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Rathenow Geringes Interesse an NPD-Kundgebung aber 250 Gegendemonstranten
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10:27 04.09.2019
Auf dem Bebel-Platz demonstrierten die NPD-Gegner. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Zwei Demonstrationen haben am Freitag die Menschen im Rathenower Stadtzentrum polarisiert. Vor dem Kulturzentrum waren rund 50 Demonstranten dem Aufruf des NPD-Stadtverordneten Michel Müllergefolgt, der seine Kundgebung unter das Motto „Wir haben es satt – schafft endlich Sicherheit“ gestellt hatte.

Auf dem Märkischen Platz hatte der NPD-Stadtverordnete Michel Müller zu einer Demonstration für Sicherheit aufgerufen. Das Rathenower Bündnis für Demokratie zog zur Gegenkundgebung mehr als fünf mal so viele Menschen auf den Bebelplatz.

In gut hundert Meter Luftlinie hatten sich auf dem Bebel-Platz die Gegner der rechtsgerichteten Kundgebung formiert. „Hass und Rassismus schaffen keine Sicherheit“ hatte die Partnerschaft für Demokratie Westhavelland & Nauen die Kundgebung überschrieben.

Kaiser in der 1. Reihe

Wenn es schon nicht viele waren, angemeldet hatte Müller eine Kundgebung mit 30 Personen, so konnte man die NPD-Anhänger doch hören. Unter ihnen auch Christian Kaiser, der für ein Bürgerbündnis zum Bürgermeister der Stadt gewählt werden wollte und später auf einer Liste der Republikaner zur Stadtverordnetenwahl antrat. Anders als NPD-Frontmann Müller schaffte es Christian Kaiser nicht.

Eine Abordnung aus dem Jugendclub Oase war ebenfalls auf dem Bebel-Platz. Quelle: Markus Kniebeler

Bei der Kundgebung zählte Müller die polizeilich evidenten Vorfälle auf, die sich in den vergangenen Wochen in der Innenstadt ereigneten. Daraus leitete er ab, dass man sich in Rathenow nicht mehr sicher fühlen könne, zumal es – so Müller – noch viel mehr Fälle gebe.

Eine friedliche Stadt

Auf dem Bebel-Platz startete die Kundgebung eine halbe Stunde früher. Vertreter aus verschiedenen Parteien, aus Vereinen, Schülerinnen und Schüler, Flüchtlingsfamilien und viele andere hatten sich unter dem Dach des Aktionsbündnisses Rathenow gefunden, um zu zeigen, dass Rathenow eine weltoffene, tolerante und friedliche Stadt ist.

Kein Wahlkampf

Landtagskandidat Stefan Behrens (Bündnis 90 / Die Grünen) bekannte: „Ich habe im Jahr 1970 in Bremen gegen Nazis demonstriert und tue es hier sicher nicht zum letzten Mal.“ Katja Poschmann (SPD) betonte: „Wir stehen zusammen, jetzt ist kein Wahlkampf.“

Auf dem Märkischen Platz demonstrierte die NPD. Quelle: Markus Kniebeler

Mit Transparenten an Hauswänden und über der Straße zeigten die Teilnehmer der Bebel-Platz-Kundgebung, was sie von den NPD-Anhängern halten. Ein besonderer Hingucker für die Teilnehmer der Müller-Kundgebung auf dem Märkischen Platz war aber einer der Wölfe, die zu der Opolka-Ausstellung „Die Wölfe sind zurück“ gehören. Grimmig hob das Tier die Hand zum Hitlergruß.

Populistische Stoßrichtung

Landtagskandidaten von SPD, CDU, Linken, FDP, Grünen und Freien Wählern sowie die Vertreter der genannten Parteien in der SVV Rathenow hatten in einem gemeinsamen Aufruf gegen die aus ihrer Sicht populistische Stoßrichtung der Müller’schen Aktion mobil gemacht.

Berührende Rede

Auf dem Bebel-Platz hielt Diana Golze (Die Linke) eine berührende Ansprache: „Es ist eine Unverschämtheit, wenn die NPD zwei Tage vor dem Jahrestag zum Ausbruch des 2. Weltkrieges in der Rathenower Innenstadt demonstriert.“ Angst und Schrecken verbreiten nicht die Flüchtlinge sondern die NPD mit solchen Aktionen.

Der Andrang auf dem Bebel-Platz war groß. Quelle: Markus Kniebeler

Großen Applaus bekamen drei afghanische Flüchtlinge, die sich auf dem Bebel-Platz für die freundschaftliche Aufnahme in der Stadt Rathenow bedankten.

Von Joachim Wilisch

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