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Rathenow Uli Borowka spricht vor Schülern über seine Sucht
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16:59 22.10.2019
Ex-Fußballprofi Ulrich Borowski spricht in der Turnhalle der Rathenower Bürgelschule über seine Sucht. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Viele kennen Ulrich Borowka als Ex-Profifußballer, der seiner Zeit als der härteste und aggressivste Verteidiger Deutschlands galt und ein handfestes Alkoholproblem hatte.

Die Schüler der Bürgelschule dagegen dürften den 57-Jährigen vor allem als einen Menschen in Erinnerung behalten, der gnadenlos ehrlich über seine Sucht spricht, um anderen zu helfen.

200 Mädchen und Jungen lauschten am Dienstagvormittag in der Turnhalle fast zwei Stunden aufmerksam dem Vortrag des früheren Bundesligaspielers.

16 Jahre Profifußballer

Die äußerst lebendige Präventionsveranstaltung hatten die Schüler Anja Penzold zu verdanken. Die Elternsprecherin der Klasse 8b kennt den Mann, den alle nur Uli Borowka nennen, persönlich und hatte ihn nach Rathenow eingeladen.

„Ihr könnt mich alles fragen“, ermutigte Borowka die Schüler bevor er auf dem Turnkasten Platz nahm und über die dunkelsten Zeiten seines Lebens sprach.

16 Jahre lang war er Fußballprofi, spielte für Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen, holte Pokale und trug das Trikot der Nationalmannschaft.

Etwa 200 Schüler durften dem Vortrag des Ex-Fußballprofis Ulrich Borowski lauschen. Quelle: Christin Schmidt

Auf den ersten Blick eine Karriere, von der viele träumen. Doch in all diesen Jahren war er auch dem Alkohol regelrecht verfallen und dazu 14 Jahre lang abhängig von Medikamenten.

Der einstige Millionär verlor durch die Sucht alles – seine Familie, Freunde, sein Vermögen und beinahe auch sein Leben. Im Januar 1996, Borowka war gerade in seiner leergeräumten Villa aufgewacht, beschloss er, sich einen allerletzten Drink zu mixen.

Zuvor hatte ihn seine Frau mit den beiden Kinder verlassen, nachdem er sie im Rausch angriff. Er mischte sich einen Cocktail aus Alkohol, Schmerz- und Schlaftabletten. Eigentlich eine tödliche Dosis, dennoch wacht Borowka nach 14 Stunden wieder auf – Dank eines außergewöhnlichen Stoffwechsels, wie ihm Ärzte erklären.

Frech, rotzig und sympathisch

Es sollte nicht der letzte Tiefpunkt sein. Weitere vier Jahre vegetiert er vor sich hin. „18 Quadratmeter, vollgekotzte Matratze. Wenn ich morgens aufgewacht bin, habe ich die Reste zusammengekippt, damit ich wieder in den Tag starten konnte“, las Borowka aus seiner Biografie „Volle Pulle“ vor.

Seine freche, fast schon rotzige und zugleich sympathische Art kam bei den Schülern gut an. Sie hörten dem Mann, der in Jeans und Sweatshirt vor ihnen stand, aufmerksam zu. Sie waren schockiert, erstaunt und berührt.

Borowka ließ auch seine Erlebnisse in der Entzugsklinik nicht aus, in die er im Jahr 2000 eingeliefert wurde. Insgesamt vier Monate verbrachte er dort. „Erst nach drei Wochen gestand ich mir ein: Ich bin Alkoholiker.“

Schulleiter Michael Hohmann (r.) überreicht Ulrich Borowski ein KK 3000 T-Shirt und eine Startnummer für den Lauf gegen Krebs. Quelle: Christin Schmidt

Sein Entzug ist mittlerweile fast 20 Jahre her. Rückfällig wurde Borowka nie. Er weiß aber, wie schwer es ist, trocken zu bleiben. Und er hat in seinem Leben einige kennengelernt, die das nicht geschafften.

„Zehn Jahre habe ich gebraucht, um mit mir ins Reine zu kommen und zu erkennen, dass nicht andere Schuld an meiner Sucht sind“, erklärte der 57-Jährige.

Die Erfolge im Fußball sind für Uli Borowka heute Schnee von gestern. „Jeder Tag, an dem ich keinen Alkohol getrunken habe, ist für mich mehr wert, als jeder Titel, den ich gewonnen habe“, so der Ex-Profisportler.

Ein Vollrausch kann massive Schäden anrichten

Wichtig ist es ihm heute, anderen zu helfen. Das tut er mit Vorträgen in Kliniken, Schulen, Gefängnissen und Firmen und mit seinem Verein „Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe“.

„Schmeißt euer Leben nicht weg!“, appellierte er an seine jungen Zuhörer und fügte hinzu: „In Eurem Alter reicht schon ein Vollrausch, um massive körperliche Schäden zu erleiden.“

Borowka sprach aber nicht nur über Alkoholsucht. Auch Handy- und Internetsucht und andere Drogen wie Cannabis ließ er nicht aus.

Schulen brauchen Unterstützung für Prävention

„Merkt Euch: Stark ist nicht der, der sich dem Gruppenzwang hingibt und mittrinkt oder raucht. Stark ist der, der eine eigene Meinung hat, zu der er steht und der nein sagen kann“, betonte Borowka.

Schulleiter Michael Hohmann zeigte sich am Ende begeistert von dem Mann und seinem Vortrag. Zugleich ließ er nicht unerwähnt, wie schwierig es für Schulen ist, eine solche Präventionsarbeit anzubieten.

Zuvor hatte eine Krankenkasse die Finanzierung der Veranstaltung abgelehnt. „Die Gesellschaft verlangt von den Schulen Prävention, aber niemand will die finanzielle Verantwortung dafür übernehmen“, so Hohmann.

Von Christin Schmidt

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