegen eines Wasserschadens im Frühjahr kann die Kita Neue Schleuse in Rathenow-West nur zur Hälfte genutzt werden. Quelle: Markus Kniebeler

Wie es auch kommt – schnelles Handeln ist geboten. Die Stadt ist auf mehreren Feldern aktiv. Zum einen wird gemeinsam mit dem Kreis ein Antrag der Awo auf Einrichtung einer Eltern-Kind-Gruppe geprüft. In dieser könnten bis zu zwölf Kinder betreut werden. Und auch das IKW, das im Märkischen Haus bereits eine Eltern-Kind-Gruppe betreibt, erwägt die Einrichtung einer weiteren Gruppe. „Diese Pläne werden genau geprüft“, so Zietemann. Wenn die Bedingungen für die Kinderbetreuung erfüllt seien, würden die Anträge beim Bildungsministerium gestellt.

Zwei Bewerbungen von Tagesmüttern

Außerdem gibt es laut Zietemann die Anfragen von zwei Frauen, die als Tagesmütter aktiv werden wollen. Auch diese seien genau zu prüfen, bevor die offiziellen Anträge gestellt werden. Geht alles glatt, wäre so die Betreuung von insgesamt zehn Kindern möglich.

Neben diesen Anstrengungen bereitet die Stadt zwei Anträge an das Bildungsministerium vor, mit denen eine temporäre Kapazitätserweiterung in zwei städtischen Kitas angestrebt wird. Wegen der prekären Betreuungssituation hofft die Stadt, dass das Ministerium die strikten Betreuungsschlüssel lockert, sodass die Kitas Jenny Marx und Olga Benario mehr Kinder aufnehmen könnten, als derzeit festgelegt. Insgesamt würden so 20 zusätzliche Plätze gewonnen.

Kitas in Rathenow

13 Kindertagesstätten gibt es in der Stadt Rathenow einschließlich der Ortsteile.

Sieben Kitas befinden sich in städtischer Trägerschaft („Weinberg“, „Jenny Marx“, „Neue Schleuse“, „Kleine Philosophen“, „Olga Benario“, „Mittendrin“, „Spatzennest“). In diesen städtischen Kitas werden 596 Kinder betreut.

Sechs Kitas werden von freien Trägern betrieben („Seesternchen“-Awo; „St Maria“ und „Regenbogen“-Kirche; „Havelkinder“-Kinderwelt GmbH; „Kinderhaus Kindermund“-Verein Kindermund; „Zwergenland“-P.E.B. In diesen Kitas werden 299 Kinder betreut.

Doch auch diese Sofortmaßnahmen greifen nicht von heute auf morgen. „Weil die Kinderbetreuung aus guten Gründen ein sehr streng kontrollierter Bereich ist, können Anträge nicht mal einfach so durchgewunken werden“, sagt Zietemann. An erster Stelle stehe immer das Kindeswohl.

Gibt es für das genannte Maßnahmenpaket grünes Licht, dürfte ab dem kommenden Frühjahr mit einer Entspannung zu rechnen sein. Dann wird aller Voraussicht nach auch die Kita Neue Schleuse wieder in Gänze genutzt werden können.

Entwicklung schwer vorhersehbar

Die grundsätzliche Frage, wie die Kinderbetreuung mittel- und langfristig gelöst werden soll, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Rathenows 1. Beigeordneter Hans-Jürgen Lemle betont immer wieder, dass es schwer sei, die Entwicklung der Bevölkerung vorherzusagen. Der Zuzug von Flüchtlingen in den vergangenen drei Jahren habe für einen überdurchschnittlichen Anstieg der Zahl der Kinder im Vorschulalter geführt. Aber man könne jetzt noch nicht sagen, wie lange dieser Trend anhalte.

Momentan, das bestreitet Lemle nicht, würde eine zusätzliche Kita die Lage entspannen. In diese Richtung zielt das Angebot von Mike Wanja, der den ehemaligen Speisesaal auf dem Essilor-Gelände zu einer Kita umbauen will. Doch vorher müssen die baurechtlichen Bedingungen geschaffen werden. Selbst wenn alles optimal verläuft, bräuchte es Kennern der Materie zufolge mindestens zwei Jahre, bis diese Kita in Betrieb genommen werden könnte.

Von Markus Kniebeler