Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Frauenwoche: Nichts los im Westhavelland
Lokales Havelland Rathenow Frauenwoche: Nichts los im Westhavelland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:47 07.02.2019
Bianca Lange, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, mit Jana Reinhard und Astrid Stzalla vom Unabhängigen Frauenverein Rathenow.
Bianca Lange, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, mit Jana Reinhard und Astrid Stzalla vom Unabhängigen Frauenverein Rathenow. Quelle: Christin Schmidt
Anzeige
Rathenow

Berlin widmet seinen Frauen einen eigenen Feiertag am 8. März. In Brandenburg gibt es immerhin eine Frauenwoche, die unter dem Motto „Hälfte/Hälfte – Ganz einfach“ ein vielfältiges Programm bietet. Vielerorts finden Workshops, Vorträge, Ausstellungen und Filmabende statt, so auch in Brandenburg/Havel und Falkensee.

„Nur bei uns im Westhavelland ist nichts los“, ärgert sich Cornelia Mensch, eine umtriebige Ehrenamtlerin, die unter anderem Mitglied im Bündnis für Familie ist, sich im Humanistischen Freidenkerbund Havelland und in einer Frauensportgruppe engagiert.

Cornelia Mensch engagiert sich ehrenamtlich und organisiert auch eine Lesung zur Frauenwoche. Quelle: Christin Schmidt

Enttäuschung beim Blick ins Internet

Vor einem Jahr hatte sie die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Havelland, Bianca Lange, darauf aufmerksam gemacht, dass zur Frauenwoche immer weniger geboten wird.

„Ich hatte gehofft, dass sich dadurch etwas ändert. Aber als ich nun die Internetseite des Landkreises zur Frauenwoche aufrief und einen Artikel zum Frauenpreis 2017 sah, wusste ich, es war vergebens“, so Mensch enttäuscht. Sie kann nicht verstehen, dass in einem Teil des Landkreises so viel passiert und im anderen fast gar nichts.

Vereine und Privatperson im Osthavelland zeigen Eigeninitiative

Eine Erklärung hat Bianca Lange: „Im östlichen Havelland stellen Vereine und Privatpersonen eigenständig Veranstaltungen auf die Beine, um die Frauenwoche mit Leben zu füllen. Diese unterstütze ich finanziell aus dem Budget der Gleichstellungsbeauftragten.“

Dazu gehört unter anderem eine privat organisierte Lesung in Groß Behnitz. Auch die Bibliothek Schönwalde-Glien beteiligt sich mit einer Lesung. In Falkensee gibt es ein vielfältiges Programm mit Politiktalk, dem 57. Falkenseer Frauenstammtisch, einem Kabarettprogramme und vielem mehr.

Maues Programm zur Frauenwoche

Offizielle Veranstaltungen zur Frauenwoche gibt es in Rathenow aktuell nur eine am 1. März.

Alternativ gibt es am 8. März im Kulturzentrum das Trio „Meine Herr’n!“ zu sehen.

In Premnitz findet am 30. März ein Frauenfrühstück im Gasthaus „Retorte“ statt.

Wer Veranstaltungen organisieren möchte, kann bis 25. Februar beim Landkreis Fördermittel beantragen.

Landkreis stellt Fördermittel zur Verfügung

Ganz anders in Rathenow. Hier ist bisher lediglich eine Konferenz für geflüchtete Frauen am 1. März geplant. „Darüber hinaus sind aus dem westlichen Havelland in diesem Jahr keine Anträge auf Fördermittel für Frauenwoche-Veranstaltungen eingegangen. Es stünden allerdings noch Mittel zur Verfügung, um beispielsweise Honorare oder Raummieten zu übernehmen“, erinnert Bianca Lange.

Diese Möglichkeit wird vermutlich der Humanistische Freidenkerbund Havelland in Anspruch nehmen, denn Cornelia Mensch hat die Autorin Britta Orlowski zu einer Lesung eingeladen. „Ich setzte mich dafür ein, weil sonst gar nichts passiert“, sagt die Ehrenamtlerin.

Sie würde sich wünschen, dass auch andere Vereine sich beteiligen, aber auf ihre Nachfragen gab es nur Absagen. Die einen fühlen sich dem Thema nicht verbunden, andere klagen über personelle Probleme.

Rathenow bekommt eine neue Gleichstellungsbeauftragte

Hinzu kommt, dass es in diesem Jahr auch keine landkreisweite Veranstaltung der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises geben wird, weil Bianca Lange, die mit einer halben Stelle auch Mitarbeiterin der Pressestelle ist, derzeit die Pressereferentin vertritt.

In der Kreisstadt fehlt ebenfalls personelle Unterstützung. 2017 ging Petra Herbrich, die sich unter anderem um die Gleichstellung kümmerte, in den Ruhestand. Seither ist bei Veranstaltungen zur Frauenwoche in Rathenow ein deutlicher Knick zu verzeichnen, so Bianca Lange.

Hoffnung für 2020

Das hat auch Cornelia Mensch beobachtet: „Wir brauchen dringend jemanden, der sich gezielt um diese Aufgabe kümmert und das nicht nur nebenbei macht, also keine Alibi-Funktion – das gilt für den Landkreis und die Stadt“.

Wenngleich dieser Wunsch wohl kaum in Erfüllung gehen wird, Besserung ist in Sicht. Wie Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) auf Nachfrage verkündete, wird die Stadt schon in Kürze eine neue Gleichstellungsbeauftragte benennen. Das rettet zwar die diesjährige Frauenwoche nicht mehr, aber es macht zumindest Hoffnung darauf, dass es 2020 besser wird.

Von Christin Schmidt