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Rathenow Reichsbürger reden sich um Kopf und Kragen
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13:56 18.09.2018
Kriminalpsychologe Jan-Gerrit Keil sprach in der Alten Mühle in Rathenow vor rund 120 Gästen über das soziale Phänomen „Reichsbürger" Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Den Mitarbeitern im Finanzamt machen sie häufig Probleme. Sie weigern sich Steuern zu zahlen und versuchen mit absurden Schreiben Ämter lahmzulegen. Die Leistungen des Jobcenter nehmen so genannte „Reichsbürger“ dagegen gern in Anspruch und begründen dies schon mal mit Reparationszahlungen, die ihnen zustehen. Nicht wenige entledigen sich ihres Personalausweises, behalten aber den Reisepass.

Diese Beispiele zeigen, das Verhalten der Reichsbürger ist irrational. Diese und weitere Erkenntnisse nahmen die meisten der rund 120 Gäste mit, die am Montagabend in die Mühle am Schwedendamm gekommen waren.

Das Aktionsbündnis „Unser Rathenow: Miteinander – Füreinander“ hatte den Kriminalpsychologen Jan-Gerrit Keil eingeladen. Der setzt sich seit Jahren mit Reichsbürgern auseinander und erklärte nun den Rathenowern das soziale Phänomen aus psychologischer Sicht.

Reichsbürger haben unterschiedliche Motive

Zuvor bat Ute Arndt, Sprecherin des Aktionsbündnisses, Fragen erst im Anschluss des Vortrags zu stellen und sachlich zu diskutieren. Schnell wurde klar, dass sich daran nicht alle Gäste halten können. Mit dumpfen Zwischenrufen verschafften sich einige Gehör. Ein Mann war bereits nach 20 Minuten so aufgebracht, dass er den Saal verließ.

Und das, obwohl Keil sich sehr ruhig, sachlich und mit einer Prise Humor dem Thema widmete. Man könne nicht alle Reichsbürger in einen Topf werfen, denn sie haben unterschiedliche Motive, so Jan-Gerrit Keil.

„Einigen geht es um finanzielle Vorteile, andere haben im Leben nicht das erreicht, was sie wollten und glauben, es stecke mehr in ihnen. Deshalb haben wir neben Angela Merkel 35 weitere selbst ernannte Kanzler“, so der Kriminalpsychologe.

Kriminalpsychologe Jan-Gerrit Keil sprach in der Alten Mühle in Rathenow vor rund 120 Gästen über das soziale Phänomen „Reichsbürger". Quelle: Christin Schmidt

Narzisstische Züge, diffuse Ängste, ein Hang zum Esoterischen bis hinzu psychischen Störungen – all das sei typisch für Reichsbürger. Zu ihnen gehören Anhänger von Verschwörungstheorien ebenso wie Selbstverwalter – „Mein Grundstück, mein Staat“ – und Gebietsrevisionisten, die historische Prozesse und staatliche Grundfunktionen nicht verstehen.

Keil hatte jeweils passende Beispiele mitgebracht. Darunter ein Schreiben an die Polizeidirektion Brandenburg West, unterzeichnet von einem selbst ernannten „Reichskanzler“.

Mit Erstaunen, zum Teil auch mit Schmunzeln lauschten die meisten Gäste den Ausführungen, darunter Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments, Mitarbeiter aus Verwaltungen, Abgeordnete, Rotarier sowie zahlreiche Mitglieder von Vereinen und des Aktionsbündnisses.

Handbuch „Reichsbürger“ am Ende des Abends vergriffen

Nach gut einer Stunde Vortrag, durften sich die Gäste mit Fragen an Jan-Gerrit Keil wenden. Dabei wurde deutlich, Reichsbürger gibt es auch in Rathenow. Emotional und ohne Sachverstand argumentierten sich einige Redner um Kopf und Kragen und offenbarten jene Motive, die Keil zuvor erläutert hatte.

„Ich habe Angst“, „Ich habe alles verloren“, „Sie sind gar kein Deutscher“, „Wissen Sie eigentlich, dass die BRD eine GmbH ist?“ – Keil parierte alle Statements und Fragen gelassen und respektvoll und lieferte den übrigen Gäste eine eindrückliche Lehrstunde zum Umgang mit Reichsbürgern.

Damit war auch die Frage einer Frau aus dem Publikum, wie man mit Reichsbürgern umgehen soll, beantwortet: Die Menschen ernst nehmen, sich aber nicht auf eine Diskussion einlassen, denn das ist schlichtweg zwecklos. Den Fragestellern gab Keil noch einen Tipp mit auf den Weg: „Wissen ist das beste Mittel für Vernunft.“

Das Aktionsbündnis hatte sich für die Veranstaltung die Unterstützung der Partnerschaft für Demokratie Westhavelland und Nauen geholt und damit ein Informationsangebot geschaffen, das alle Bürger unentgeltlich nutzen konnten. Zudem hatte Keil das kostenfreie Handbuch „Reichsbürger“ des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung mitgebracht. Alle Exemplare waren am Ende des Abends vergriffen.

Von Christin Schmidt

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