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Rathenow Drogenprävention mit Popcorn und Kiffer-Doku
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19:31 27.11.2019
Anja Menz (l.) und Kathrin Wittek bereiten eine der Stationen im Kino vor. Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Schüler am Morgen statt in die Schule zu schicken ins Kino einzuladen, um mit ihnen einen Film übers Kiffen zu schauen, das klingt nach einem merkwürdigen Bildungsansatz.

Tatsächlich ist das aber ein ernst gemeintes Projekt, an dem am Mittwoch rund einhundert Schüler der achten und neunten Klassen der Rathenower Bürgelschule und der Duncker Oberschule teilnahmen.

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Organisiert hatten das Ganze die Streetworkerin Kathrin Wittek und ihre Praktikantin Anja Menz gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin des Jahngymnasiums, Maria Klausing, und Katrin Sagrauske-Kaiser von der Jugendsuchtberatung der Caritas.

Das Einstiegsalter sinkt

„Wir müssen über dieses Thema sprechen, weil der Drogenkonsum in Rathenow unter jungen Menschen stetig zunimmt und das Einstiegsalter immer weiter sinkt“, erklärte Kathrin Wittek während sich die Jugendlichen an sechs verschiedenen Stationen intensiv mit unterschiedlichen Sucht- und Drogenthemen auseinandersetzten.

Seit elf Jahren ist die 35-Jährige als Ansprechpartnerin für die Jugend auf Rathenows Straßen unterwegs. Sie kennt die Probleme junger Menschen und den Ernst der Lage.

Schon so manchen Teenager hat sie zur Suchtberatung oder in die Entzugsklinik begleitet. Damit es erst gar nicht so weit kommt, setzen sie und ihre Mitstreiterinnen auf Präventionsarbeit.

Gruppenarbeit zum Thema Drogen

Dabei gehen sie das Problem offensiv an. Sie informieren die Mädchen und Jungen, klären sie auf und lassen genug Platz für Fragen. Am Mittwoch stand nun der Film „Die grüne Brille“, eine Dokumentation übers Kiffen im Mittelpunkt.

Darin werden die Gründe, Umstände, Wirkungen und Folgen des Konsums von Cannabis aus Sicht jugendlicher Nutzer beleuchtet. Die Protagonisten sind junge Kiffer, die sich dem Thema nicht von Außen nähern, sondern authentisch ihr eigenes Leben dokumentieren.

Bevor die Schüler mit Popcorn im Kinosessel Platz nehmen durften, mussten sie aber zunächst selbst aktiv werden. Aufgeteilt in sechs Gruppen beschäftigten sie sich mit einzelnen Themenkomplexen, die sie später ihren Mitschülern im Unterricht vorstellen und vertiefen werden. Entsprechendes Material dafür stellen die Organisatorinnen den Schulen zur Verfügung.

Streetworker und Schulsozialarbeiter haben die Rathenower Schulen ins Kino eingeladen, um über Drogen zu sprechen. Quelle: Christin Schmidt

Dabei ging es unter anderem um folgende Fragen: Wie wirkt THC? Was genau passiert im Kopf, wenn man THC konsumiert? Welche Drogen anderen Drogen gibt es und wie wirken diese? Und woran erkennet man, ob man bereits süchtig ist?

Felix Stöhr, ging mit seiner Gruppe der Frage nach: Was ist eine Sucht und was ist Genuss? Der 20-Jährige absolviert gerade über die Stadt Rathenow ein Duales Studium in Sozialer Arbeit und unterstützt an den unterrichtsfreien Tagen Maria Clausing am Jahngymnasium.

Drogenprävention in Rathenow

Das Thema Drogenprävention spielt in Rathenow immer häufiger eine Rolle und stößt bei vielen Eltern auf großes Interesse.

Im Juni hatte Notfallsanitäter Rayk Sommer in Zusammenarbeit mit Rathenows Jugendkoordinator Tilo Windt im Blauen Saal des Kulturzentrums den ersten öffentlichen Vortrag zum Thema Drogenkonsum gehalten.

Die Veranstaltung stieß auf so großes Interesse, dass einige Gäste sogar Stehplätze in Kauf nahmen. Rund 250 Menschen lauschten Sommer Vortrag.

Viele äußerten im Anschluss den Wunsch, nach weiteren Veranstaltungen dieser Art. Die soll es geben. Eine Arbeitsgruppe ist gerade mit den Planungen dafür beschäftigt.

Stöhr sprach mit den Schülern nicht nur über sogenannte stoffgebundene Süchte nach Alkohol, Cannabis und chemischen Substanzen. Er machte sie auch darauf aufmerksam, dass Sport, Einkaufen, Schönheit und Spiele zur Sucht werden können.

Nicht alle Schulen zeigten Interesse

Bei den Jugendlichen spielen vor allem Alkohol und Cannabis eine Rolle, so Stöhr. „Man muss nur übers Stadtfest gehen, dort sieht man leider schon Schüler der siebenten und achten Klasse die Alkohol und andere Drogen konsumieren“, berichtet der Student.

Er ist sich sicher, Drogen sind an allen Schulen ein Thema. Dass das Jahngymnasium die Einladung zur Präventionsveranstaltung dennoch nicht annahm, bedauert Kathrin Wittek sehr: „Wir haben alle Schulen eingeladen und sogar noch einmal nachgefragt. Es blieb aber bei zwei weiterführenden Schulen, die das Angebot angenommen haben.“

Mit dabei war auch Jari, der die achte Klasse in der Bürgelschule besucht. Er interessiert sich zwar nicht sonderlich für das Thema Drogen, ist aber dennoch der Meinung, dass eine solche Veranstaltung durchaus sinnvoll ist.

Die Chance auf ein suchtfreies Leben

„Vieles wusste ich schon, weil wir im Rahmen anderer Präventionsprojekte oder am Tag der Naturwissenschaften davon gehört haben. Aber ich glaube, dass längst nicht alle Jugendlichen gut genug informiert sind“, so der Teenager.

Anja Menz zeigte sich am Ende zufrieden: „Die Schüler haben sehr gut mitgearbeitet. Ich denke, durch diesen Einstieg, wird auch die weitere Arbeit im Unterricht zur Aufklärung beitragen. Wir hoffen, dass wir bei den Jugendlichen damit die Chance auf ein suchtfreies Leben erhöhen.“

Finanziert wurde die Veranstaltung vom Landkreis Havelland und der Stadt Rathenow. Das Diakonische Werk Havelland hatte die Trägerschaft übernommen und das Haveltorkino unterstütze ebenfalls.

Von Christin Schmidt

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