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Rathenow Filmdreh in der Pestalozzischule
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10:21 09.05.2018
Medienpädagogin Leska Ruppert (M.) bereitet mit Sarah und Bryan die nächste Einstellung vor. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Wie fühlt sich ein Junge, der seine eigene Schrift kaum lesen kann, der Angst bekommt, wenn er ein Formular ausfüllen muss und der wegen seiner Schwäche den Hänseleien seiner Mitmenschen ausgesetzt ist?

Lucas und Jan kennen dieses Gefühl. Sie besuchen die siebte Klasse der Pestalozzi-Schule mit dem sonderpädagogischen Schwerpunkt Lernen.

Wie ihr Alltag aussieht und mit welchen Hürden sie zu kämpfen haben, das zeigen die Jungs und ihre Mitschüler nun in einem Kurzfilm. Die Dreharbeiten dazu fanden am Dienstag statt.

Von 8 bis 13 Uhr standen die elf Mädchen und Jungen der siebten Klasse vor und hinter der Kamera, um ihren Beitrag für den Kurzfilmwettbewerb „janz schöön ungerecht“ zu drehen.

„Unser Sozialarbeiter Lutz Wagner hatte mich Ende letzten Jahres auf den Wettbewerb des Vereins für inklusive Medienbildung aufmerksam gemacht“, erzählt Klassenlehrerin Silka Mage während ihre Schüler die nächste Einstellung vorbereiten.

Schüler der 7. Klasse der Förderschule Pestalozzi in Rathenow haben einen Filmworkshop gewonnen und nehmen am Kurzfilmwettbewerb "Janz schöön ungerecht" teil. Quelle: Christin Schmidt

Alle 7. bis 10. Klassen in Berlin und Brandenburg waren aufgerufen sich mit dem Thema Gerechtigkeit zu beschäftigen und die Idee für einen Film einreichen.

„Einige meiner Schüler haben ADHS, andere leiden an einer Leserechtschreibschwäche oder haben sogar beides. Als ich ihnen vom Wettbewerb erzählte und wir Ideen für einen Film sammelten, haben sie sich geöffnet und von ihren Erfahrungen berichtet, von ungerechter Behandlung und täglichen Problemen.

Wir verpackten das in eine Filmidee und schickten noch vor Weihnachten die Bewerbung ab. Aber ehrlich gesagt, hatten wir nicht damit gerechnet, in die engere Auswahl zu kommen“, sagt Silka Mage.

Sie ist stolz, dass ihre Klasse zu den 50 ausgewählten gehört und zwei Workshops mit Filmprofis gewonnen hat. Vor 14 Tagen fand der erste Teil statt.

Ein Drehbuchautor besuchte die Klasse und arbeitete mit den Mädchen und Jungen an ihrer Filmidee, die sie am Dienstag umsetzen durften. Dabei hatten sie mit Filmemacherin Catharina Göldner und Medienpädagogin Leska Ruppert echte Profis an ihrer Seite.

Der Kurzfilmwettbewerb „janz schöön anders“

„janz schöön ungerecht“ ist das Motto des diesjährigen Kurzfilmwettbewerbs für Schulen in Berlin und Brandenburg.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei mit dem Thema Gerechtigkeit auseinander. Was finden sie ungerecht und was gerecht?

Der Wettbewerb ist offen für alle Schulen und richtet sich an die Jahrgangsstufen 7 bis 10.

24 Schulklassen hatten sich mit insgesamt 50 Ideen beworben. Bis zum 15. Juni haben sie Zeit, diese Ideen unter professioneller Anleitung umzusetzen.

Das inklusive Filmprojekt beinhaltet für jede Klasse einen kostenlosen und barrierefreien Drehbuch- und Filmworkshops.

Die Beiträge dürfen nicht länger als fünf Minuten sein und die Botschaft für Inklusion, gegen Ausgrenzung in Berlin und Brandenburg.

Eine Jury prämiert die zehn besten Filme. Alle Filme werden bei YouTube und bei Alex TV gezeigt.

Ausrichter ist der Verein für inklusive Medienbildung. Mehr auf www.janz-schöön-anders.de

Die beiden Frauen brachten nicht nur die nötige Technik – Stativ, Tablets und Mikrofon – mit. Sie weihten die Schüler auch in die Geheimnisse der Filmkunst ein.

„Ich habe gelernt, dass sich durch zu viel Zoomen die Qualität verschlechtert“, berichtet Lucas. Er hat selbst schon einen kleinen Film gedreht, allerdings wusste er da noch nicht, worauf es ankommt.

In sieben Szenen haben die Schüler ihren Film geteilt, darunter eine Einkaufsszene, Hänseleien auf dem Schulhof und typische Szenen aus dem Vereinsleben. Die Situationen haben sich die Schüler nicht ausgedacht, sie haben sie selbst erlebt.

„Ich wurde in einem Verein gemobbt, weil ich auf der Förderschule bin und diese LR-Schwäche habe“, erzählt Jan. Eine Zeit lang hat er versucht, die Bemerkungen zu ignorieren, irgendwann hat er den Verein verlassen. „Es hat mich traurig gemacht und mein Selbstvertrauen geschwächt“, sagt der 15-Jährige.

Lette Hürde für die Pestalozzi-Schüler: Der Filmschnitt

Inzwischen hat er einen Verein gefunden, in dem er so akzeptiert wird, wie er ist. Jan ist jetzt Mitglied eines Drachenbootvereins und stolz darauf.

Dass er und seine Mitschüler jetzt die Möglichkeit haben, die Probleme, die sie täglich erleben, in einem Film einem breiten Publikum zu zeigen, empfindet er als eine Erleichterung.

Natürlich hofft die Klasse, dass ihr Beitrag am Ende zu den besten gehört und von der Jury prämiert wird. Aber auch ohne einen Preis hat dieses Projekt viel gebracht, ist sich Silka Mage sicher.

Sie ist begeistert, was dabei entstanden ist und vor allem, welchen Effekt die Beschäftigung mit dem Thema auf die Schüler hat, die sich mit großem Eifer eingebracht haben.

„Wir wollen mit unserem Beitrag zu ADHS und Diskriminierung zeigen, wie schwer es Menschen haben, denen man ihre Einschränkung nicht auf den ersten Blick ansieht, welche Hürden sie im Alltag meistern müssen“, erklärt die Klassenlehrerin.

Die letzte Hürde, die sie und ihre Schützlinge nun noch nehmen müssen, ist der Filmschnitt. Wer sich damit auskennt, kann die Klasse gern unterstützen. Am 15. Juni muss der Film spätestens eingereicht werden.

Von Christin Schmidt

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