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Rathenow Fliegen und filmen: Von der Leidenschaft eines Rathenower Ehepaares
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Fliegen und filmen: Von der Leidenschaft eines Rathenower Ehepaars

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16:39 17.11.2021
Edith und Helmut Wernicke mit einem Modell des „Zeppelins“.
Edith und Helmut Wernicke mit einem Modell des „Zeppelins“. Quelle: Markus Kniebeler
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Im Winter geht vielen Menschen die Antriebskraft verloren. Aus verständlichen Gründen. Wenn es dunkel und kalt ist, fühlt es sich auf dem Sofa einfach besser an. Auch Helmut und Edith Wernickes Aktionsradius schrumpft in der dunklen Jahreszeit zusammen. Dann machen es sich die beiden Senioren in ihrem Haus gemütlich.

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Das allerdings sollte man nicht mit Untätigkeit verwechseln. Der Winter ist nämlich die Jahreszeit, in der die beiden ihren „Kopp trainieren“, wie Helmut Wernicke es ausdrückt. Was bei diesem Kopftraining herauskommt, kann im Internet bewundert werden. Auf dem Internet-Kanal Youtube findet man, wenn man den Namen Edith Wernicke eingibt, Filme, deren Grundlagen im Winter gelegt wurden.

Modelle Marke Eigenbau

Hauptthema aller Filme, mittlerweile sind es 23, ist die große Leidenschaft der beiden: die Modell-Fliegerei. Seit seiner Jugend baut Helmut Wernicke Miniaturversionen von allem, was sich in der Luft bewegt. Der Bewunderer Otto Lilienthals ist sich aber nicht zu schade, hin und wieder auch Schiffe, Autos und andere Motorfahrzeuge zu basteln.

Wobei basteln das falsche Wort ist für das, was der ehemalige Techniklehrer in seiner Miniwerkstatt tut. Wernickes Schaffen hat mehr mit echter Ingenieurskunst gemein. Nahezu alle Modelle, die er in seinem Leben gebaut hat, sind eigene Entwürfe. Das Wort Modellbausatz kommt in seinem Tun nicht vor. Nach einer idiotensicheren Anleitung vorgefertigte Teile zusammenzukleben ist – man muss es so sagen – unter seinem Niveau.

Fliegen müssen sie können

Meist orientiert sich der 82-Jährige an Foto- und Filmaufnahmen. Nach diesen Vorlagen fertigt er seinen Bauplan, kauft das Rohmaterial und fängt dann mit der Konstruktion an. Wobei es natürlich nicht nur darum geht, dass das Modell dem Original möglichst ähnlich sehen muss. Viel wichtiger ist, dass alles nach Luftfahrgesichtspunkten berechnet wird. Denn schließlich sollen die Modelle nicht nur schön aussehen, sondern auch flugfähig sein.

Der „Zeppelin“ im Einsatz über dem Hohennauener See. Quelle: Edith Wernicke

Auf diese Weise sind in den vergangenen Jahrzehnten Flugmodelle entstanden, über deren Zahl selbst ihr Schöpfer den Überblick verloren hat. Vom Original-Nachbau eines Lilienthalgleiters über den legendären Rosinenbomber bis zur Raumstation ISS reicht die Palette der Flugobjekte aus der Konstruktions-Werkstatt im Erlenweg.

Sogar einen täuschend echt aussehenden Adler hat Wernicke geschaffen, der – von einem Minimotor angetrieben – majestätisch durch die Lüfte schwebt. Der Adler ist auch im jüngsten Film zu sehen, neben rund einem Dutzend anderer Modelle. Mit denen sind Edith und Wernicke im vergangenen Frühjahr und Sommer durch das Westhavelland gereist, um Bilder für den jüngsten Streifen zu machen.

Faszinierende Luftaufnahmen

Ein Teil des Film besteht aus faszinierenden Luftaufnahmen, die Wernicke mit seinem Multicopter – einer Art Drohne – gemacht hat. Der Semliner See in seiner ganzen Pracht ist ebenso zu sehen wie der Wolzensee. Dazu die Orte Bamme, Gräningen, Nennhausen, Rathenow aus der Vogelperspektive. Und natürlich Stölln, der Geburtsort der Fliegerei, dem die Wernickes sich wegen ihres Hobbys besonders verbunden fühlen.

Luftaufnahme des Seeufers im Dorf Semlin. Quelle: Edith Wernicke

Ergänzt werden die Luftbilder durch Aufnahmen, die Edith Wernicke vom Boden aus gemacht hat. Dabei handelt es sich nicht nur um Filmsequenzen von den Flugmodellen in Aktion. Die Kamerafrau hat auch hübsche Impressionen der einzelnen Ortschaften eingefangen. Und diese mit kurzen Informationen zu ausgewählten Sehenswürdigkeiten versehen.

Arbeit am Computer

Der 35-minütige Film ist vor allem Edith Wernickes Werk. Helmut ist der Flugzeugingenieur und Pilot. Seine Frau filmt, schneidet das Material am Computer, vertont das Ganze. Und übernimmt außerdem die Rolle, ihren Mann, der sich von seinem Erfindergeist bisweilen zu wagemutigen Manövern hinreißen lässt, zu bremsen. „Wenn Edith sagt, heute wird nicht geflogen, weil der Wind zu doll ist, dann wird nicht geflogen“, sagt Helmut Wernicke.

Gerade ist der neue Film fertig geworden, schon bahnen sich neue Ideen ihren Weg. Jetzt, im Winter, reifen diese zu einem Projekt heran. Und sobald es wieder wärmer wird, macht sich das Dreamteam Wernicke mit Fliegern, Kameras und anderem Equipment daran, dem Havelland, der Modellfliegerei und sich selbst das nächste Denkmal zu setzen.

Von Markus Kniebeler