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Rathenow Syrische Sprachmittlerin lernte anfangs mit Youtube
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17:46 07.03.2019
Im Interkulturellen Familiencafé gibt Thanaa Shriki Deutsch-Anfängerkurse für Flüchtlingsfrauen. Quelle: Bernd Geske
Rathenow

 Vereine und Einrichtungen, die viel mit Flüchtlingen zu tun haben, können Dolmetscher jederzeit gut gebrauchen. Besonders Arabisch-Deutsch ist zurzeit gefragt. Komplett ausgebildete Fachkräfte sind aber in der gewünschten Menge nicht zu haben. Deshalb wird hier gern auf Sprachmittler zurück gegriffen, die in der offiziellen Amtssprache als Gemeindedolmetscher bezeichnet werden.

Beim Interkulturellen Familiencafé der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Rathenow, das Flüchtlingsfrauen mit kleinen Kindern erste Sprachkenntnisse vermittelt, hat eine Gruppe von fünf Männern und einer Frau vor wenigen Tagen einen Kurs zu Gemeindedolmetschern Arabisch-Deutsch abgeschlossen. Dabei hat die einzige Frau Thanaa Shriki (34 Jahre) ihrer schnellen Deutsch-Karriere einen vorläufigen Höhepunkt hinzu gefügt.

Nach der Übergabe der Gemeindedolmetscher-Zertifikate, von links: Diana Neumann, Thanaa Shriki, Juliane Mucker, Mohamad Samer Gochar, Susi Strakon, Hassan Alsharkawi, Muhannad Abbas und Britta Stöwe. Quelle: Bernd Geske

Erste Deutschkenntnisse mit Youtube erlernt

Sie wohnt in Rathenow, stammt aus der syrischen Stadt Aleppo, kam auf der Flucht zusammen mit ihrem Mann 2016 nach Deutschland und hat eine einjährige Tochter. In Aleppo hatte sie zehn Jahre in einer Mittelschule Kinder von zwölf bis 15 Jahren als Arabisch-Lehrerin unterrichtet. Sie spricht gut Englisch, aber als sie in die Bundesrepublik kam, konnte sie kein einziges Wort Deutsch.

„Die Sprache ist wichtig“, sagt Thanaa Shriki, „sie ist der Schlüssel.“ Sofort nach ihrer Ankunft, als von einem richtigen Sprachkurs noch keine Rede war, habe sie deshalb über Youtube auf dem Smartphone in der Gemeinschaftsunterkunft Friesack mit dem Deutschlernen begonnen. Es gibt auf Youtube viele Angebote, hat Thanaa Shriki festgestellt. Wer Deutsch lernen wolle, könne das dort. Das tat sie dann auch ausgiebig.

Deutschkurs A2 übersprungen

Als nach vier Monaten an der Volkshochschule ihr Deutschkurs, Stufe A2 begann, wurde nach zwei Wochen entschieden, dass sie den überspringen kann. Im Dezember 2016 fing sie den B1-Kurs an und schloss ihn ein Jahr später erfolgreich ab. „Wir sind hier Fremde“, erklärt sie, „und wir müssen hier arbeiten, um uns zu beweisen.“

Ihr Mann habe seit zwei Jahren einen Minijob, berichtet sie. Er sei Automechaniker von Beruf und arbeite jetzt hier in einer Werkstatt. Er wolle später als Kraftfahrer tätig sein, habe eine Prüfung dafür schon bestanden und müsse aber noch eine weitere Qualifikation erwerben. Es gebe viele Job-Angebote für Kraftfahrer, bald könne er eines aussuchen.

Leitfaden ins Arabische übersetzt

Thanaa Shriki gibt seit September im Interkulturellen Familiencafé den Deutschkurs für die Anfängerinnen. Sie hilft dort, den Frauen die Formulare und Briefe von Behörden zu erklären. Einen Leitfaden vom Gesundheitsamt hat sie ins Arabische übersetzt.

Sie habe die deutsche Sprache schwierig gefunden, sagt die Frau aus Syrien. Aber sie habe sich entschieden, noch mehr zu machen. Sie denkt darüber nach, eine Ausbildung zur Arzthelferin zu beginnen. Sie ist angemeldet für einen Erste-Hilfe-Kurs, den sie für den geplanten Erwerb des Führerscheins braucht. Nicht zuletzt ist sie engagiert worden, um den ersten Arabisch-Grundkurs der Volkshochschule Havelland zu geben. Er soll im März beginnen und einmal die Woche bis Ende Mai laufen.

Ehrgeiz ist vorhanden

Britta Stöwe und Diana Neumann, die Projektverantwortlichen des Interkulturellen Familiencafés, sind davon überzeugt, dass Thanaa Shriki ihre Ziele erreichen kann. Den Ehrgeiz dafür habe sie. Ihre bislang letzte Reifeprüfung ist der Kurs zur Gemeindedolmetscherin gewesen.

Dem Familiencafé war es gelungen, den dafür zugelassenen Potsdamer Verein „Fazit“ zu gewinnen. Zu acht Terminen kamen die Ausbilderinnen einmal pro Woche nach Rathenow, um jeweils viereinhalb Stunden mit den Teilnehmern zu üben. Als Lehrgangssprache war Deutsch angesagt. Den Abschluss bildete eine mündliche Prüfung. Das war ein simuliertes Gespräch in einer deutschen Behörde.

Das Interkulturelle Familiencafé

Das Interkulturelle Familiencafé der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ist geschaffen worden für Flüchtlingsfrauen mit kleinen Kindern, die keinen Betreuungsplatz bekommen haben.

Der ursprünglich geplante Projektzeitraum lief über drei Jahre vom 1. Januar 2016 bis zum 31. Dezember 2018.

Finanziert wird das Projekt zu 100 Prozent von der Aktion Mensch.

Weil das Interkulturelle Familiencafé so gut lief, ist im Herbst des vergangenen Jahres der Projektzeitraum um weitere 15 Monate verlängert worden.

Die Angebote dort bestehen aus drei Säulen.

Säule 1 sind Bildungsgruppen, in denen Flüchtlingsfrauen Deutsch lernen. Ihre Kinder werden betreut.

Säule 2 ist das Familiencafé zum Lernen in weniger streng gefügten Runden. Kinder können dabei sein.

Säule 3 ist seit 2017 Hilfe vom Jugendamt.

Thanaa Shriki war die einzige Frau, die an dem Kurs teilgenommen und bestanden hat. Was der Internationale Frauentag ist, hat sie bislang nicht gewusst. Am 7. März hat man ihn im Familiencafé zum Thema gemacht. Der Frau aus Aleppo war es wichtig, ihren Wunsch mitzuteilen, dass der Krieg in Syrien bald vorbei sein möge und dass die ganze Welt in Frieden leben soll.

Von Bernd Geske

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