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Rathenow Kampf gegen Rechts: Jetzt mischen sich die Omas ein
Lokales Havelland Rathenow Kampf gegen Rechts: Jetzt mischen sich die Omas ein
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07:12 12.07.2019
Die Omas gegen Rechts sind auch auf Demos dabei. Quelle: imago
Rathenow

 Im Sommer fünf Tage lang mit dem Boot auf der Havel segeln, das klingt nach einem netten Erholungsurlaub. Wenn die Tour aber nicht dazu dient, die Seele baumeln zu lassen und die Natur zu genießen, sondern dazu friedlich Protest ausüben und sich gegen den Rechtsruck in Europa einzusetzen, ist das alles andere als Entspannung.

Dennoch wollen Almut Heilmann und Hildegard Rugenstein genau das tun. Die beiden Frauen sind Teil der Bewegung Omas gegen Rechts und starten am Sonntag, dem 14. Juli unter dem Motto „Stromaufwärts für eine respektvolle Demokratie“ von Rathenow aus in Richtung Potsdam.

„Wir wollen in unserem Urlaub politisch nicht abschalten, schließlich sind es politisch aufregende Zeiten in denen wir leben. Und weil wir das Havelland und das Segeln lieben, haben wir uns zu dieser Aktion entschlossen“, sagt Hildegard Rugenstein.

Angst nehmen und Verunsicherung abbauen

Sie ist 60 Jahre alt und hat vier Enkel. Ihre Begleiterin Almut Heilmann ist mit 58 Jahren bereits neunfache Oma. In ihrer Jugend haben die beiden Schwestern die Havel häufig mit der Jolle erkundet. Nun wollen sie mit den Menschen die hier leben in Kontakt treten.

„Wir sind zwar parteilos, müssen aber parteipolitische Themen mitdenken“, meint Rugenstein. Sie fühlt sich verpflichtet, an die Geschichte dieses Landes zu erinnern. Als Oma gegen Rechts will sie mit den Menschen reden, Angst nehmen, Verunsicherung abbauen und Nicht-Wähler erreichen.

„Unser Ziel ist es, die vergiftetet Atmosphäre aus unserer Oma-Perspektive aufzumischen. Unser Engagement ist auch ein Verzweiflungsruf meiner Generation. Wir haben Lebenserfahrung und können und müssen jetzt Prioritäten setzen“, macht Hildegard Rugenstein deutlich.

Nicht nur für biologische Omas

Sie hatte die Omas gegen Rechts im März in Potsdam ins Leben gerufen. Entstanden ist die Bewegung im November 2017 in Österreich. „Ich war beeindruckt von der Idee. Als ich hörte, dass diese sich in Deutschland schon längst in großen Städten ausgebreitet hatte, habe ich zu meiner Freundin Katrin gesagt: Los, das machen wir jetzt auch.“

Die Potsdamerinnen verstehen sich als Bewegung, nicht als feste Organisation. Einmal im Monat treffen sie sich, reden und planen kleine Aktionen. Zwischen acht und 18 Mitstreiter kommen zu den Treffen, die nicht nur für Omas offen sind.

„Man muss keine biologische Oma sein, sondern einfach die Idee unterstützen und bereit sein, sich gegen den Rechtsruck in Europa einzusetzen“, stellt Hildegard Rugenstein klar. Sie hofft, dass sich noch mehr Menschen der Sache anschließen.

Auch Rathenow hat eine Oma gegen Rechts

„Jede Frau, die auf einem noch so kleinen Dorf sagt, ich bin auch eine Oma gegen Rechts, hat eine Ortsgruppe gegründet und ist teil der Bewegung. Jeder, der dabei sein möchte, ist dabei“, betont die Potsdamerin und ermutigt die Havelländerinnen es ihr gleich zu tun.

Eine Mitstreiterin hat sie bereits in Rathenow. Gesa Eckhardt bezeichnet sich auch als Oma gegen Rechts und plant die Aktion am Sonntag am Alten Hafen zu unterstützen.

„Ich möchte eine friedliche Zukunft für meiner Enkelkinder, für alle Menschen. Dass rechtes Gedankengut und Gewaltaufrufe wieder gesellschaftsfähig geworden sind, finde ich gruselig. Hass, Hetze, Fremdenfeindlichkeit, Gewalt – das alles gehört nicht in unsere Gesellschaft. Deshalb unterstütze ich als Oma den friedlichen Protest“, erklärt die 57-jährige.

Gesa Eckhardt ist eine Oma gegen Rechts und sie engagiert sich in vielen Projekten ehrenamtlich. Hier packt sie im Stadtgarten an. Quelle: Christin Schmidt

Sie hofft, dass am Sonntag möglichst viele Menschen kommen, sich mit ihren Meinungen einbringen und mit den Omas ins Gespräch kommen. „Umso mehr kommen, umso mehr Botschaften können wir mitnehmen und diese am Ende im Landtag übergeben“, verkündet Hildegard Rugenstein.

Aus der Zeitung weiß sie, was im Havelland los ist und wie die Stimmung hier ist: „Uns ist sehr wohl bewusst, dass die Wahlergebnisse hinter Werder ganz anders sind als in Potsdam.“

Die Tour der Omas gegen Rechts beginnt am Sonntag in Rathenow. von 17.30 bis 19 Uhr laden die Akteurinnen zum Gespräch ein. Am Montag, 15. Juli ist von 17.30 bis 19 Uhr ein Stopp in Brandenburg/Havel am Salzhofhufer geplant.

Mit Stopps in Ketzin, Werder und Caputh

Am 16. Juli sind die Omas von 12.00 bis 13.30 Uhr an der Fähre in Ketzin und von 18.30 bis 20.00 Uhr auf der Fischerinsel in Werder – Uferpromenade/Ecke Fischerstraße. Am Mittwoch, 17. Juli können Bürger mit den Omas von 12.00 bis 13.30 Uhr in Baumgartenbrück in Schwielowsee-Geltow ins Gespräch kommen und von 17.30 bis 19.00 Uhr in Caputh in der Lindenstraße 60.

Am 18. Juli kommen die Omas in Potsdam an und laden von 16 bis 18 Uhr zur Abschlusskundgebung am Alten Markt ein.

Mehr Infos zu der Bewegung Omas gegen Rechts gibt es im Internet auf der Plattform für zivilgesellschaftlichen Protest: www.omasgegenrechts.at Dort ist auch die Tour auf der Havel angekündigt.

Von Christin Schmidt

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