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Rathenow Rathenower befreien Berlin von 60.000 Kippen
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16:49 02.04.2019
Drei der rund 30 Stinknormalen Superhelden aus Rathenow. Gemeinsam haben sie in Berlin  mit weiteren Helden aus der Hauptstadt rund 60.000 Zigarettenkippen gesammelt.
Drei der rund 30 Stinknormalen Superhelden aus Rathenow. Gemeinsam haben sie in Berlin mit weiteren Helden aus der Hauptstadt rund 60.000 Zigarettenkippen gesammelt. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

 Billionen Zigaretten werden weltweit jeden Tag geraucht, allein in Berlin sind es etwa neun Millionen. Geschätzt landen etwa drei Viertel aller Kippen am Ende nicht im Aschenbecher, sondern in der Umwelt.

Überall sind sie zu sehen, auf Gehwegen, in Parks, am Straßenrand, besonders vor Cafés und Bars. Viele Raucher schmeißen die Kippe dort hin, wo sie gerade stehen. Sie denken offenbar nicht daran, dass sie in ihren Händen Sondermüll halten, der Giftstoffe wie Nikotin, Arsen oder Cadmium und Schwermetalle enthält.

Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) reicht eine einzige Zigarettenkippe aus, um 40 Liter Grundwasser zu verseuchen.

Ganz schön ecklig: Rund 60.000 Zigarettenkippen sammelten die Stinknormalen Superhelden und ihre Helfer innerhalb von vier Stunden. Quelle: Christin Schmidt

Auf dieses Problem haben am Wochenende die Stinknormalen Superhelden und rund 50 Mitstreiter mit einer außergewöhnlichen Aktion aufmerksam gemacht. Statt den sonnigsten Tag seit Langem im Park oder auf dem Balkon zu genießen, trafen sie sich um 10 Uhr in Berlin, um die Hauptstadt von Kippen zu befreien.

Mit bunten Perücken, Blumen im Haar und einem Lächeln im Gesicht zogen rund 30 Westhavelländer die Warschauer Straße entlang.

Unterstützt wurden sie von 20 weiteren Helden aus Berlin, die sich rund um den Hermannplatz bückten. Jeder mit Arbeitshandschuhen und Papiertüte ausgerüstet, um den stinkenden Sondermüll einzusammeln.

„Ich finde, das ist eine tolle Aktion. Wir machen auf ein wichtiges Thema aufmerksam, verbessern unseren ökologischen Fußabdruck und noch dazu macht Müll sammeln in der Gruppe richtig Spaß“, sagt der 15-jährige Juma Missfelder. Er ist mit seiner Schwester Leela nach Berlin gefahren, um die Stinknormalen Superhelden zu unterstützen.

Die beiden waren längst nicht die jüngsten Mitstreiter. Menschen zwischen fünf und 65 Jahren schlossen sich der Gruppe an. Die Reaktion der Passanten reichte von totaler Ignoranz, über mildes Lächeln, Kopfschütteln, Verwunderung bis hin zu regem Interesse und spontaner Hilfe.

Nun mag manch einer sagen, das Ganze würde nichts bringen, weil es in kürzester Zeit wieder genauso aussieht wie vor dem Einsatz. „Das kann man so sehen. Aber wir sind der Meinung, man muss irgendwo anfangen“, betont „Katetschen Bernd“, Mitbegründer der Stinknormalen Superhelden.

Rund 50 Stinknormale Superhelden aus Rathenow und Berlin haben am Wochenende in der Hauptstadt jede Menge Zigarettenkippen gesammelt und damit auf ein sehr unappetitliches Problem aufmerksam gemacht.

Während er die Berliner durch die Hermannstraße führte, übernahm seine Frau „Puppi Le Bleu“ das Kommando an der Warschauer Straße. Sogar Raucher halfen hier mit. Die Mögelinerin Katja Poschmann gestand, früher auch schon mal ein Kippe achtlos auf den Weg geschnippt zu haben.

Umso wichtiger sei es, die Superhelden zu unterstützen. „Das Ganze stärkt unheimlich das Bewusstsein dafür, wie wir mit unserer Umwelt umgehen. Und es zeigt einmal mehr, dass jeder einzelne etwas bewirken kann. Gemeinsam erreichen wir unser Ziel“, betonte.

Genau das ist auch eine Botschaft, die Katetschen Bernd am Herzen liegt. „Eine Kippe einfach wegzuschmeißen ist kein Kavaliersdelikt. Man verseucht damit die Umwelt. Wir wollen mit unser Kippen-Sammel-Aktion ein möglichst großes ,Hallo’ auslösen und haben uns deshalb entschieden, das Ganze in Berlin durchzuführen“, so der Mann im weißen Schlüpfer.

Ein Weltrekord, wenn auch kein offizieller

Die Umweltaktivisten in den bunten Strumpfhosen sind übrigens nicht die ersten, die sich bücken, um die Kippen anderer aufzuheben. In Spanien gab es bereits eine ähnliche Aktion. Dort sammelte eine Initiative an einem Wochenende rund 94 000 Kippen.

„Um möglichst viel Aufmerksamkeit und damit Bewusstsein für das Thema zu erzeugen, war es unser Ziel, dieses Ergebnis zu überbieten. Wir haben zwar insgesamt etwas weniger Kippen, aber innerhalb von vier Stunden wurden weltweit garantiert noch nie so viele eingesammelt und das macht die Sache zu einem Weltrekord, wenn auch zu einem inoffiziellen“, meint Katetschen Bernd.

Und was wird aus den vielen stinkenden Stummeln? Im besten Fall werden diese zu Parkbänken verarbeitet. Es gibt inzwischen Unternehmen, die sich genau darauf spezialisiert haben.

„Leider haben wir niemanden erreicht, deshalb sind die Kippen dort gelandet, wo sie hingehören, im Müll. Wir sind aber weiter auf der Suche nach alternativen Recycling-Möglichkeiten.“

Von Christin Schmidt