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12:46 11.10.2019
Jana Kutschan (l.) mit Kindern und Mitarbeitern auf der Spielwiese der Kita Zwergenland in Rathenow West. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Das Thema Integration hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Ob in der Politik, in den Verwaltungen, im sozialen Bereich oder in der freien Wirtschaft, die Frage, wie Menschen aus anderen Ländern integriert werden können, beschäftigt alle.

Die Gesellschaft muss sich damit auseinandersetzen und tut dies auf sehr unterschiedliche Weise. Das gilt auch für die Schulen und Kitas in Rathenow. „Bis vor etwa drei Jahren hatten wir mit diesem Thema gar nichts zu tun. Dann hat sich in kurzer Zeit sehr viel verändert“, erinnert sich Jana Kutschan.

Sie leitet die Kita „Zwergenland“ in Rathenow West, in der sich täglich acht verschiedene Nationen begegnen. Etwa 20 Prozent der Kinder haben ausländische Wurzeln.

Pädagogen aus Kirgisistan und Syrien

Ihre Eltern kommen aus Ländern wie Syrien, Brasilien, Polen, den Niederlanden oder dem Iran. Einige wachsen sogar in interkulturellen Familien auf, das heißt Vater und Mutter kommen aus unterschiedlichen Ländern.

Auch mancher Betreuer hat Wurzeln im Ausland. Eine Pädagogin kommt aus Kirgisistan, zudem kümmert sich eine ausgebildete Grundschullehrerin aus Syrien um die Kinder und eine ausgebildete Dolmetscherin für English aus dem Iran gehört ebenfalls zum Team.

Sie lässt sich gerade zur Erzieherin ausbilden und ist eine wichtige Stütze wenn es darum geht, die Eltern zu informieren und komplizierte Behördenbriefe zu übersetzen.

Kita beteiligt sich an „Charta der Vielfalt

Das Zwergenland beteiligt sich an der Initiative Charta der Vielfalt, eine Arbeitgeberinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Die Charta ist eine Selbstverpflichtung der Unterzeichnenden, Vielfalt und Wertschätzung in der Arbeitswelt zu fördern.

Das haben Jana Kutschan und ihr Team unter anderem im Rahmen eines bunten Festes zum Thema Diversität getan, mit Blindenkabinett, Infos zu Kinderrechten, Gebärdensprache, Aktionen zum Thema Menschlichkeit und einem internationalen Buffet.

Mit dem Sonnenkind Verein startete die Kita zudem das Projekt „Wir sind Kinder dieser Welt“. Und das Zwergenland nimmt an den Bundesprogrammen „SprachKita“ und „Fachkräfteoffensive“ teil.

Konzept stößt nicht immer auf Begeisterung

„Solche Aktionen kommen bei Kindern und Eltern gleichermaßen gut an. Sie sind wichtig, um auch kritischen Eltern zu vermitteln, worum es uns geht. Denn natürlich stößt unser Konzept nicht bei allen sofort auf Begeisterung“, weiß Jana Kutschan. Dennoch hält sie daran fest und konnte schon so manchen Skeptiker überzeugen.

Die Vielfalt ist in sämtlichen Bereichern der Kita erlebbar. Von den Puppen in verschiedenen Hautfarben bis hin zum Flucht- und Rettungsplan in mehreren Sprachen.

„Die Unterschiedlichkeit unserer Erzieher und Kinder soll sich auch im Spielzeug und im Raumkonzept widerspiegeln. Wir wollen den Kindern einfach zeigen, dass es sehr viel mehr in der Welt gibt, als das, was wir um uns herum sehen und erleben“, erklärt die Kita-Leiterin.

Erhöhter Beratungs- und Informationsbedarf

Auch die verschiedenen Traditionen und Bräuche lernen die Kinder kennen, was aber nicht bedeutet, dass die eigene Kultur vernachlässigt wird.

Weihnachten wird ebenso gefeiert wie Ostern, und auch das muslimische Zuckerfest kennen die Mädchen und Jungen. „Wir zeigen ihnen einfach, was es noch so gibt und die Kinder stellen fest, dass sich vieles ähnelt“, so Kutschan.

Sie sieht Integration nicht als Bürde, sondern viel mehr als eine Herausforderung, die Chancen bietet. Bei all dem Optimismus und den positiven Aspekten, den die kulturelle Vielfalt im „Zwergenland“ mit sich bringt, verschweigt Jana Kutschan aber auch nicht, dass das Ganze mit einem erhöhten Beratungs- und Informationsbedarf einhergeht.

„Es ist noch ein weiter Weg“

„Hier müssen die Einrichtungen künftig stärker unterstützt werden“, fordert sie. Schließlich würden Kitas eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft übernehmen: Sie schaffen die Grundlagen des zwischenmenschlichen Miteinanders und vermitteln Werte wie Respekt und Toleranz.

„Ich weiß, es ist noch ein weiter Weg. Vieles ist neu und fremd und verursacht Sorgen. Wir versuchen diese zu nehmen. Mir ist es einfach wichtig, Kinder mit interkulturellem Hintergrund gut zu integrieren.

Unser Motto lautet: Akzeptanz ist Freiheit. Dabei sehen wir nicht das syrische Mädchen oder den Jungen aus Russland, wir sehen nur Kinder“, sagt Jana Kutschan und verrät damit wohl ein wichtiges Geheimnis erfolgreicher Integration.

Von Christin Schmidt

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