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Rathenow Omas gegen Rechts: Die Politik muss handeln
Lokales Havelland Rathenow Omas gegen Rechts: Die Politik muss handeln
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16:43 15.07.2019
Die beiden Potsdamerinnen Almut Heilmann (l.) und Hildegard Rugenstein starteten ihre Omas gegen Rechts Tour in Rathenow
Die beiden Potsdamerinnen Almut Heilmann (l.) und Hildegard Rugenstein starteten ihre Omas gegen Rechts Tour in Rathenow Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Mit Teppichklopfern statt mit Segeljolle kamen Almut Heilmann und Hildegard Rugenstein am Sonntagabend zum Alten Hafen. Ein Sturm hatte den Plan der beiden Omas gegen Rechts aus Potsdam durchkreuzt und für eine kleine Havarie auf dem Wasser gesorgt.

Statt ihre Tour auf der Havel unter dem Motto „Stromaufwärts für eine respektvolle Demokratie“ abzusagen, ließen sie sich spontan mit dem Auto von Brandenburg/Havel in die havelländische Kreisstadt fahren, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Ihre Mission ist eben zu wichtig, um sie ins Wasser fallen zu lassen. Das wurde in Rathenow deutlich, wo immerhin etwa 40 Bürger die Aktivistinnen erwarteten.

Almut Heilmann und Hildegard Rugenstein sind Teil der Bewegung Omas gegen Rechts. Am Sonntag starteten sie unter dem Motto „Stromaufwärts für eine respektvolle Demokratie“ von Rathenow nach Potsdam.

„Das ist ein unglaublicher Auftakt, damit haben wir wirklich nicht gerechnet“, räumte Hildegard Rugenstein. Um sie herum standen vor allem interessierte Omas darunter Mitglieder des Seniorenrats und engagierte Ehrenamtler. Auch Imme de Haen und Christl Schneewind, die die Bewegung Pulse of Europe unterstützen, wollten hören, was die Omas aus Potsdam zu sagen haben.

„Wir sind Trittbrettfahrerinnen, die sich begeistert der Bewegung aus Österreich angeschlossen haben. Außerdem sind wir parteilos, aber durchaus gesellschaftlich aktiv. Mir gefällt der biografische Ansatz der Omas gegen Rechts. Es geht nicht um Parteipolitik, sondern um die Sache“, betonte Hildegard Rugenstein.

Die 60-Jährige ist Mitglied im Toleranzverein in Potsdam und hat sich intensiv mit der Bewegung und der Idee dahinter befasst. Sie kennt die kritischen Fragen dazu und bot den Rathenowern Antworten darauf an.

Rechts ist nicht das Gegenteil von Links

„Das Gegenteil von Rechts ist nicht Links, sondern Normal“, machte Rugenstein deutlich. Für sie ist Rechts alles, was menschenverachtend ist, was nicht humanistisch ist und gefährlich wird. Dazu gehören ihrer Meinung nach Neonazis ebenso wie alle anderen, die unverantwortlich mit der „schwierigen deutschen Geschichte umgehen“.

„Wir Omas tragen Verantwortung, dass man hierzulande nicht aufhört, an die Geschichte zu erinnern“, so die 60-Jährige. Dazu gehöre auch die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte. Genau diese komme zu kurz, mahnten einige Bürger.

Sie nutzten das Angebot der Omas gegen Rechts Botschaften zu formulieren, die Almut Heilmann und Hildegard Rugenstein am Ende ihrer Tour im Landtag übergeben wollen.

Die weiteren Stationen der Tour

Die Tour der Omas gegen Rechts führt von Rathenow nach Potsdam.

Nach einem Stopp am Salzhofhufer in Brandenburg/Havel am Montag sind die Omas am Dienstag, dem 16. Juli von 12.00 bis 13.30 Uhr an der Fähre in Ketzin und von 18.30 bis 20.00 Uhr auf der Fischerinsel in Werder – Uferpromenade/Ecke Fischerstraße.

Am Mittwoch, dem 17. Juli können Bürger mit den Omas von 12.00 bis 13.30 Uhr in Baumgartenbrück in Schwielowsee-Geltow ins Gespräch kommen und von 17.30 bis 19.00 Uhr in Caputh in der Lindenstraße 60.

Am 18. Juli kommen die Omas in Potsdam an und laden von 16 bis 18 Uhr zur Abschlusskundgebung am Alten Markt ein.

Mehr Infos zu der Bewegung Omas gegen Rechts gibt es im Internet auf der Plattform für zivilgesellschaftlichen Protest: www.omasgegenrechts.at

Dort ist auch die Tour auf der Havel angekündigt.

Die Mitglieder des Seniorenrats notierten den Wunsch, die Landesregierung möge mehr Geld für die Schulen bereitstellen, um so kontinuierlich für Aufklärung sorgen zu können.

Mehr Investitionen in Bildung und mehr Geschichtswerkstätten für Kinder und Jugendliche – und ihre Eltern – lauteten weitere Forderungen. Dazu gab es die Botschaften: „Ausgrenzung verhindern und „alle rechtsextremen Vereine verbieten, speziell auch die NPD“.

Rathenows Hauptamtsleiter, Jörg Zietemann, der sich die Kundgebung nicht entgehen ließ, lobte die Bewegung, deren Ziele auch ihm als Vater am Herzen liegen. „Ich möchte, dass meine Kinder in Frieden leben“, betonte er und sprach sich gegen den Aufrüstungswahn aus.

Die Politik muss aktiv werden

Zietemann nutzte die Gelegenheit um die Bürger einzuladen, den Aufruf für Gewaltlosigkeit zu unterschreiben. Nach mehreren Gewalttaten innerhalb einer Woche hatten die Kirchengemeinde, Stadtverordnete, Bürgermeister Ronald Seeger, die Islamische Gemeinde, das Kinder- und Jugendparlament und der Seniorenrat das Papier unterschrieben, dass zu einem friedvollen Miteinander aufruft.

Am Sonntagabend kamen weitere Unterschriften dazu. Christl Schneewind, die mit Europafahne am Alten Hafen stand, kündigte zudem an, die Idee der Omas gegen Rechts in Rathenow unterstützen zu wollen. „Helft mit, dass wir ein gemeinsames Europa haben, denn das bedeutet Frieden“, so Schneewind.

Am Ende bemerkte eine Besucherin kritisch: „Das alles bringt nichts, solange die Politik nicht endlich aktiv wird.“

Von Christin Schmidt