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Rathenow Visionen für die Eiermann-Kaserne
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07:56 14.12.2019
Für die Kasernen in der Breitscheidstraße wird seit Jahren ein Nutzer gesucht. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Bei den Bemühungen, die Kasernenkomplexe an der Breitscheidsstraße zu vermarkten, geht es naturgemäß ums Geld. Die Brandenburgische Boden Gesellschaft, von der die Liegenschaften im Auftrag des Landes verwaltet werden, sucht seit Jahren nach einem Investor. Bislang hat sich allerdings noch niemand gefunden, der den Willen und die finanziellen Möglichkeiten hat, die Militärgebäude einer zivilen Nutzung zuzuführen.

Preisgekrönter Wettbewerbsbeitrag

Dass die Gebäude Potenzial haben, steht außer Frage. Den jüngsten Beweis lieferten drei Architekturstudenten aus Berlin. Berin Ergin, Paul Strobel und Max Blake untersuchten im Rahmen eines Wettbewerbs, wie die von Egon Eiermann errichtete Mot-Schützenkaserne mit neuem Leben gefüllt werden könnte.

„Stadt im Wandel – Stadt der Ideen“ lautet der Titel des Wettbewerbs, der alljährlich von dem Netzwerk „Plattform Nachwuchsarchitekten“ ausgelobt wird. Unter dem Motto „Metropolenregion Berlin-Brandenburg – ganzheitliche Konzepte für Stadt und Land“ untersuchten die drei oben genannten Studenten, wie die Metropole und der ländliche Raum besser miteinander verzahnt werden können. Und gewannen damit den ersten Preis.

Kaserne unter Denkmalschutz

Die Mot.-Schützenkaserne (auch: Pionierkaserne) in der Rathenower Breitscheidstraße wurde Mitte der 1930er Jahre nach Plänen des Architekten Egon Eiermann errichtet. Seit 1996 steht sie unter Denkmalschutz.

Das Grundstück ist rund 51 000 Quadratmeter groß. Auf ihm stehen fünf im Viertelkreis angeordnete Gebäude mit einer Nutzfläche von 17 500 Quadratmetern.

Bis zum Abzug im Jahr 1993 nutzten sowjetische Truppen die Gebäude als MOT-Schützenkaserne.

Eingetragener Eigentümer der Liegenschaft ist das Land Brandenburg, verwaltet wird sie von der Brandenburgischen Boden Gesellschaft.

Für ihre Studie wählten sie die „Eiermann“-Kaserne. Bei den in den 1930er Jahren entstandenen Gebäuden handele es sich um einen sehr gut erhaltenen sowie baulich interessanten Bestand, der außerdem vielfältige Möglichkeiten der Erweiterung biete, erklärten Berin Ergin und Max Blake den Mitgliedern des Bauausschusses jüngst.

Ziel: Ressourcen schonen

Eine Reaktivierung der Militärbauten schone Ressourcen, führten sie aus. Es gehe darum, vorhandenen Raum sinnvoll umzunutzen. In ihrem Entwurf sollen in den Kasernen attraktive Wohnungen, Büros für mobile Arbeitskräfte sowie Räume entstehen, die für kulturelle Zwecke genutzt werden können.

Blick ins Innere eines der Kasernen-Gebäude. Quelle: Markus Kniebeler

Es gebe jetzt schon viele Mieter in der Hauptstadt, die sich vom umkämpften Berliner Wohnungsmarkt distanzieren und nach attraktiven Alternativen im Umland suchen, erklärten sie. Außerdem nehme der Anteil jener Freiberufler zu, die sich nicht mehr über Jahre an einen festen Büro-Ort binden wollen, sondern dort tätig werden, wo sich Arbeitsmöglichkeiten bieten. Mit temporär anmietbaren Arbeitsplätzen könne man diese Freelancer nach Rathenow ziehen.

Ergänzende Neubauten

Als weiteren Vorteil des Kasernen bezeichneten die Studenten die Lage im Grünen, die neben Erholungsmöglichkeiten auch Raum für bauliche Erweiterungen biete. In dem Siegerentwurf sind neben den Kasernen auch Neubauten vorgesehen.

So findet sich auf der Planzeichnung ein Gemeindezentrum, das im Stile der Bestandsgebäude gehalten ist. Ein großer Veranstaltungsraum soll nicht nur für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden können. Er soll den Bewohnern des Viertels auch die Möglichkeit für Zusammenkünfte geben.

Solaranlagen und Treibhäuser

Auf den riesigen Kasernendächern könnten zur ressourcenschonenden Energiegewinnung Solarpanels installiert werden. Auch Treibhäuser, in denen Obst und Gemüse für die regionale Versorgung herangezogen werden könnte, finden sich auf dem preisgekrönten Planentwurf.

Berin Ergin und Max Blake (stehend) stellten im Bauausschuss ihre Pläne für die „Eiermann“-Kaserne vor. Quelle: privat

Von den Mitgliedern des Bauausschusses wurde der Vortrag der Studenten mit Beifall bedacht. Allen war bewusst, dass es eine Eins-zu-eins-Umsetzung des Entwurfs wohl niemals geben wird. Aber darum ging es bei dem Wettbewerb auch gar nicht. Vielmehr sollten die Nachwuchsarchitekten ihrer Kreativität freien Lauf lassen – frei von den Kompromissen, die gemacht werden müssen, wenn es um Fragen der Finanzierung geht.

Zeigen, was möglich wäre

Und das hat das Trio ohne Zweifel getan. „Wir wollten mit unserer Arbeit zeigen, was alles möglich ist“, sagte Berin Ergin. Und auch wenn vieles anmutet wie Zukunftsmusik – an der Tatsache, dass das Interesse der Metropolenbewohner am ländlichen Umland steigt, ist nicht zu rütteln. Nicht ohne Grund verzeichnet die Stadt Rathenow seit einigen Jahren in Sachen Zuzug eine positive Bilanz.

Übrigens haben die Studenten auch berücksichtigt, dass aller Voraussicht nach ein Großteil der Rathenower Neubürger – trotz aller Vorliebe für das naturnahe Leben – ihre Verbindungen zur Hauptstadt nicht kappen werden.

Im Hyperloop nach Berlin

Auf der Planzeichnung findet sich deshalb ein Bahnhof. Und zwar nicht irgendeiner, sondern eine Hyperloop-Station. Tatsächlich gibt es bereits Pläne für ein gleichnamiges Hochgeschwindigkeitsverkehrssystem, bei dem Passagierkapseln mit extrem hoher Geschwindigkeit durch Röhren von einem Ort zum anderen geschossen werden. Die Fahrtzeit von dem Bahnhof an der Eiermann-Kaserne bis zum Berliner Hauptbahnhof betrüge zehn Minuten. Wenn das kein Argument ist.

Von Markus Kniebeler

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