Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Rathenow Heike Brett aus Rathenow begeistert sich für die Rathenower Ziegeleigeschichte
Lokales Havelland Rathenow

Heike Brett aus Rathenow sammelt gestempelte Rathenower Ziegelsteine

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:18 22.11.2021
Heike Brett (re.) mit Beate Brüggemann Schatzmeisterin beim Heimatverein Rathenow zum Vortag über Ziegeleigeschichte in Rathenow und Umgebung.
Heike Brett (re.) mit Beate Brüggemann Schatzmeisterin beim Heimatverein Rathenow zum Vortag über Ziegeleigeschichte in Rathenow und Umgebung. Quelle: Fotos: Jürgen Ohlwein
Anzeige
Rathenow

Als Wiege der optischen Industrie ist Rathenow weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Aber Rathenow hat an industrieller Geschichte noch viel mehr zu bieten. Ein Produkt, das sich durch seine hervorragende Qualität bis 1920 auszeichnete, waren die Rathenower Ziegel.

Aber nur die Ziegel, die mit dem Namen Rathenow gestempelt waren, zählten zu den Qualitätsziegeln. Von 1512 bis 1920 gab es rund 60 Produzenten dieser Ziegel und 150 Ziegeleien, die im Elbe-Havel-Dreieck zwischen Havelberg, Brandenburg an der Havel und Güsen ihre Steine mit dem Qualitätssiegel „Rathenow“ stempelten.

Wir im Havelland

Der Newsletter für aktuelle Themen aus dem Havelland - jeden Freitagmorgen neu.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Rathenower Ziegel mit Qualitätsstempel

Eine, die sich mit der Ziegeleigeschichte in und um Rathenow sehr gut auskennt, ist Heike Brett. Die Rathenowerin beschäftigt sich aber nicht nur mit der regionalen Ziegeleigeschichte, sondern hat auch eine besondere Sammelleidenschaft. Auf ihrem Wochenendgrundstück in Semlin sammelt Heike Brett Backsteine und Ziegel aus den Rathenower Ziegeleien. „Ich sammel alte Ziegelsteine, aber nur mit dem Rathenower Qualitätsstempel“, so Heike Brett.

Heike Brett und Beate Brüggemann. Quelle: Jürgen Ohlwein

Das Interesse an die Ziegeleigeschichte wurde bei Heike Brett durch den verstorbenen Semliner Schriftsteller Martin Keune geweckt. „Gemeinsam mit Martin Keune habe ich für eine Biografie über den Semliner Schriftsteller Axel Rudolph recherchiert“, so Heike Brett. Martin Keune veröffentlichte auch die Semliner Hefte, von denen Heike Brett unter anderem ein Heft über Rathenower Backsteine schrieb. Plötzlich packte Heike Brett auch die Sammellust auf die Ziegelsteine.

Erste Rathenower Ziegelsteine aus Schutthaufen

„Wie das so ist, hat der Deutsche erstmal drei Dinge von einer Sorte, fängt er an zu sammeln“, so Heike Brett. „Meine ersten Ziegelsteine habe ich in Schutthaufen gefunden.“ Heute wissen einige Menschen um die Leidenschaft von Heike Brett und bringen ihr Ziegel vorbei oder kontaktieren sie, wenn sie einen Ziegelstein mit Rathenower Stempel finden.

Über 200 verschiedene gestempelte Ziegelsteine befinden sich auf dem Wochenendgrundstück in Semlin mittlerweile. „Vielleicht sollte ich davon eine Mauer oder etwas anderes auf dem Grundstück errichten“, so Heike Brett.

Rainer Hille zeigt Beate Brüggemann und Heike Brett Fotos zur Ziegeleigeschichte. Quelle: Jürgen Ohlwein

Ausstellung zur Geschichte der Ziegelindustrie beim Heimatverein Rathenow

Ihr Wissen über die Ziegel und deren industrielle Geschichte gibt Heike Brett auch gern weiter. So hielt die geschichtsinteressierte Ziegelsteinsammlerin auch Vorträge beim Rathenower Heimatverein und in der Region. Im Rathenower Heimatmuseum befindet sich zurzeit auch eine Ausstellung zur Geschichte der Ziegelindustrie in der Region.

Bei den Vorträgen von Heike Brett erfahren die Teilnehmer zum Beispiel, dass nicht alle Ziegelsteine, die mit Rathenow gestempelt sind, auch aus Rathenow kommen. Im 19. Jahrhundert wurde der Namensstempel Rathenow von allen Ziegeleien entlang der Havel von Brandenburg bis Havelberg verwendet.

Ziegeleimodell im Heimatmuseum Rathenow. Quelle: Jürgen Ohlwein

Zurzeit recherchiert Heike Brett über die Geschichten der einzelnen Rathenower Ziegeleien und der Betreiberfamilien. Das bedeutet viel Recherche in alten Chroniken. „Ich habe Bilder von der Familie des Ziegeleibesitzers Gotthilf Sittig zugeschickt bekommen. Gudrun Fleiderer lebt in Madrid und ist ein Nachkommin der Familie Sittig. Sie hat mir Fotos von Ölgemälden der Familie zukommen lassen. Eine weitere Nachfahrin ist Almuth Raiser aus Tübingen. Auch mit ihr habe ich mich ausgetauscht“, so Heike Brett.

Familienfotoalbum der Ziegeleibesitzer Friedrich und Albert Schultze aus Albertsheim

Michael Schultze ist ein Nachkomme der Ziegeleihersteller Schultze. von dem Heike Brett ein wunderschön geprägtes Familienfotoalbum der Ziegeleibesitzer Friedrich und Albert Schultze aus Albertsheim bekommen hat. „Die kannten mich gar nicht und haben mir das Album einfach zugeschickt. Soviel Vertrauen hätte ich nie erwartet“, so Heike Brett.

Die bekanntesten Chroniken der Ziegeleibesitzer und ihrer Familien sind auch in der Ausstellung im Heimatmuseum zu sehen. Dazu gehören unter anderem die Familien Heidepriem, Meuß, Schuhwardt, Schultze, Sittig oder Borchmann.

Geschichtstafel der Ziegelei Heidepriem am Weinberg im Heimatmuseum.. Quelle: Jürgen Ohlwein

Familien der Ziegeleibesitzer auf dem Rathenower Friedhof

Einige der Familien der Ziegeleibesitzer sind auf dem Rathenower Friedhof begraben. Im Gegensatz zu den Familiengräbern der Rathenower Optikerfamilien, die unter Denkmalschutz stehen, wird den Gräbern der Familien der Ziegelhersteller wenig Beachtung geschenkt.

„Ich würde mir sehr wünschen, dass mit den Gräbern der Familien der Ziegelhersteller ähnlich wie mit den Gräbern der Familien der optischen Industrie umgegangen wird. Besonders das Grab der Familie Heidepriem liegt mir sehr am Herzen. Die Schrifttafel ist kaum noch lesbar. Es wäre schön, wenn sich dort jemand finden würde, der es in Ordnung bringen könnte“, so Heike Brett.

Auch berühmten Schöngeistern wie der Schriftsteller und Dichter Theodor Fontane haben es die knallroten Rathenower Ziegel angetan. Fontane lobte die Rathenower Ziegel in seinen „Wanderung durch die Mark Brandenburg“ mit den Worten: „Die berühmtesten Steine, die hierzulande gebrannt worden sind, die roten Rathenower und die gelben Birkenwerderschen“.

Von Jürgen Ohlwein