Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Femizide: Verein erinnert getötete Frauen
Lokales Havelland Rathenow Femizide: Verein erinnert getötete Frauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:12 27.12.2019
Catrin Seeger (r.) und Jana Reinhardt vom Frauenhaus Rathenow sammeln 122 Paar rote Schuhe. Jedes Paar steht für ein Femizid-Opfer im Jahr 2018. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Gerade noch stand der Mann im roten Mantel im Mittelpunkt, nun sollen rote Schuhe im Mittelpunkt stehen. Der Unabhängige Frauenverein Rathenow ruft alle Westhavelländer auf, in ihrem Schuhschrank zu stöbern und nach roten Damenschuhen Ausschau zu halten.

Egal ob Pumps, Stiefel, Sandalen, Boots, Turnschuhe oder Stilettos – Hauptsache die Schuhe sind rot, rosa oder pink. Wozu die Vereinsmitglieder die roten Schuhe brauchen? Nicht um sie selbst zu tragen, sondern für eine Aktion, die am 14. Februar auf dem Märkischen Platz in Rathenow die Aufmerksamkeit der Menschen erregen soll.

„Wir wollen genau 122 Paar rote Damenschuhe auf dem Platz aufreihen. Die Schuhe stehen symbolisch für jede einzelne Frau, die im Jahr 2018 von ihrem Freund, Ehemann oder Ex-Partner umgebracht wurde“, macht Catrin Seeger deutlich.

Wachrütteln am weltweiten Aktionstag

Die Leiterin des einzigen Frauenhauses im Havelland und Vorsitzende des Unabhängige Frauenvereins hat in ihrem Beruf tagtäglich mit Frauen zu tun, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, die von ihrem Partner geschlagen, misshandelt oder bedroht werden. Die Zahlen zu Häuslicher Gewalt – auch im Havelland – sind erschreckend und trotzdem passiert noch immer zu wenig, so Seeger.

Sie will den weltweiten Aktionstag wieder nutzen, um die Menschen wachzurütteln. Auf die Idee, rote Schuhe auf den Märkischen Platz zu stellen, kam Catrin Seeger bereits im November. Eine Kollegin erzählte ihr, dass sie zum 25. November, dem Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, in Mannheim rote Schuhe symbolisch im Stadtzentrum platzieren.

„Diese Idee finde einfach toll und sie passt wunderbar zum 14. Februar. Denn an diesem Tag beteiligen wir uns seit 2014 am weltweiten Aktionstag One Billion Rising und tanzen auf dem Märkischen Platz gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Dieses Mal wollen wir den Tag nutzen, um an die getöteten Frau zu erinnern“, betont die Leiterin des Frauenhauses und Vorstandsvorsitzende im Netzwerk Brandenburgischer Frauenhäuser.

Femizide sind keine „Beziehungsdramen“

Die 122 Paar Schuhe stehen für 122 Schicksale und sollen die Rathenower darauf aufmerksam machen, wie viel Leid hinter jeder einzelnen Geschichte steckt und wie viele Kinder davon betroffen sind.

„Wir lesen häufig in der Zeitung Berichte von ,Beziehungsdramen’, die einen kurzen Schockmoment verursachen, der aber schnell wieder verpufft. Es ist höchste Zeit, dass wir die Dinge beim Namen nennen und endlich von Femiziden sprechen, also der Ermordung von Frauen, die auf geschlechtsspezifische Unterdrückung und systematische Gewalt gegen Frauen zurückzuführen ist“, macht Seeger deutlich.

Die roten Schuhe passen auch zur One Billion Rising-Aktion, weil an diesem Tag wieder Frauen, Mädchen und auch Männer in Rot und Pink gekleidet auf dem Märkischen Platz tanzen. Wer mittanzen möchte, kann zur Vorbereitung am 26. Januar um 10 Uhr einen Workshop im Fitnessstudio Family Fitness in Rathenow besuchen.

Schuhe in Spektrum-Schule abgeben

Dort werden ausgebildete Fitnesstrainer mit allen Interessierten die Choreographie einstudieren, die auf Plätzen weltweit zu dem Lied „Break the Chain“ – „Sprengt die Ketten“ getanzt wird. Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos.

Natürlich ist am 14. Februar auch jeder willkommen, der die Choreographie nicht beherrscht. „Wichtig ist, dass so viele Menschen wie möglich auf den Platz kommen, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Wir rechnen auch fest mit den Schulen. Gemeinsam senden wir die Botschaft: Achtung, das darf nicht wieder passieren!“, sagt Catrin Seeger. Sie freut sich, dass Family Fitness die Aktion des Frauenvereins erneut unterstützt.

Wer die Aktion am 14. Februar unterstützen möchte, kann ab Montag, 6. Januar seine roten Schuhe in der Förderschule „Spektrum“, Große Hagenstraße 3, abgegeben oder sich beim Unabhängigen Frauenverein unter der Telefonnummer: 03385/50 36 15 melden. Die Schuhe werden nur für die Aktion gebraucht und gehen danach natürlich zurück an die Besitzerinnen.

Von Christin Schmidt

Zur Christvesper an Heiligabend erklangen in der Steckelsdorfer Kirche nicht nur die Orgel und drei Geigen. 18 Gemeindemitglieder führten zudem kostümiert vor dem Altar das Krippenspiel auf.

26.12.2019

Rathenower Kameraden verhinderten kurz vor dem Fest eine Katastrophe. Eine Nachbarin hatte einen brennenden Adventskranz bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. Auch am ersten Feiertag mussten die Kameraden ausrücken.

26.12.2019

Kurz vor dem Fest versetzen sich die Rathenower gern auf der Mühlenweihnacht in besinnliche Stimmung. In diesem Jahr war es besonders voll. Mehr als 5000 Besucher kamen am ersten Tag. Statt Schnee gab es erstmals Eis.

23.12.2019