Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Geräteservice für zwei Millionen Ferngläser mehr
Lokales Havelland Rathenow Geräteservice für zwei Millionen Ferngläser mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 23.07.2018
André Schwolow, Geschäftsführer vom Duncker Geräteservice, mit einem Carl-Zeiss-Fernglas für die zivile Nutzung (links) und einem für militärische Zwecke. Quelle: Bernd Geske
André Schwolow, Geschäftsführer vom Duncker Geräteservice, mit einem Carl-Zeiss-Fernglas für die zivile Nutzung (links) und einem für militärische Zwecke. Quelle: Bernd Geske
Anzeige
Rathenow

 Die eleganten zivilen Ferngläser bekommen nun immer öfter Gesellschaft durch ihre robusten kleinen Brüder fürs Militär. Der Duncker Geräteservice in Rathenow erweitert sein Dienstleistungsangebot erheblich. Seit gut drei Jahren bietet die extra für diesen Zweck gegründete Firma Reparaturen und Wartungen für Ferngläser der DDR-Fertigung von Carl Zeiss Jena an.

Alleinstellungsmerkmal daran: Geschäftsführer André Schwolow hat Ende 2015 von der einzigen hauseigenen Carl-Zeiss-Jena-Kundendienst-Werkstatt in Eisfeld (Thüringen) das gesamte Ersatzteillager für Ferngläser erworben. Die einmalige Chance hatte sich geboten, weil der Werkstatt-Inhaber in Rente ging. Es wird geschätzt, dass noch rund fünf Millionen Ferngläser des Herstellers in Umlauf sind.

Tausende Original-Ersatzteile sind der besondere Schatz, aus dem der Duncker Geräteservice schöpfen kann. Hier sind es neue Linsen für das Okular. Quelle: Bernd Geske

Ein ähnlicher Handstreich ist dem Rathenower nun noch einmal gelungen. Vor etwa einem Vierteljahr hat er das gesamte Lager von Teilen aus dem Hause Carl Zeiss Jena für Ferngläser zur militärischen Nutzung kaufen können. Es gehörte zur einzigen Original-Kundendienst-Werkstatt in Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). Und Sie ahnen es: Auch deren Inhaber ist in Rente gegangen.

Die Zahl der fürs Militär produzierten Ferngläser lässt sich nicht so gut schätzen wie im zivilen Sektor, weil bei den bewaffneten Organen vieles der Geheimhaltung unterlag. André Schwolow geht davon aus, dass von Carl Zeiss rund zwei Millionen Ferngläser hergestellt worden sind, bis 1989 die Produktion eingestellt worden ist.

Für alle Armeen des Warschauer Vertrages

Alle drei Waffengattungen der DDR waren mit den gleichen Gläsern ausgestattet. Außerdem bekamen sie alle Armeen der Staaten des damaligen Warschauer Vertrages. Es gibt eine ältere Version DF 7x40 und eine neuere namens EDF 7x40. Die „7“ steht für die Vergrößerung, die „40“ für den vorderen Durchmesser des Objektivs.

Wie sich zeigt, sind viele dieser Ferngläser – wie auch immer – in zivile Hände gelangt. Außerdem ist der Typ EDF in den letzten Jahren der DDR auch frei für den Export hergestellt worden. Nicht zuletzt werden noch welche in der Bundeswehr genutzt. Naturgemäß sind Ferngläser für den militärischen Gebrauch eher robust. Wie André Schwolow erklärt, zeichnen sie sich ihren zivilen Brüdern gegenüber, wenn man es so möchte, noch durch wenigstens drei weitere Vorteile aus. Sie sind etwas kleiner und handlicher. Gegenüber der zivilen achtfachen Vergrößerung geben sie mit ihrer siegenfachen Vergrößerung ein ruhigeres Bild. Nicht zuletzt kann man mit ihnen in der Dämmerung sehr gut sehen.

Von drei auf fünf Beschäftigte

Waren bislang beim Duncker Geräteservice drei Beschäftigte tätig, ist die Zahl auf nunmehr fünf gewachsen. Grundsätzlich hat man dort auch schon in früheren Jahren die Militär-Ferngläser von Carl Zeiss repariert und restauriert. Eines bis zwei pro Woche hatten sich unter die zivilen Gläser gemischt. Mittlerweile ist ihre Menge auf durchschnittlich fünf pro Woche gewachsen und André Schwolow geht davon aus, dass es bald noch mehr werden. Schließlich gibt es die Stamm-Werkstatt in Neubrandenburg ja nicht mehr.

Was die zivile Carl-Zeiss-Fernglas-Linie betrifft, ist mit 60 Ferngläsern pro Monat schon seit einiger Zeit beim Duncker Geräteservice die Kapazitätsgrenze erreicht.

Von Bernd Geske