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Rathenow Alte Brauerei zieht Künstler aus aller Welt an
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19:24 27.12.2019
Der Berliner Künstler Bernhard Vierling bei einem Besichtigungstermin in der Brauerei. Im Januar wird er sein Kunstprojekt starten. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Vor knapp fünf Monaten verkündeten die neuen Eigentümer der Brauerei im Bauausschuss ihre Pläne zur Entwicklung des Areals. Das Konzept, die historischen Gebäudeteile behutsam zu sanieren und durch Neubauten zu ergänzen, stieß auf einhellige Zustimmung.

Seitdem läuft der baurechtliche Genehmigungsprozess – und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis die ersten Bagger auf dem Areal anrollen.

Experimentierfeld für Künstler

Was nicht heißt, dass auf dem Gelände nichts passiert. Sebastian Wagner, Geschäftsführer der Braulab GmbH, hat sich seit dem ersten Schritt an die Öffentlichkeit darum bemüht, den Kontakt in die Rathenower Bevölkerung nicht abreißen zu lassen. Bevor der eigentliche (Um)Bau beginnt, will er das denkmalgeschützte Ensemble zu einem Ort des künstlerischen Austauschs machen.

Bislang kann Wagner sich über mangelndes Interesse nicht beklagen. Ständig finden sich junge Kreative aus allen Teilen der Welt ein, um sich von dem Charme der maroden Industriegeländes inspirieren zu lassen. Ein Bildhauer aus Kalifornien, eine Tänzerin aus Ungarn, eine Grafikerin aus Paris – sie alle haben das besondere Flair, das die seit Jahren leer stehenden Brauereigebäude ausstrahlen, umgewandelt in künstlerische Energie.

Maria Camila Castro aus Kolumbien hat sich in der Brauerei zu Foto- und Videoarbeiten inspirieren lassen. Quelle: Markus Kniebeler

Maria Camila Castro, Künstlerin aus Kolumbien, die zuletzt mehrere Wochen in Rathenow verbrachte, um Fotos und Videos von dem historischen Ensemble zu machen, sagt, sie sei fasziniert von der Idee, neues Leben in die alten Gemäuer zu bringen. „Diese Gebäude haben eine über hundertjährige Geschichte“, sagt sie. Diese Aura könne man spüren. Ihr gefalle der Plan, an diesem vergangenheitsgesättigten Ort etwas Neues entstehen zu lassen.

Die junge Künstlerin hat Fotos und Videos gemacht – nicht nur von den historischen Gebäuden, sondern auch von dem Transformationsprozess, der mit der ersten Kunstperformance im Sommer begonnen hat und in vollem Gange ist.

Destillationsanlage im alten Labor

Der nächste Schritt in dieser Entwicklung ist bereits in Vorbereitung. Der Berliner Künstler Bernhard Vierling wird mit einer besonderen Mission in der Stadt auftauchen – er will den Rathenow-Code entschlüsseln.

Bernhard Vierling an seiner Destillationsanlage. Quelle: privat

Wie im Rühmann-Klassiker „Die Feuerzangenbowle“ baut er dazu eine Destillationsanlage auf. Bürger der Stadt sind aufgerufen, den Apparat mit persönlichen Proben aus ihrem alltäglichen Leben zu füttern. Und aus diesen wird Vierling eine einzigartige Essenz destillieren – den Rathenow Code.

Der Bemerkung, das sei doch alles ein großer Unsinn, widerspricht der Künstler nicht. Immerhin werde er die Anlage im ehemaligen Labor der Brauerei aufbauen – dort, wo früher mit allen möglichen Essenzen gearbeitet worden sei. Diese Tradition wolle er mit seinem Projekt aufgreifen.

Provokation mit Hintergedanken

Wenn man mit Vierling redet, merkt man schnell, dass es ihm aber um mehr geht als einen schnellen Jux. Im Gespräch fallen Begriffe wie Erstaunen und Provokation.

„Es geht mir darum, die Menschen zu überraschen“, sagt er. Wer mit seiner Destillationsprojekt konfrontiert werde, schüttele womöglich den Kopf, weil er den Sinn derselben nicht verstehe. Aber dieses Kopfschütteln sei der erste Schritt, mit dem Projekt zu kommunizieren. „Ich will die Leute einbeziehen in den künstlerischen Prozess“, sagt Vierling. Es gehe ihm darum, Menschen zu animieren, festgelegte Positionen zu verlassen. Sich auszutauschen. Und wenn das alles mit einem Augenzwinkern geschehe – um so besser.

Im Januar will Vierling mit seiner Kunstaktion in Rathenow beginnen. Wie diese genau ablaufen soll, wird erst dann verraten. Aber eines ist klar: Gewöhnliches ist nicht zu erwarten. Aber das würde zu der Brauerei-Idee, die Sebastian Wagner und sein Team verfolgen, auch nicht passen.

Von Markus Kniebeler

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