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Rathenow Hebammen werden zum Wahlkampfthema
Lokales Havelland Rathenow Hebammen werden zum Wahlkampfthema
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15:10 12.08.2019
Jörg Grigoleit (rechts), Geschäftsführer der Havelland Kilnik, hat auf einen Brief von Dieter Dombrowski geantwortet. Quelle: Andreas Kaatz
Rathenow/Nauen

Die Hebammen, die derzeit in Nauen ausgebildet werden, um den Kreißsaal der Havelland Klinik am Standort Nauen so schnell wie möglich wieder ans Netz zu bringen, sind in ihren Arbeitsverträgen nicht alleine auf den Standort Nauen beschränkt. Sie können ebenso in Rathenow eingesetzt werden. Das bestätigt jetzt Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland Klinik GmbH.

Brief an die Verwaltung

In einem Brief an die Kreisverwaltung, Kreistagsabgeordnete und Mitglieder des Aufsichtsrates nimmt Grigoleit Stellung zu den Vorwürfen und Hinweisen, die Landtagsvizepräsident und Landtagskandidat Dieter Dombrowski vergangene Woche öffentlich gemacht hat.

Das waren die Vorwürfe

Die Hebammen in Rathenow seien überlastet, die in Neuen verbliebenen Hebammen hätte nichts zu tun und die Auszubildenden für die Hebammensparte sollen nur in Nauen arbeiten. Zudem sehe er, Dombrowski, die Gefahr, dass die Kreißsäle an beiden Standorten geschlossen werden.

Hebammen werden im Havelland dringend gebraucht. Quelle: epd-NDS-Bremen

„Der Brief von Herrn Dombrowski enthält zahlreiche Mutmaßungen und vermeintliche Informationen, die nicht zutreffend sind“ , schreibt Grigoleit in dem Brief, der der Redaktion der Märkischen Allgemeinen vorliegt. In Rathenow gebe es einen Personalstamm aus neun Hebammen (fünf Vollkräfte). Diese arbeiten nach einem Dienstplan, der sowohl mit den Hebammen, als auch mit dem Betriebsrat abgesprochen sei. Zudem werde die leitende Hebamme an beiden Standorten eingesetzt, heißt es in der Antwort der Klinik.

Bereit zum Nachweis

Nachweislich falsch sei die Behauptung, dass in den Ausbildungsverträgen als Dienstort für Hebammen lediglich Nauen angegeben ist. „In allen Dienst- und Ausbildungsverträgen unseres Unternehmens werden die Arbeitsorte Nauen und Rathenow ausgewiesen“, so Jörg Grigoleit. Er sei gerne bereit, bei einer Aufsichtsratssitzung den Nachweis dazu zu führen.

Bisher 250 Geburten

252 Geburten sind bis zum vergangenen Freitag für den Kreißsaal des Krankenhauses in Rathenow im Jahr 2019 zu verzeichnen.Ab jeweils 750 Geburten in Nauen und Rathenow könnten bei dem derzeitigen Gehaltsniveau die Kosten gedeckt werden.Kostendeckung steht aber nicht im Fokus. Für den Krankenhausstandort Rathenow gibt es einen Sicherstellungszuschlag vom Bund in Höhe von 400 000 Euro pro Jahr.

Zu keinem Zeitpunkt sei die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in den Havelland Kliniken als Kostenfaktor bezeichnet worden. Die Standorte der Kreißsäle in Nauen und Rathenow seien auch zu Zeiten vorgehalten worden, als die Zahl der Geburten deutlich niedriger war. Das Selbstverständnis des Krankenhausträgers gehe davon aus, dass sowohl in Rathenow als auch in Nauen Kreißsäle vorgehalten werden. Das werde nicht zur Debatte gestellt.

Gespräch mit Betriebsrat

Dieter Dombrowski hat in einer ersten Reaktion angekündigt, dass er nunmehr gemeinsam mit dem Betriebsrat das Problem erläutern werde. Wie sehr die Belastung der Hebammen tatsächlich sei, ergebe sich aus den Dienststunden. Außerdem wolle er Akteneinsicht beim Landkreis in der Angelegenheit beantragen.

Ein Maßnahmebündel

Wann der Kreißsaal in Nauen tatsächlich wieder geöffnet wird, steht noch nicht fest. Jörg Grigoleit verweist auf ein ganzes Maßnahmebündel, um die Situation in den Griff zu bekommen. Zu den bisher zwei Auszubildenden kommen im Herbst drei weitere Azubis in der Hebammensparte hinzu.

Schwangere müssen sich gut umsorgt fühlen. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Wettbewerb um Fachkräfte – also auch Hebammen – sei allerdings scharf und es gebe massive Abwerbeversuche anderer Kliniken, zum Beispiel aus Brandenburg an der Havel. Äußerungen, wie die von Dieter Dombrowski, sorgen hingegen für Verunsicherung in den Reihen des havelländischen Klinik-Personals.

Nur bedingt tauglich

Grigoleit glaubt, dass sich die Debatte um die medizinische Versorgungsstruktur nur „bedingt zu Wahlkampfzwecken eignet“. Der Geschäftsführer ist der Meinung, „dass die Region Westhavelland leben muss“: Darauf sei die Entwicklung der medizinischen Versorgung im Rahmen der Möglichkeiten der Havelland Kliniken ausgerichtet.

Kritik von der SPD

Kritik am Vorgehen von Dieter Dombrowski kommt von seiner SPD-Mitbewerberin Katja Poschmann: „Wir müssen schnell aber auch mit Sorgfalt zu guten und zukunftsfesten Lösungen für die Kreißsäle in Rathenow und Nauen kommen“, so Poschmann. „Nach allem, was wir derzeit wissen, gehen wir davon aus, dass der Kreißsaal in Rathenow gesichert ist. Frauen und Familien sollten sich nicht um eine wohnortnahe Geburtshilfe sorgen müssen.“

Katja Poschmann ist die Kandidatin der SPD im Landtagswahlkreis 4. Quelle: Joachim Wilisch

Die Geschäftsführung der Havelland-Kliniken müsse durch Neueinstellungen und Ausbildung alles dazu beitragen, die Hebammen-Station in Nauen zum Ende des Jahres wieder zu bereinigen. „Statt Verunsicherung zu schüren, sei es notwendig, die Havelland-Kliniken bei ihrer schwierigen Aufgabe der Fachkräftesicherung zu unterstützen“, meint die SPD-Landtagskandidatin.

Mehrere Anfragen

Anfragen zum Thema Hebammen haben die Kreisverwaltung und die Klinik-Leitung nicht erst seit vergangener Woche auf dem Tisch. Die bündnisgrüne Kreistagsfraktion hat dazu mehrere Fragen bei der Kreisverwaltung abgegeben, das war Anfang August. Die Kreistagsabgeordnete der Linken, Andrea Johlige, hat dazu bei der Krankenhaus-Leitung nachgefragt.

Das gute Gefühl

Manchmal reicht ja auch das gute Gefühl. Christian Görke, der sich für die Partei die Linke um ein Landtagsmandat bemüht, hat die Situation in der Rathenower Geburtsklinik vor einigen Wochen erst selbst erlebt.

Nicht eine nach der anderen

Görke wurde zum ersten Mal Großvater. „Bei meinen Besuchen auf der Station hatte ich nicht das Gefühl, dass hier eine Geburt nach der anderen durchgezogen wird“, sagte er. Das sei aber, so Görke, ein rein subjektiver Eindruck gewesen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Schwere Geburt

Von Joachim Wilisch

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