Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Landkreis weist schwere Vorwürfe gegen Metatron-Kinderheim zurück
Lokales Havelland Rathenow Landkreis weist schwere Vorwürfe gegen Metatron-Kinderheim zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
10:26 10.12.2019
In Kriele gibt es eine Wohngruppe mit schwer traumatisierten Kindern. Quelle: Christin Schmidt
Anzeige
Rathenow

Landrat Roger Lewandowski hat sich im Kreistag zu den schweren Vorwürfen geäußert, die in einem TV-Beitrag des ZDF gegen ein Kinderheim des Vereins „Metatron“ in Kriele (Havelland) erhoben worden waren. Nach der Ausstrahlung vorige Woche habe es eine Vor-Ort-Prüfung der Kinder- und Jugendeinrichtung gegeben, so Lewandowski. Hinweise auf die im Beitrag erhobenen Vorwürfe lägen bislang nicht vor, sagte der Landrat.

Bereits am Montag Nachmittag hatte die Kreisverwaltung vor der Sitzung des Kreistages eine Mitteilung zu dem Thema auf den Weg geschickt. Darin heißt es: das Heim genüge den sozialpädagogischen Anforderungen, es gebe keine Hinweise auf die Anwendung dubioser schamanischer Rituale, insbesondere Seelenrückführungen. Die Einrichtung arbeite mit der Heilpraktikerin des Gesundheitshauses Metatron zusammen, aber auch sehr eng mit den Ärzten

Der Kreistag Havelland erfuhr am Montag von Landrat Lewandowski Einzelheiten zu dem Vorwürfen, die ein Fernsehsender gegen ein Jugendheim in Kriele richtet. Quelle: Joachim Wilisch

In der Mitteilung des Kreises heißt es weiter: „Im Übrigen arbeitet die Einrichtung auch mit Musik-, Kunst- und Reittherapie. Die Eltern werden nach Erfahrung des Jugendamtes gut in die Arbeit mit den Kindern einbezogen. Es gelingt der Einrichtung zudem, alle von ihr betreuten Kinder in den Schulen des Landkreises sowie in den Kindergarten zu integrieren.“

Nur sieben Kinder im Heim

Die Einrichtung, um die es geht, ist ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe und wurde im September 2015 als therapeutisches Kleinheim eröffnet. Hier leben bis zu sieben Kinder im Alter zwischen vier bis zwölf Jahren, die Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung verarbeiten müssen. Laut Beschreibung der Einrichtung im Internet soll den Mädchen und Jungen durch pädagogische Arbeit mit Hilfe von Tieren, Musik und Naturerlebnissen sowie Homöopathie und „systemischer Aufstellungsarbeit“ geholfen werden.

In einem TV-Beitrag werden gegen die Einrichtungen Regenbogenhaus und Knolle Bolle Haus des Gesundheitshauses Metatron schwere Vorwürfe erhoben. Es geht um Kindeswohlgefährdung und dubiose Erziehungsmethoden. Quelle: Christin Schmidt

Inzwischen wurde ein zweites Heim direkt neben dem Regenbogenhaus eröffnet, die „Villa Knolle Bolle“.Die beiden Geschäftsführer der eigens für diesen Zweck gegründeten gemeinnützigen Unternehmergesellschaft gehören zum Gesundheitshaus „Metatron“ in Liepe, gegen das in dem Fernsehbeitrag ebenfalls schwere Vorwürfe erhoben werden.

Ein Krebspatient, der sich in dem Haus behandeln ließ, sei gedrängt worden, auf Arztbesuche zu verzichten. Auch von psychischer und physischer Gewalt gegen Patienten ist die Rede.

Ministerium: Nehmen die Vorwürfe ernst

Inzwischen hat sich das zuständige Jugendministerium in Potsdam, das dem Kinderheim die Betriebserlaubnis erteilt hat, mit den Vorwürfen befasst. Wie Ministeriumssprecherin Antje Grabley auf Anfrage der MAZ erklärte, nehme man die Sache ernst. Zugleich wies sie daraufhin, dass die Autoren des Beitrags weder dem Träger der Einrichtung, noch dem örtlichen Jugendamt und der Einrichtungsaufsicht im Jugendministerium Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hätten.

Ilka Lenke ist Amtsdirektorin im Amt Nennhausen Quelle: Norbert Stein

In den letzten Jahren habe es mehrere örtliche Prüfungen in der Einrichtung gegeben, immer ohne Beanstandungen. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe folgte am Donnerstag eine unangekündigte örtliche Prüfung. „Es wurden keine das Kindeswohl gefährdende Situation festgestellt“, so Grabley. Zum Vorwurf schamanischer Rituale habe der Träger der Einrichtung wiederholt und zuletzt am 5. Dezember erklärt, dass Schamanismus in der täglichen pädagogischen Praxis nicht angewendet werde.

Offenes Angebot

Es bestehe für alle Kinder und Jugendlichen der Einrichtung indes einmal im Jahr die Möglichkeit, im Rahmen eines offenen Ferienangebotes an einem schamanischen Jugendcamp teilzunehmen. Die Teilnahme erfolge, so Grabley, nur mit Zustimmung der Sorgeberechtigten.

