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Rathenow Hoffnung für das Schwedenhaus
Lokales Havelland Rathenow Hoffnung für das Schwedenhaus
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07:46 29.08.2019
Lange herrschte Stillstand rund um das Schwedenhaus. Doch nun scheint sich eine neue Zukunft aufzutun. Quelle: Markus Kniebeler
Böhne

Das Schwedenhaus in Böhne könnte aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden. Die IKW Sozialprojekte gGmbh, eine Tochtergesellschaft des Instituts für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW), hat das ehrwürdige Gebäude erworben und will es zu einer Wohnstätte für minderjährige Mütter/Väter umbauen.

Haus mit Geschichte

Das Böhner Gutshaus der Familie von Briest wurde im Jahr 1661 fertiggestellt.

Am 15. Juni 1675 soll der „Große Kurfürst“ im Haus übernachtet haben, um Vorbereitungen zur Befreiung Rathenows von den Schweden zu treffen. Seither wird das Haus Schwedenhaus genannt.

Ab 1746 diente das Haus als Verwalterhaus.

Zu DDR-Zeiten nutzten landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften das Gebäude. Ein Teil des Hauses war bis vor Kurzem bewohnt.

Außerdem ist für einen Teil des Hauses eine touristische Nutzung vorgesehen. Im Erdgeschoss soll ein Café mit Außenplätzen eingerichtet werden. Außerdem sind vier Gästezimmer geplant.

Viele gescheiterte Versuche

Versuche, das vor mehr als 350 Jahren errichtete Schwedenhaus wiederzubeleben, hat es in der Vergangenheit einige gegeben. Doch weit ist kein Interessent gekommen. Die erheblichen Investitionskosten, die nötig sind, um das denkmalgeschützte Haus zu sanieren, waren abschreckend genug.

Doch nun sieht die Sache anders aus. Eine Förderung des Umbaus ist in trockenen Tüchern, der Bauantrag ist eingereicht, das Brandschutzkonzept und ein archäologisches Gutachten sind fast fertig. „Wir sind fest entschlossen, noch in diesem Jahr mit den ersten Arbeiten zu beginnen“, sagt Ulf Hofmann, Projektleiter beim IKW.

Noch ist der Eingang zum Schwedenhaus verriegelt. Quelle: Markus Kniebeler

Das Institut für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW) mit Sitz im Grünauer Fenn ist ein breit aufgestellter Bildungsträger, der sich unter anderem um benachteiligte Kinder und Jugendliche kümmert.

Dazu passt das Konzept fürs Schwedenhaus: Dort sollen künftig sechs bis acht minderjährige Mütter (oder auch Väter) die Gelegenheit erhalten, ihrem Leben wieder eine Struktur zu geben.

Hilfe für minderjährige Eltern

Die Erfahrung zeige, dass die – oft ungewollte – Elternschaft junge Menschen vor enorme Probleme stelle, sagt Hofmann. Wegen der ungewohnten Belastung komme es nicht selten zum Abbruch der Ausbildung, zum Verlust der Arbeitstelle, zum Ende von Freundschaften.

„Die jungen Eltern, oft sind es allein erziehende junge Mütter, fallen aus dem sozialen Gefüge“, so Hofmann. Ziel des Wohnprojekts im Schwedenhaus sei es, die Betroffenen aufzufangen, ihnen einen Halt zu geben und den Weg zurück in ein geregeltes soziales Leben zu ebnen.

In der Praxis soll das so aussehen: Die Betroffenen beziehen ein Zimmer/eine Wohnung im Schwedenhaus und werden während ihres Aufenthaltes sozialpädagogisch betreut. „Es geht darum, die Jugendlichen zu unterstützen bei der neuen Aufgabe, Mutter/Vater zu sein.“ Dazu gehöre neben fachkundiger Beratung auch die schrittweise Rückführung in einen beruflichen Alltag. Das soll im Schwedenhaus auf ganz pragmatische Art und Weise vonstatten gehen.

Vier Gästezimmer und ein Café

Denn die zweite vorgesehene Nutzung ist touristischer Art. Vier Gästezimmer sollen eingerichtet werden, jedes mit eigenem Bad. Das Angebot richtet sich an Havelland-Besucher. Vor allem für Radtouristen, die auf dem Havel-Radweg unterwegs sind, könnte die Unterkunft interessant werden.

Aber auch für Gäste, die nicht übernachten, sondern nur eine Kleinigkeit essen und trinken wollen, soll das Schwedenhaus eine Anlaufstelle werden. Ein kleines Hofcafé mit Außenplätze ist geplant.

Ausbildung vor Ort

„Es wird feste Mitarbeiter für diese touristische Schiene geben“, sagt Hofmann. Geplant sei aber auch, die minderjährigen Mütter (und Väter) in die Arbeitsabläufe einzubinden. So könnten diese stundenweise in Küche und Pension eingesetzt werden. Auch eine Ausbildung am Ort – als Gastronom, als Grünpfleger oder im Bereich Hauswirtschaft – sei vorstellbar.

Die Pläne für den Umbau sind fertig, der Bauantrag ist gestellt. „Wir sind uns des historischen Werts dieses Gebäudes bewusst“, sagt Hofmann. Und ergänzt: „Wir wollen mit unserem Vorhaben dafür sorgen, dass dieser Wert wieder zur Geltung kommt.“

Ulf Hofmann vom IKW wird die Pläne für das Schwedenhaus heute Abend (29. August) im Böhner Ortsbeirat vorstellen. Die Sitzung ist öffentlich. Sie findet statt im Böhne, Hinter den Höfen 6, und beginnt um 19 Uhr.

Von Markus Kniebeler

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