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Rathenow Doppelmord von Rathenow: So kam es zum Urteil für die Täter
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19:51 14.06.2019
Quelle: MAZ
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Potsdam/Rathenow

 Am Ende des Strafprozesses um eines der schlimmsten Verbrechen, die jemals in Rathenow begangen wurden, ist am Freitag im Landgericht Potsdam das Urteil gesprochen worden.

Wegen eines mutmaßlich gemeinschaftlich begangenen Doppelmordes waren der 54-jährige Bodo K. und der 30 Jahre alte Kevin M. angeklagt worden.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Bodo K. wegen Mordes an zwei Menschen, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung schuldig ist. Es verurteilte ihn zu 15 Jahren Haft und ordnete die Unterbringungen in einem psychiatrischen Krankenhaus an und Sicherungsverwahrung an.

K. soll nach Auffassung des Gerichtes im Januar 2018 zusammen mit dem Komplizen M. eine Frau und einen Mann getötet haben, um eine Vergewaltigung der Frau zu vertuschen.

Bei einem Wohnungsbrand in der Rathenower Goethestraße entdeckt die Feuerwehr zwei Leichen. Quelle: Kay Harzmann

Der 24 Jahre jüngere Komplize des Haupttäters wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte für ihn eine besondere Schwere der Schuld fest.

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter sagte bei der Urteilsverkündung: „Hier ist ein abscheuliches und grausames Tötungsverbrechen geschehen.“

Gefesselt und misshandelt

Das Gericht war nach 34 Verhandlungstagen zur Auffassung gelangt, dass die beiden Täter sich Zutritt zur Wohnung der damals 36-jährigen Frau verschafft hatten. Sie sollen sie und ihren zwei Jahre jüngeren Lebensgefährten gefesselt und schwer misshandelt haben. Wie Gutachten ergaben, waren die beiden Opfer durch Schläge, Messerstiche und Strangulationen schwer verletzt worden.

Nach all den Misshandlungen waren beide Opfer aber noch am Leben. Sie starben an einer Rauchgasvergiftung. Die Angeklagten hatten die Wohnung angezündet, um ihre Tat zu vertuschen, und die schwer verletzten Opfer gefesselt und geknebelt darin zurück gelassen.

Anzeige wegen Vergewaltigung

Das Motiv für die grausame Tat war nach Auffassung des Gerichtes, dass die Frau den 54-jährigen Angeklagten wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. Ihr Lebenspartner sei getötet worden, weil er Zeuge der Vergewaltigung war.

Heraus kam das Verbrechen, nachdem die Rathenower Feuerwehr am 13. Januar 2018 den Brand in einer Wohnung in der Goethestraße gelöscht hatte. In zwei verschiedenen Zimmern hatte die Einsatzkräfte die Leichen einer Frau und eines Mannes gefunden. Die Kriminalpolizei nahm Ermittlungen auf.

Der erste Verdacht

Bereits der erste Verdacht dürfte auf Bodo K. gefallen sein, weil ihn die Frau, die offenkundig Opfer eines Verbrechens geworden war, nicht lange zuvor wegen mehrfacher Vergewaltigung bei der Polizei angezeigt hatte. Durch die Auswertung von Handy-Daten und Zeugenaussagen fasste die Polizei Bodo K. relativ schnell. Sein Komplize Kevin M. war für gut zwei Wochen untergetaucht und wurde dann verhaftet.

Einige Tage vor dem Doppelmord war es ebenfalls noch im Januar 2018 zu der Vergewaltigung gekommen. Die späteren Opfer, die Täter und weitere Personen hatten sich eines Abends in der Wohnung in der Goethestraße aufgehalten. Die beiden Angeklagten blieben so lange, dass bis auf die Wohnungsinhaberin und ihren Partner niemand mehr in der Wohnung war.

Partner konnte nicht helfen

Haupttäter Bodo K. soll die Frau in jener Nacht nach Auffassung der Staatsanwaltschaft dreimal vergewaltigt haben. Ihr Partner konnte ihr nicht helfen, weil er vom Komplizen Kevin M. daran gehindert wurde.

Zu Beginn des Mordprozesses, dessen erster Verhandlungstag der 16. Oktober 2018 war, hatte beide Angeklagte zu den Tatvorwürfen geschwiegen. Laut Staatsanwaltschaft hatte Bodo K. ein schwieriges Elternhaus, fing an zu stehlen, brach die Ausbildung ab und sei ein Schlägertyp. Kevin M., einst Förderschüler, habe den deutlich älteren Bodo K. kennen gelernt, sei auf die schiefe Bahn geraten. Unter Alkoholeinfluss könne er aggressiv werden.

Langes Schweigen

Lange Zeit äußerten sich die beiden Angeklagten nicht. Erst Mitte Mai, als das Ende des Prozesses näher kam, brachen sie ihr Schweigen. Kevin M. sagte, er wollte nicht für die Taten von Bodo K. büßen. Jener sei für die Tötung der beiden Opfer verantwortlich und habe auch die Wohnung in Brand gesetzt. Er habe nur zugesehen.

Kurz danach machte auch Bodo K. eine Aussage. Kevin M. sei der Haupttäter, vielmehr habe er nur zugesehen. Nun hat das Gericht sein Urteil gesprochen.

Von Bernd Geske