Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Niederländischer Autor liest in der Villa
Lokales Havelland Rathenow Niederländischer Autor liest in der Villa
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:42 27.08.2019
Jan Konst liest am Donnerstag in Premnitz. Quelle: Ekko von Schwichow
Premnitz

Der niederländische Literaturwissenschaftler Jan Konst hat sich mit der Familie seiner aus Sachsen stammenden Frau beschäftigt. Daraus ist ein packendes Buch entstanden: „Der Wintergarten – eine deutsche Familie im langen 20. Jahrhundert.“ Am Donnerstag (29. August) um 19.30 Uhr wird Konst das Buch in der Villa am See in Premnitz vorstellen.

MAZ: Wie sind Sie darauf gekommen, sich mit der Familiengeschichte Ihrer Frau zu beschäftigen?

Jan Konst: Der entscheidende Anstoß kam von meiner Schwiegermutter. Die hat mir vor Jahren ihr Familienarchiv gezeigt. Da war ich angefixt.

Was war so interessant?

Zu allererst die Fülle des Materials. In vier Schränken lagerten Dokumente, anhand derer der Werdegang der Familie Grunewald mit ihren Verzweigungen über mehr als 100 Jahre nachgezeichnet werden kann.

Was genau haben Sie in den Schränken gefunden?

Alles. Fotoalben, Urkunden, Rechnungen, Geschäftsbücher, Einladungen, Postkarten.

Und warum sollte sich jemand, der die Familie nicht kennt, für deren Lebensweg interessieren?

Weil dieser Weg etwas Exemplarisches hat. Mich hat interessiert, wie die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert – diese Geschichte voller Brüche, unerwarteter Wendungen und Grausamkeiten – eine Durchschnittsfamilie geprägt hat.

Und was haben Sie herausgefunden?

Dass es in erster Linie darum ging, über die Runden zu kommen. Die Vorfahren meiner Frau waren keine politischen Menschen. In den Diktaturen, in denen sie lebten, haben sie sich weder als Täter, noch als Widerstandskämpfer hervorgetan. Zwischen diesen Extremen gibt es eine riesige Grauzone, zu der auch die Mitglieder der Familie meiner Frau gehört haben. Menschen, die auf Distanz zur Politik geblieben sind und versucht haben, ihr Leben anständig zu gestalten.

Das ist sehr positiv ausgedrückt. Könnte man nicht auch sagen, dass diese große Mehrheit der Mitläufer ein Regime wie das nationalsozialistische erst möglich gemacht hat?

Da haben sie möglicherweise Recht. Aber wir urteilen aus der Distanz von mehreren Jahrzehnten. So einfach war es damals sicher nicht, zu beurteilen was richtig und falsch ist. Vor allem dann nicht, wenn man mit Politik nicht viel am Hut hatte.

Aber haben es sich die Menschen mit dieser Kopf-in-den-Sand-Haltung nicht zu einfach gemacht?

Ja vielleicht. Aber seien wir ehrlich: Machen wir es uns heute nicht auch oft einfach. Ein Beispiel: Fast täglich ertrinken im Mittelmeer unschuldige Menschen. Jeder weiß, dass das nicht richtig ist. Aber die wenigsten, ich schließe mich da ein, unternehmen etwas dagegen. Und das, obwohl wir heute in einer Demokratie leben und ohne jede Gefahr auf Missstände hinweisen und für deren Abschaffung eintreten könnten.

Und Sie meinen, dass entschuldigt das Mitläufertum früherer Zeiten?

Wenn ich es unter den heutigen Umständen nicht schaffe, mich gegen Unrecht zu engagieren, wie kann ich dann Menschen verurteilen, die sich in ungleich schwierigeren gesellschaftlichen Verhältnissen unpolitisch verhalten haben. Man kann niemandem vorwerfen, kein Widerstandskämpfer gewesen zu sein. Was man allerdings verurteilen muss, sind diejenigen, die aktiv und vorsätzlich Unrecht getan haben.

Die Lesung mit Jan Konst in der Villa am See wird veranstaltet vom Brandenburgischen Literaturbüro. Sie beginnt am Donnerstag (29. August) um 19.30 Uhr. Karten zum Preis von 10 Euro können telefonisch unter 03386/2139680 bestellt werden

Von Markus Kniebeler

Bis Ende des Jahres soll es möglich sein, den Rathenower Stadtkanal zwischen Schleusenbrücke und Jederitzer Brücke komplett zu umrunden. Der Bau des letzten Teilstücks hat begonnen. Bis Ende des Jahres soll alles fertig sein.

27.08.2019

Die Rathenower können tanzen. Beim „One-Billion-Rising“ haben sie das schon unter Beweis gestellt. Nun werden sie wieder herausgefordert. Mindestens 100 Haka-Tänzer sollen sich am kommenden Sonnabend im Mühleninnenhof am Schwedendamm einfinden.

27.08.2019

Nach der Schließung im Oktober feiert das Restaurant im Kulturzentrum nun Neueröffnung. Inhaber sind Ivonne Mertens aus Rathenow und Martin Blume aus Rhinow. Sie haben zuvor auf Schloss Ribbeck gearbeitet.

27.08.2019