Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Digitalisierung: Stadtverordnete setzen Verwaltung unter Druck
Lokales Havelland Rathenow Digitalisierung: Stadtverordnete setzen Verwaltung unter Druck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 12.12.2019
In Sachen Digitalisierung gibt es nach Meinung der Stadtverordneten im Rathenower Rathaus enormen Nachholbedarf. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Angeführt von der Linksfraktion wurden in der SVV-Sitzung am Mittwochabend zwei Anträge verabschiedet, die die Verwaltung unter Druck setzen: Zum einen wird der Bürgermeister aufgefordert, den Internetauftritt der Stadt bis zum 31. Juli des kommenden Jahres so zu überarbeiten, dass dieser dem aktuellen Technikstand entspricht. Zum anderen soll Digitalisierung künftig „als wichtige Querschnittsaufgabe in der Stadtverwaltung“ behandelt werden. Allerdings wurde das Thema nicht – wie von der Linke beabsichtigt – in der SVV zur Abstimmung gestellt, sondern in den Ausschuss für Wirtschaft, Tourismus und Digitalisierung verwiesen.

Christian Rieck (Die Partei) warf der Verwaltung Planlosigkeit vor. Quelle: Uwe Hoffmann

Die Antragsteller gingen mit der Verwaltung hart ins Gericht. Christian Rieck (Die Partei) warf den Verantwortlichen im Rathaus Ahnungs- und Planlosigkeit vor. Er könne beim besten Willen keine Strategie erkennen, wie man die enormen Herausforderungen die mit der Digitalisierung von Verwaltung verbunden seien, bewältigen wolle.

Entwicklung verschlafen

Thomas Baumgardt (SPD) sagte, in Rathenow sei wie in ganz Deutschland die Entwicklung verschlafen worden. „Wenn wir den Abstand zu den Vorreitern der Digitalisierung nicht größer werden lassen wollen, müssen wir dringend etwas tun.“

Frederike Timme (Linke) bezeichnete die Internetseite der Stadt als unübersichtlich und unpraktisch. Sie kenne niemanden in ihrem Alter, der die Seite der Stadt nutze, um sich über Rathenower Angelegenheiten zu informieren.

Rückstand auf andere Kommunen

Timmes Parteikollege Daniel Golze pflichtete ihr bei. Die Stadt verfüge noch nicht einmal über eine mobilfunkfähige Website. Wer über das Handy Informationen aufrufen wolle, sei aufgeschmissen. „Andere Kommunen haben das vor zehn Jahren eingeführt“, sagte der Fraktionschef der Linken. „In Sachen Digitalisierung bewegen wir uns auf dem Niveau eines Dritte-Welt-Landes.“

Senioren nicht vergessen

Andreas Gensicke (CDU) stimmte der Kritik grundsätzlich zu. Allerdings mahnte er an, die älteren Bürger nicht zu vergessen. Nicht jeder sei bereit und in der Lage, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen. „Ansprechpartner sind wichtig“, sagte er. Das ändere nichts daran, dass die Internetseite der Stadt eine Überarbeitung benötige.

Ging mit dem Internet-Auftritt der Stadt Rathenow hart ins Gericht: Frederike Timme, Stadtverordnete der Linken. Quelle: Christin Schmidt

Dass es tatsächlich anders geht, machte Frederike Timme am Beispiel der mecklenburgischen 5000-Einwohner-Kommune Altentreptow deutlich. Deren Internet-Auftritt habe alles, was man sich als Nutzer wünsche. Sie sei informativ und übersichtlich, es gebe eine mobile Version für Handy-Nutzer und es sei sogar möglich, viele Dienstleistungen online zu erledigen. Von so einem Standard sei Rathenow Lichtjahre entfernt.

Seeger verteidigt sich

Bürgermeister Ronald Seeger verteidigte sich und seine Verwaltung. „Wir sind digital gut aufgestellt sagte er“. Vor allem die jüngeren Stadtverordneten quittierten diese Aussage mit gequältem Gelächter. Außerdem habe man die Überarbeitung der Internetseite gemeinsam mit einem technischen Dienstleister bereits in Angriff genommen. „Bis Ende des kommenden Jahres wollen wir die Sache abgeschlossen haben“, sagte Seeger. Schneller bekomme man so etwas nicht hin.

Frist gesetzt

Damit gaben sich die Abgeordneten nicht zufrieden. Sie setzten der Verwaltung mit ihrem Antrag eine Frist. „Wenn wir in Rathenow es nicht schaffen, die Website bis zum 31. Juli zu überarbeiten, dann wäre das sehr bedenklich“, sagte Daniel Golze. Also wurde der Termin im Antrag belassen. 24 Abgeordnete stimmten zu, drei Enthaltungen.

Von Markus Kniebeler

In der Ordnungspartnerschaft Graffiti wollen Vertreter unterschiedlichster Institutionen wieder enger zusammenarbeiten, um das illegale Tun einzudämmen. Im Rathenower Bahnhofstunnel startet Anfang des Jahres ein Experiment.

12.12.2019

Vom Bau einer Drei-Feld-Sporthalle ist die Stadt Rathenow noch weit entfernt. Aber immerhin haben die Stadtverordneten am Mittwochabend die erste Weiche Richtung Neubau gestellt.

11.12.2019

Die Bevölkerungsprognosen für die Stadt Rathenow müssen neu geschrieben werden. Bislang gingen alle Vorhersagen von Einwohnerverlusten aus. Doch seit 2015 schrumpft die Bevölkerung nicht mehr.

11.12.2019