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Havelländerin beschreibt ihren Weg aus der Essstörung in einem Buch

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10:43 10.09.2021
Unter dem Pseudonym Cassandra Light hat eine Havelländerin das Buch "Hungern für die Liebe" veröffentlicht.
Unter dem Pseudonym Cassandra Light hat eine Havelländerin das Buch "Hungern für die Liebe" veröffentlicht. Quelle: Christin Schmidt
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Havelland

Was treibt Menschen in eine Essstörung und wie kommen sie aus dieser wieder heraus? Antworten darauf will eine junge Havelländerin geben, die als Jugendliche selbst unter dieser Krankheit litt.

Gerade hat sie unter dem Pseudonym Cassandra Light das Buch “Hungern für die Liebe – Wege aus der Essstörung aus spiritueller Sicht“ veröffentlicht und legt damit ein sehr persönliches Werk vor.

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Die junge Frau erzählt ihre eigene Geschichte, lässt den Leser anhand von Tagebucheinträgen in die Gedankenwelt eines jungen Mädchens eintauchen und reflektiert zugleich ihre Gefühle von damals.

1999 wurde die Autorin (Name der Redaktion bekannt) mit nur zwölf Jahren aufgrund einer Essstörung in eine psychiatrische Klinik eingeliefert und nach eineinhalb Jahren entlassen. Nicht, weil sie geheilt war, sondern weil man ihr nicht helfen konnte und die Krankenkasse nicht länger für die Therapie zahlen wollte. Ein Schlag ins Gesicht für die ganze Familie.

Sie beschloss zu sterben

„Es war nicht so, dass ich schlank sein wollte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich hier falsch bin, dass ich nicht in diese Welt gehöre. Ich habe innerlich beschlossen, zu sterben. Das tat ich ganz bewusst und schrieb es damals auch so in meinem Tagebuch auf.“ Die Folgen dieser Entscheidung konnte sie irgendwann auch körperlich spüren. „Ich habe gemerkt, wie mein Herz immer langsamer schlug. Ich konnte nicht schlafen, lag ständig im Bett, weil ich mich so schwach fühlte.“

Nach ihrer Entlassung begann sie, sich intensiv mit der Krankheit zu befassen. Sie las Bücher, befasste sich mit sich selbst und ihren Gefühlen und lernte schließlich mit 16 einen Freund kennen, der sie auf andere Gedanken brachte. Plötzlich drehte sich nicht mehr alles um das Thema Essen, wenngleich es noch über Jahre ein Rolle spielte.

Verlosung auf Instagram

Die Autorin stellt für die MAZ-Leser vier Exem-plare ihre Werkes „Hungern für die Liebe“ für eine Verlosung zur Verfügung.

Wer ein Buch ergattern möchte, schaut in den Instagram-Kanal der MAZ Havelland rein.

Dort werden wir in den nächsten Tagen einen Post zu „Hungern für die Liebe“ und die Infos zur Verlosung veröffentlichen.

Wer kein Glück hat, kann das Buch auch im Buchhandel bestellen.

Es ist im Engelsdorfer Verlag als Taschenbuch erschienen – ISBN: 978-3-96940-176-7 – und kostet 13,60 Euro.

Die Idee, über diese schwere Zeit ein Buch zu schreiben, kam Cassandra Light erst 2014. Ein Zeitpunkt in ihrem Leben, an dem sie einiges änderte. Sie begann zu fotografieren, ließ sich zur Yoga-Lehrerin ausbilden, trennte sich von ihrem damaligen Partner und ging auch beruflich neue Wege. „Ich habe mein Leben neu strukturiert und geschaut, was will ich eigentlich, was ist mir wichtig“, erzählt die junge Frau.

Damals fing sie auch mit dem Schreiben an oder besser gesagt, sie entdeckte es wieder, denn schon als junges Mädchen brachte sie gern Geschichten zu Papier. „Zu dieser Zeit fragte mich eine Bekannte, die als Therapeutin arbeitet, warum ich meine eigene Geschichte nicht aufschreibe. Zum einen für mich selbst, aber auch, um anderen Betroffenen von meinen Erfahrungen zu berichten. Auch Therapeuten könnten aus einem solchen Werk viel herausziehen, meinte sie“, so die Havelländerin.

Das Schreiben war kein leichter Prozess

Es war der ausschlaggebende Impuls. Sie nahm ihre Tagebücher aus Jugendzeiten zur Hand, erarbeitete ein Konzept und reichte ihre Idee bei Verlagen ein. Mehrere meldeten Interesse an, schließlich stellte der Engelsdorfer Verlag ihr eine Lektorin an die Seite. 2016 begann sie mit der Fachfrau an ihrer Seite an dem Buch zu arbeiten. Das Ergebnis hält die frisch gebackene Autorin nun stolz in ihren Händen.

Dass bis zur Veröffentlichung fünf Jahre vergingen, habe nicht nur damit zu tun, dass sie neben der Arbeit schrieb. „Vielmehr hatte der Schreibprozess dazu geführt, dass ich vieles noch einmal für mich aufarbeiten musste. Das war kein leichter Prozess“, erklärt die junge Frau.

Unter dem Pseudonym Cassandra Light hat eine Havelländerin das Buch "Hungern für die Liebe" veröffentllicht. Quelle: Christin Schmidt

Das Buch enthalte viele Tagebucheinträge aus der Zeit ihres Aufenthalts in der Psychiatrie, die sie aus heutiger Sicht reflektiert. Außerdem gibt die Autorin konkrete Handlungsempfehlungen für Betroffene und stellt den Lesern konkrete Fragen zur Selbstreflexion. Besonders wichtig sei ihr der Do-it-yourself-Teil mit Übungen zum Umgang mit Ängsten und Ähnlichem.

Anmerkung der Redaktion

Wir berichten in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden, gibt es Hilfe. Unter der kostenlosen Hotline 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 können sie anonym mit Beratern sprechen, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Wenn Sie das Gefühl haben, selbst an einer Essstörung zu leiden, gibt es auch hier Hilfe. Informationen und nahegelegene Beratungsangebote finden Sie im Netz bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter www.bzga-essstoerungen.de.

„Es hat nicht nur die Person ein Problem, die an der Essstörung leidet, sondern auch das Umfeld, also Eltern, Familie, Freunde, bei Jugendlichen auch Lehrer, bei Erwachsenen Kollegen“, betont die Autorin, die dafür plädiert, das große Ganze zu sehen. Außerdem setzt sie sich in ihrem Buch kritisch mit Programmen auseinander, mit denen Essgestörte häufig behandelt werden.

Dabei gehe es nur ums Zunehmen, nicht aber um gesundes Essen. Dass sie kein Fleisch essen wollte – bis heute ist sie Vegetarierin, und sich vor einigen Speisen ekelte, habe man damals einfach ignoriert. Dabei sei es so wichtig, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind. Dazu gehören auch ihre Essgewohnheiten, so lange diese nicht krankhaft sind.

Von Christin Schmidt