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Rathenow Hörschaden durch Sprenglärm?
Lokales Havelland Rathenow Hörschaden durch Sprenglärm?
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18:19 01.06.2018
Wie laut darf auf es auf dem Klietzer Sprengplatz werden? Diese Frage soll einem Beschluss der Rathenower Stadtverordneten zufolge geklärt werden. Das Foto entstand nicht in Klietz, sondern bei der Sprengung russischer Fundmunition auf dem ehemaligen Flugplatz Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
Rathenow

Als der Stadtverordnete Karsten Ziehm (Pro Rathenow/ FDP) in der letzten Stadtverordnetenversammlung den Antrag stellte, die Stadt möge die Bundeswehr in Klietz dazu drängen, bei der Lärmbelastung „eine dem Gesundheitsschutz entsprechende Lösung zu schaffen“, da hatte das einen konkreten Grund. Ein Mitarbeiter der Straßenmeisterei Rathenow, die von Ziehm geleitet wird, behauptet, im vergangenen September bei Instandsetzungsarbeiten zwischen Steckelsdorf und Schollene auf der L 96, die quer über den Truppenübungsplatz führt, einen Hörschaden erlitten zu haben.

Mess-Schießen auf dem Übungsplatz

Im Juli etwa findet auf dem Truppenübungsplatz Klietz ein so genanntes Lärmimmissionsschießen statt.

Eine Woche lang wird mit verschiedenen Kalibern geschossen. Mess-Ingenieure dokumentieren die Lärmimmissionen. Dabei werden auch Parameter wie Windrichtung, Luftfeuchtigkeit und territoriale Begebenheiten berücksichtigt.

Mit den aktuellen Werten werden Computerprogramme gefüttert, die in der Lage sind, zu berechnen, wie die Lärmbelastung bei bestimmten Übungen unter Berücksichtigung von territorialen und klimatischen Bedingungen ausfällt.

Mithilfe dieser Programme soll die Lärmbelastung auf dem Schießplatz und im Umfeld desselben auf das Notwendigste reduziert werden.

Der Vorfall ereignete sich Ziehm zufolge am 27. September um die Mittagszeit unweit des Sprengplatzes. In der Zeit zwischen 12.05 und 12.15 Uhr hätten sich nach Aussage des Mitarbeiters zwei Detonationen ereignet, deren Druck und Schallwelllen ihn „erschüttert“ hätten. In der Folge hätten sich starke Kopfschmerzen eingestellt und ein „Rauschen und Piepen in den Ohren“, das bis heute vorhalte. „Der Mitarbeiter ist seitdem krank geschrieben“, sagt Ziehm. Weil die ambulante ärztliche Behandlung bislang keinen Erfolg gehabt habe, sei nun eine längere Reha-Maßnahme geplant.

Ziehm sagt, nach Aussage des Mitarbeiters habe es an jenem Tag keinerlei Hinweise auf den Schießbetrieb gegeben. Auch habe nirgendwo eine Sperre gestanden oder ein Mitarbeiter der Bundeswehr, der vor der möglichen Lärmbelästigung gewarnt habe. „Genau dies muss aber doch geschehen, wenn derartiger Lärm entsteht“, so Ziehm.

Schutz der Bürger muss Vorrang haben

Im Interesse seiner Mitarbeiter, die tagtäglich in der Nähe des Übungsplatzes unterwegs sind, will ihr Chef nun geklärt wissen, ob etwas mit den

Dirk Hoffmann, Kommandant Truppenübungsplatz Klietz Quelle: Markus Kniebeler

Grenzwerten des Truppenübungsplatzes nicht stimmt. „Es kann doch nicht sein, dass der Schießlärm auf einer öffentlichen Straße gesundheitsgefährdende Ausmaße annimmt“, sagt Ziehm. Entweder dürften derartige Sprengungen nicht mehr durchgeführt werden. Oder die öffentlich zugänglichen Bereiche müssten zum Schutz der Bürger bei Sprengungen dieser Art gesperrt werden.

Dirk Hoffmann, Kommandant des Truppenübungsplatzes, nimmt den Vorfall und die Vorwürfe sehr ernst. Er hat den Vorgang zur Untersuchung an die öffentlich-rechtliche Aufsicht der Bundeswehr in Strausberg weitergeleitet. Dort habe ein Experte für „Arbeitsschutz Lärm“ die Sache auf dem Tisch.

Computermodelle berechnen Lärmbelastung

Erklären kann Hoffmann sich den Vorfall nicht. Rund um den Platz gebe es Grenzwerte, auf deren Einhaltung die Bundeswehr peinlich genau achte. Vor Sprengungen auf dem Sprengplatz – aber auch bei jeder Art von Schießübungen – würden Computermodelle erstellt, in welchen die Lärmbelastung genau errechnet werde. Bei der besagten Sprengung seien im Simulationsmodell diese Grenzwerte nicht überschritten worden, sonst wäre sie nicht erfolgt. Hoffmann erklärt, dass es bislang einen Vorfall dieser Art noch nicht gegeben habe.

Bei der anstehenden Untersuchung geht es nun darum, zu rekonstruieren, was am Mittag jenes 27. September auf dem Sprengplatz tatsächlich explodiert ist. Da jedes Schießen und jede Sprengung minutiös protokolliert wird, dürfte das kein Problem sein. Mithilfe von Computerprogrammen kann dann berechnet werden, wo wie viel Lärm angekommen ist. „Ergebnisse haben wir noch nicht“, so der Kommandant. „Wir sind gespannt.“

Von Markus Kniebeler

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