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Rathenow Invasion der Wollhandkrabben
Lokales Havelland Rathenow Invasion der Wollhandkrabben
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14:12 27.08.2018
Mit dem Boot von Reuse zu Reuse: Fischer Benno Schöpp bei seiner Tour auf der Unteren Havel. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Wenn der Hohennauener Fischer Benno Schöpp in den vergangenen Wochen von seiner Tour über die Untere Havel zurückkehrte, da war die Ausbeute mau. In den Reusen, die Schöpp zwischen dem Mühlenwehr und der Liebesinsel in Betrieb hat, war kaum ein Aal zu finden. Anfang August hat er den letzten nennenswerten Fang gemacht. Seitdem hat sich der allseits beliebte Speisefisch rar gemacht. „Es ist einfach zu wenig Strömung im Fluss“, vermutet Schöpp. Wegen des niedrigen Havelpegels seien die Wehre meist geschlossen. Und wenn das Wasser stehe, halte sich auch die Bewegungsfreude des Aals in Grenzen.

Eigentlich sollten sich Aale in den Reusen tummeln, die der Hohennauener Fischer Benno Schöpp in der Havel in Rathenow drei Mal wöchentlich kontrolliert. Stattdessen zieht er Chinesische Wollhandkrabben aus dem Wasser. So viele, wie nie zuvor.

Das heißt nicht, dass die Reusen leer sind. Gleich im ersten Netz, das Schöpp in der Nähe des Mühlenwehrs aus dem Wasser zieht, klappert es mächtig. Rund ein Dutzend handtellergroße Krabben kippt Schöpp in eine blaue Tonne. Es handelt sich um Chinesische Wollhandkrabben. Ein mächtiger Panzer, zwei große Scheren, acht spinnenartige Beine und mächtig Schaum vorm Maul. Auf den ersten Blick sympathisch sind einem die Tiere nicht.

25 Kilo Krabben auf einer Tour

An den nächsten Reusen dasselbe Bild. Bis auf einen kleinen Wels, der sich verirrt hat, wieder nur Krabben. Am Ende seiner Tour krabbeln rund 25 Kilo Wollhandkrabben in den Tonnen. Schöpp, der seit über 30 Jahren als Fischer tätig ist, hat das in dieser geballten Form noch nicht erlebt. „Ich habe in den vergangenen drei Wochen so viele Krabben aus dem Wasser geholt wie in den acht Jahren zuvor nicht zusammen“, sagt er.

Immerhin kann er mit dem Beifang noch ein bisschen was verdienen. Einen Teil verkauft er an Familien aus Fernost in Rathenow und Umgebung, bei denen die Krabbe auf dem Speiseplan steht. Den Rest bringt er seinem Strodehner Kollegen Wolfgang Schröder, der weitere Abnehmer für die Krebstiere hat.

Kiloweise Wollhandkrabben holt Fischer Benno Schöpp derzeit aus der Havel. Quelle: Markus Kniebeler

Eine Erklärung, warum ihm die Krabben gerade jetzt so ins Netz gehen, hat Schöpp nicht. Er vermutet, dass die Hitze der vergangenen Wochen eine Ursache sein könnte. Und liegt damit wohl nicht so falsch.

Erik Fladung, Mitarbeiter im Institut für Binnenfischerei Potsdam, hat die Tiere, die ursprünglich im Chinesischen Meer beheimatet waren, dann aber nach Europa eingeschleppt wurden und hier Fuß fassten, genauer untersucht. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Krabben jetzt losziehen, um zu ihren Laichgebieten zu gelangen“, sagt er. Havel- und elbabwärts gehe es Richtung Nordsee, wo die Weibchen im Brackwasser bei Cuxhaven binnen 24 Stunden ihre Eier ablegen.

Erhöhte Aktivität in warmem Wasser

Eigentlich passiert das jedes Jahr. Warum sich in den Reusen von Benno Schöpp in diesem Sommer so eine geballte Krabbenladung findet, dafür hat Fladung keine hundertprozentige Erklärung. „Die milden Winter der vergangenen Jahre könnten die Vermehrung befördert haben“, sagt er. Und wegen der hohen Wassertemperaturen in der Havel erhöhe sich die Aktivität dieser Wasserbewohner nachweislich.

Beim Aal sei das anders. Auch der ziehe zum Laichen in Richtung Meer. Allerdings könne es sein, dass das Startsignal wegen der hohen Temperaturen noch nicht erfolgt sei. Sobald es losgeht, wird Benno Schöpp es in seinen Reusen merken. So lange muss er mit den Krabben vorlieb nehmen.

Von Markus Kniebeler

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