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Rathenow Neue Pläne für die alte Brauerei
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17:59 24.04.2019
Blick auf die Rathenower Brauerei. Um die historischen Gebäude herum soll ein neues Stadtviertel entstehen. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Die alte Rathenower Brauerei könnte aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden. Der Projektentwickler und Stadtplaner Sebastian Wagner und sein Geschäftspartner John Mc Nabb, beide aus Berlin, wollen das Areal zu einem urbanen Stadtviertel entwickeln.

Stadtplaner Sebastian Wagner will mit seinem Team das Brauerei-Gelände beleben. Quelle: Markus Kniebeler

Den ersten, entscheidenden Schritt auf diesem Weg haben sie bereits getan. Anfang April wurde der Kaufvertrag mit dem Inhaber des Brauerei-Geländes unterschrieben. Nun werde man sich an die Umsetzung der Pläne machen, sagt Wagner.

Bauvoranfrage in Vorbereitung

Zur Umsetzung der Idee wurde eine eigene Firma, die Braulab GmbH, gegründet. Erste Beratungen mit Vertretern des Rathenower Bauamtes hat es bereits gegeben. Eine Bauvoranfrage bei der Stadt ist in Vorbereitung und soll nun möglichst bald gestellt werden. Bei einem positiven Bescheid werde man die Pläne konkretisieren und den Bauantrag einreichen, so Wagner.

Gastronomie und Gesundheit

Das Projekt hat es in sich. In den historischen Gebäuden soll nach der Sanierung Platz sein für gastronomische und gesundheitsfördernde Angebote. „Gesundes Essen, ein Hofladen mit regionalen Produkten, Wellnessangebote, Raum für Veranstaltungen“, so umreißt Wagner das Nutzungskonzept. Außerdem wolle er so genannten Co-Working Spaces schaffen: Mit schnellem Internetanschluss ausgestattete Arbeitsplätze, die von Freiberuflern, Gründern und anderen zeitlich befristet angemietet werden können.

Wechselvolle Geschichte

Am 27. Januar 1891 gründete Franz Rutschmann in Rathenow die „Exportbier-Brauerei Rutschmann & Co”.

Im Jahre 1896 wurde das Rathenower Export bei einem internationalen Wettbewerb in Baden-Baden mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

1920 übernahm die Berliner „Engelhardt-Brauerei“ den Rathenower Betrieb. Im Krieg wurde nicht gebraut.

1945 nahm eine kleine Gruppe von Brauern die Arbeit wieder auf. Während der DDR-Zeit wurde in dem Betrieb durchgehend gebraut.

Nach der Wende geriet die Brauerei in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Jahr 1997 wurde der Betrieb endgültig eingestellt.

Im Jahr 2011 stellte der Arbeiter-Samariter-Bund Pläne für das historische Ensemble vor. Der Umbau zu einem Mehrgenerationenhaus scheiterte aber bereits in der Planunsgphase.

Im Jahr 2015 beschlossen die Rathenower Stadtverordneten, die Verwaltung in der Brauerei unterzubringen. Weil die Kosten aus dem Ruder liefen, wurde auch dieser Plan zu den Akten gelegt.

Neben der Sanierung der alten Brauerei-Gebäude ist der Bau von neuen Wohnungen geplant. Auf den freien und freizuräumenden Grundstücksteilen sollen zwischen 70 und 100 Eigentumswohnungen errichtet werden: Unterschiedliche Größen, modern ausgestattet, alle barrierefrei. Die Wohngebäude werden sich um begehbare Höfe gruppieren. Nach Aussage Wagners gibt es bereits etliche Kaufinteressenten.

Immobilienspezialist Andreas Weigelt wird sich um die Vermarktung kümmern. Quelle: Markus Kniebeler

Andreas Weigelt, Mitarbeiter in Wagners Team und Kenner des Immobilienmarktes, ist überzeugt davon, dass es großes Interesse an dieser Form urbanen Wohnens in Rathenow gibt. Erste Adressaten seien kaufwillige Berliner, die sich ihren Wunsch nach Wohneigentum auf dem völlig überhitzten Immobilienmarkt der Hauptstadt wegen horrender Preise nicht mehr erfüllen können.

Aber das Angebot richte sich auch an Menschen aus Rathenow und dem Umland. „Längst nicht jeder möchte ein Haus mit großem Grundstück erwerben“, sagt Weigelt. Eine moderne Wohnung, barrierefrei, zentral gelegen, in einem lebenswerten Quartier sei für viele die bessere Alternative. „Ein Haus mit Grundstück macht Arbeit“, sagt Weigelt. In einer eigenen Wohnung reduziere sich der Aufwand. Dort lasse es sich sorgenfrei leben – als Single, als Paar, mit Kindern – und vor allem bis ins hohe Alter.

Glaube an die Attraktivität Rathenows

Der studierte Architekt und Stadtplaner Sebastian Wagner, der ein ähnliches Projekt in Mexiko-City verwirklichen will, ist begeistert von der Attraktivität der Stadt Rathenow. „Es gibt jede Menge Natur im Umland, die Großstadt-Hektik fehlt und gleichzeitig hat die Stadt eine urbane Qualität.“ Diese solle mit dem Brauerei-Projekt noch verbessert werden.

Die Flaschenabfüllhalle der Brauerei soll abgerissen werden. Auf dem Gelände sind Neubauten geplant. Quelle: privat

Außerdem sei man mit der Bahn in einer Stunde in Berlin und könne sich dort, wenn einem der Sinne danach stehe, in das großstädtische Leben stürzen. „Rathenow ist das Gold der zweiten Reihe“, sagt Wagner, der selber seit einigen Jahren in der Stadt wohnt. Aus dieser attraktiven Lage müsse einfach noch mehr gemacht werden. Mit dem Braulab-Projekt wolle man einen Anteil dazu leisten.

Grober Fahrplan steht

Der Fahrplan der kommenden Jahre hängt von etlichen Faktoren ab, die von Bauherren naturgemäß nicht immer zu beeinflussen sind. Gibt es Altlasten auf dem Gelände, werden bei den Bodenarbeiten archäologische Funde zutage gefördert – diese und andere Fragen können erst im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens geklärt werden.

„Wir gehen davon aus, dass wir das Quartier im Jahr 2025 eröffnen können“, sagt Wagner. Aber schon vor und während der Bauzeit wolle man die Rathenower an dem Projekt teilhaben lassen. Mit Kunstaktionen, Führungen und anderen öffentlichen Aktionen. „Das wird keine Geheimoperation“, sagt er. „Die Menschen sollen erleben können, wie diese Brache mit Leben gefüllt wird.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: „Ehrgeiziges Vorhaben“

Von Markus Kniebeler

MAZ-Redakteur Markus Kniebeler freut sich über die Pläne für die Brauerei.

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