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Rathenow Kunst am Bau wird eingelagert
Lokales Havelland Rathenow Kunst am Bau wird eingelagert
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15:46 02.04.2019
Die drei Hauseingangsplatten in der Berliner Straße vor der Demontage.
Die drei Hauseingangsplatten in der Berliner Straße vor der Demontage. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Im Zuge der Sanierung des KWR-Blocks in der Berliner Straße 61-66 werden nicht nur die alten Balkone, sondern auch die überdachten Hauseingänge abgerissen. Allerdings werden diese nicht komplett entsorgt. „Die drei gestalteten Platten der Eingänge sind abgebaut und an einem sicheren Ort eingelagert worden“, sagt Danny Harwardt, Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow.

Der Grund für diesen sorgsamen Umgang lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: „Kunst am Bau“. Manchem wird erst jetzt, nachdem die Platten für den Abtransport frei gestellt worden waren, aufgefallen sein, dass diese kunstvoll gestaltet sind.

Die Spaltklinker, die sich in Teilen der Fassade finden, sind auch hier verarbeitet worden. Farbige Motive sind zu sehen: Solche aus der Natur – Flüsse, Seen, Blumen, Vögel – aber auch Häuserblocks und eine Fabrik mit rauchenden Schloten.

Fragmentarische Komposition

Dargestellt sind keine vollständigen Szenerien. Vielmehr handelt es sich um Fragmente, die beim Betrachten Assoziationen auslösen. Der eine meint das Blau der Havel zu erkennen, ein anderer mag sich an den weiten Himmel über dem westlichen Brandenburg erinnert fühlen.

Elena von Martens. Quelle: privat

Geschaffen wurde diese Keramikarbeit von Elena von Martens. Im Jahr 1989, als die Blocks eingeweiht wurden, erhielt die studierte Grafikerin den Auftrag, die Hauseingänge in Rathenow zu gestalten. Und da sie sich als freiberufliche Künstlerin auf das Arbeitsfeld Gebrauchsgrafik/Kunst am Bau spezialisiert hatte, nahm sie die Herausforderung mit Freude an.

„Ziel war es, den öffentlichen Raum durch die künstlerische Arbeit aufzuwerten“, sagt die 75-Jährige. Bei der Ausführung des Werkes sei ihr weitestgehend freie Hand gelassen worden.

Eine Vorgabe wurde ihr allerdings gemacht. Und die kann man, wenn man sich die Platten genau ansieht, heute noch entdecken. Auf einer findet sich ein Spruch, der gerade wieder hoch im Kurs steht. „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben“ steht dort. Das Zitat stammt von Theodor Fontane, dessen 200. Geburtstag gerade ausgiebig gefeiert wird.

Fontane-Spruch als Inspiration

Wie sie den Spruch des Dichters interpretiert hat, wo und auf welche Weise er sich im Werk widerspiegelt, dazu hält sich Elena von Martens bedeckt. „Ich wollte und will niemandem vorschreiben, was er zu sehen hat“, sagt sie. „Ein jeder soll sich beim Betrachten seine eigenen Gedanken machen.“

Das Werk, das vor 30 Jahren entstanden ist, findet heute noch die Zustimmung der Künstlerin. Manchmal komme es vor, dass man sich von frühen Arbeiten distanziere, weil man sich im Laufe der Jahrzehnte verändert habe. Das sei bei den Rathenower Hauseingängen nicht der Fall.

„Das ist eine anständige Arbeit sagt sie“. Sie habe versucht, mit Formen, Farben und Proportionen zu spielen. Und dabei den Bezug zum Gebäude, zur Fassade nicht aus dem Blick zu verlieren.

Entwurf der Künstlerin für die Rathenower Hauseingänge. Quelle: privat

Und wie hat sie die Nachricht von der Demontage der Hauseingänge aufgenommen? „Na ja, begeistert hat mich das nicht“, sagt sie. „Ich finde es schade, dass man keine Möglichkeit gesehen hat, die Eingänge zu erhalten.“

Die Ankündigung Harwardts, für das Kunstwerk nach der Sanierung einen würdigen Standort zu finden, versöhnt die Künstlerin ein bisschen. „Immerhin“, sagt sie. „Vielleicht findet man ja einen Platz, an dem die Arbeit zur Geltung kommt.“

Schäden genommen hat die Keramik in den vergangenen 30 Jahren nicht. „Die Klinker sind unverwüstlich“, sagt Elena von Martens. Und beschmiert wurden sie auch nie. Vielleicht hat die Rathenower Sprayerszene ja erkannt, dass man diesem schöpferschen Werk mit Respekt begegnen sollte.

Von Markus Kniebeler