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Rathenow Rathenow ist jetzt die erste Stadt mit einem hauptamtlichen Superhelden
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17:29 15.05.2019
Quelle: Stinknormale Superhelden
Rathenow

Zugegeben, es klingt ein bisschen wie der Plot eines Hollywood-Films: Der Junge aus der Kleinstadt schlüpft eines Tages in ein buntes Kostüm, setzt sich für die Umwelt und die Schwachen ein und wird zum Superhelden.

In Rathenow ist diese Geschichte nun Wirklichkeit geworden. Die havelländische Kreisstadt hat ihren ersten hauptberuflichen „stinknormalen Superhelden“ und es wäre wohl nicht übertrieben zu sagen, dass es der erste hauptberufliche Superheld Deutschlands ist.

Zur Erklärung ein kurzer Blick zurück: Vor fast sieben Jahren zog sich eine Gruppe junger Menschen für eine spaßige Fotoaktion bunte Strumpfhosen und Schlüpfer an und setzte sich Perücken und Masken auf.

Unzählige Projekte in sieben Jahren realisiert

Es war die Geburtsstunde der Stinknormalen Superhelden. Sie gaben sich Fantasienamen wie Katetschen Bernd, Puppi Le Bleu oder Red Violet und erkannten schnell, dass man in schrulligen Kostümen die Menschen ganz wunderbar für so wichtige Themen wie Umwelt- und Tierschutz begeistern kann.

Inzwischen ist die gut gelaunte, bunte Truppe aus dem gesellschaftlichen Leben im Havelland nicht mehr wegzudenken. Unzählige Aktionen und Projekte haben sie bereits umgesetzt.

Sie gehen an Schulen und erklären Kindern die Ursachen und Gefahren der regionalen und globalen Vermüllung, des Klimawandels und des Massenaussterbens in der Tierwelt. Zugleich zeigen sie dem Nachwuchs, was jeder einzelne dagegen tun kann.

Ausgezeichnetes Engagement

Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden die Stinknormalen Superhelden 2017 mit dem Bürgerpreis der Stadt Rathenow ausgezeichnet.

2018 haben sie von deutschlandweit 550 Projekten den dritten Platz beim Publikumsranking des „Deutschen Engagementpreises“ belegt.

Die Gruppe ist längst nicht nur im Havelland aktiv. Unter anderem befreiten sie Ende März mit vielen Helfern die Hauptstadt innerhalb von vier Stunden von rund 60 000 Zigarettenkippen.

Wer die Superhelden unterstützen möchte schreibt eine E-Mail an: stinknormale-superhelden@gmx.de

Den meisten dürften die Helden durch ihre zahlreichen Müllsammelaktionen bekannt sein. Zudem tauschen sie auf Festen Stoffbeutel gegen Plastiktüten.

Sie planen mit Unternehmen einen Mehrwegbecher im Pfandsystem einzuführen, schnüren regelmäßig die Sportschuhe für Spendenläufe im Kampf gegen Krebs, veranstalten Versteigerungsaktionen für kranke Kinder, das Tierheim oder den Gnadenhof. Sie engagieren sich in der Obdachlosenhilfe und pflanzen Bäume.

„Wir machen nichts zum Spaß, aber der Spaß darf bei unseren Aktionen auf keinen Fall fehlen!“, betont Katetschen Bernd. Das gilt auch für die Arbeit im „Stinknormalen Stadtgarten“. Den hat die Gruppe im vergangenen Jahr auf dem Rathenower Weinberg in Absprache mit der Stadtverwaltung angelegt.

Dank der Stinknormalen Superhelden hat Rathenow inzwischen auch einen Stadtgarten. Anfang Mai zog hier ein Bienenvolk ein. Quelle: Stinknormale Superhelden

Die Gruppe bewirtschaftet den Garten für und mit Rathenower Bürgern. Ihr Ziel ist es, ein generationsübergreifendes Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein für regionales Konsumieren zu stärken.

Gerade haben sie die erste Saison im Stadtgarten eröffnet, die ersten Samen in die Erde gebracht und nun sogar ein Bienenvolk dort einziehen lassen. Es gibt also schon bald den ersten „Stinknormalen Stadtgarten Honig“.

All das haben die Superhelden bisher neben Beruf und Familie auf die Beine gestellt und aus eigener Tasche finanziert. Das soll sich nun ändern.

Landkreis unterstützt die Superhelden

Um noch mehr Menschen zu erreichen und das Engagement zu intensivieren, haben sieben Mitstreiter den Verein „Stinknormale Superhelden“ gegründet und sich beim Landkreis um Fördermittel aus dem 100-Stellen-Programm beworben. Mit Erfolg.

Offenbar ist der Landrat auch ein Fan der Gruppe, denn seit dem 1. Mai ist Katetschen Bernd hauptberuflicher Superheld. Dafür hat er seinen Job in der Medienbranche in Berlin an den Nagel gehängt und ist nun Manager eines Projekts, das ihm besonders am Herzen liegt.

„Wir sind junge Eltern, die ihren Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen wollen. Wenn man da als Elternteil Themen wie die regionale und globale Vermüllung, das sechste Massenaussterben, das gemeinschaftliche Miteinander oder den Kampf gegen Krebs ignoriert, grenzt das an unterlassener Hilfeleistung“, sagt Katetschen Bernd.

Rathenows Stinknormale Superhelden mit ihrem Nachwuchs. Quelle: Stinknormale Superhelden

Die Unterstützung des Landkreises ist zunächst für ein Jahr bewilligt, kann aber zweimal verlängert werden. Für den Verein ist es ein wichtiger Schritt. Oberste Priorität für die Mitglieder ist es jetzt, Fördermittel zu akquirieren, um möglichst viele Projekte umzusetzen.

Die Nachfrage ist in jedem Fall da. Kinder und Lehrer sind begeistert von der „Stinknormalen Superheldenschule“. Ständig gibt es neue Anfragen. Auch auf Veranstaltungen und Festen ist die Gruppe gern gesehen. Im August findet zum Beispiel im Optikpark das zweite Superheldenfest statt.

Was Katetschen Bernd gerade besonders beschäftigt, ist das Massenartensterben. „Im Stadtgarten haben wir ein Wildblumenbeet angelegt, um den Insekten Lebensraum zu bieten. Das ist ein guter Ansatz, um das Thema zu vertiefen und in die Köpfe der Menschen zu bringen“, so der Familienvater.

Katetschen Bernd hat natürlich auch einen bürgerlichen Namen und wenn er nicht verkleidet ist, führt er auch ein ganz normales Leben. Zur Zeit zieht er aber sein Kostüm kaum noch aus. Selbst im Urlaub ist der Superheldenschlüpfer dabei. Denn er kämpft für seinen großen Traum: Eine Welt, in der jeder ein „stinknormaler Superheld“ ist.

Von Christin Schmidt

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