Metatron hat in den vergangenen Jahren eine Scheune zu einem Gesundheitszentrum ausgebaut. Quelle: Norbert Stein

Nennhausens Amtsdirektorin Ilka Lenke hatte inzwischen mit dem Sozialdezernenten des Landkreises, Wolfgang Gall, und der Amtsärztin Anna Müller Kontakt aufgenommen. „Mir waren diese Vorwürfe bisher nicht bekannt. Wir nehmen diese aber sehr ernst und überlegen gemeinsam, was zu tun ist. Hier geht es um Kindeswohlgefährdung und da mischen wir uns ein, auch wenn das nicht in den Zuständigkeitsbereich der Amtsverwaltung fällt“, machte Ilka Lenke deutlich.

Alle beim Arzt und gesund

Alle Kinder und Jugendlichen, die in dem Heim wohnen, werden bei der Aufnahme und später bei Bedarf beim Kinderarzt vorgestellt, erläutert die Sprecherin des Ministerium für Bildung, Jugend und Soziales, Antje Grabley.

Über Impfungen entscheiden die Sorgeberechtigten, deren Zustimmung generell bei Behandlungen mit Medikamenten oder auch homöopathischen Mitteln erfragt werde.

Alle Kinder der Einrichtung seien nachweislich geimpft und alle haben einen festen Kinderarzt. Alle Vorsorge-U-Untersuchungen wurden lückenlos wahrgenommen.

Außerdem werden bei Bedarf Physiotherapeuten, Logopäden, Zahnärzte und Kieferorthopäden aufgesucht.

Die Homöopathie werde lediglich als Ergänzung zur Schulmedizin herangezogen.

Lenke selbst hat die Einrichtung noch nie besucht. Am Donnerstag sprach sie aber mit Mitarbeitern der Kita und der Schule in Nennhausen über das Regenbogenhaus. In beiden Einrichtungen werden einige Kinder betreut, die in dem Heim leben. Die Aussagen der Mitarbeiter sind allerdings widersprüchlich, so Lenke. Der Verein Metatron feierte vergangenes Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

Umstrittene „Festhalte-Therapie“

Während eine Pädagogin meint, die Kinder würden sich im Regenbogenhaus wohlfühlen, bemerkte eine Erzieherin, dass sie nun verstehe, warum sich ein Kind in bestimmten Situationen auffällig verhalte. Besorgt hatten sich auch schon Lehrer über die Erziehungsmethoden in der Krieler Einrichtung geäußert

Bärbel Prenzel - Hermansen ist Leiterin des Gesundheitshauses Metatron in Liepe. Quelle: Norbert Stein

Dazu gehört, dass sich Erzieher auf ein Kind legen, wenn es schreit oder unsoziales Verhalten zeigt. Auch darüber sprach die Aufsicht im Ministerium für Bildung, Jugend und Soziales mit der Geschäftsführung. Laut Grabley handele es sich bei der „Festhaltetherapie“ um Ausnahmen zur Abwendung einer Gefährdung und nicht um wiederkehrende Maßnahmen. Sofern diese angewendet wird, müsse das mit den Sorgeberechtigten, den Jugendämtern und der Aufsichtsbehörde nachbereitet werden. Offen bleibt, ob dies hier geschehen ist.

Website des Vereins ging offline

Zum Vorwurf aus der TV-Sendung, die Kinder würden isoliert aufwachsen, erläutert Grabley: „Alle Kinder und Jugendlichen der Einrichtung besuchen regelmäßig die Schule oder eine Kita. Einige sind in der Freiwilligen Feuerwehr und im Fußballverein.“ Die Sorgeberechtigten (Eltern/Vormünder) besuchen die Kinder regelmäßig.

Gesprächsangebot nie wahrgenommen

Gegenüber den Journalisten und Autoren des Fernsehbeitrages erhebt das Ministerium schwere Vorwürfe.

Die Recherche sei unseriös, die Journalisten hätten unter einem Vorwand Zugang zur Einrichtung gesucht und mit versteckter Kamera unerlaubt Filmaufnahmen gemacht.

Darum habe das Ministerium den anfragenden Journalisten zunächst ein Hintergrundgespräch zu den Aufgaben der Aufsichtsbehörde angeboten. Das sei aber nie wahrgenommen worden.

Die Internetseite der Einrichtung war am Freitag nicht verfügbar. Auch telefonisch war niemand im Regenbogenhaus oder im Gesundheitshaus zu erreichen. Auf eine schriftliche Anfrage der MAZ per E-Mail gab es keine Antwort.

Die Kreisverwaltung will die Vorwürfe allerdings zum Anlass für eine erneute Prüfung des „Regenbogenhauses“ nehmen.

Hier geht es zu dem in Rede stehenden Beitrag des ZDF:https://www.zdf.de/politik/frontal-21/gesundheitshaus-metatron-100.html

Von Christin Schmidt und Joachim Wilisch

Ein Ehepaar, das in der Eigendorffstraße lebt, klagt über die Verkehrsbelastung vor seiner Haustür. Eine schnelle Lösung des Problems wird es nach Lage der Dinge aber nicht geben.

09.12.2019

Mit Pfefferspray mussten Polizeibeamte Jugendliche aus einer größeren Gruppe ruhig stellen. Die jungen Leute hatten auf der Schleusenbrücke so laut gefeiert, dass es Anzeigen wegen Ruhestörung gab.

09.12.2019

Fast ein Jahr lang war die Stelle des Bürgeramtsleiters im Rathenower Rathaus nicht besetzt. Aber jetzt hat die Vakanz ein Ende. Reinbern Erben aus Burg ist seit dem 1. Dezember im Amt. Und fühlt sich schon richtig wohl.

09.12.2019