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14:22 25.05.2019
Rayk Sommer klärt seit 2002 ehrenamtlich in Schulen im gesamten Landkreis über die Folgen von Drogenkonsum auf. Erst im März wurde er als Ehrenamtler des Monats ausgezeichnet. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Mehr als 40 Jahre nach dem das biografische Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ das Land erschütterte, tourt ein Rathenower durch die Region, um mit Menschen über die Folgen von Drogenkonsum zu sprechen. Wer glaubt, das sei heute nicht mehr nötig, wird schlagartig ernüchtert wenn er Rayk Sommer zuhört.

Der Notfallsanitäter ist seit 2002 ehrenamtlich in Schulen im gesamten Landkreis zu Gast, um Schüler, Lehrer und auch Eltern zu aufzuklären. 

Welche Drogen werden konsumiert? Wie viel wird konsumiert? Welche Wirkung haben die unterschiedlichen Substanzen? Und wie erkenne ich, ob mein Kind ein Drogenproblem hat? Diese und viele weitere Fragen kann Sommer aus dem Effeff beantworten.

Drogen sind allgegenwärtig

Wenn es um Drogen geht, ist der 41-Jährige ein wandelndes Lexikon. Mit dem Unterschied, dass er in seinen Vorträgen keine trockenen Fakten runterbetet, sondern seine Zuhörer mit unzähligen anonymen Beispielen aus der Praxis fesselt.

Warum er das tut? Weil er sich sicher ist, dass fast jeder junge Mensch früher oder später mit der einen oder anderen Substanz in Berührung kommt.

Drogen – ob legal oder illegal – sind im Jahr 2019 in Deutschland leicht zu bekommen, auch in Rathenow. Sie sind allgegenwärtig, das ist ein Fakt, den viele noch immer nicht wahrhaben wollen, sagt Rayk Sommer und warnt: „Es ist bereits fünf nach zwölf.

Eltern und Lehrer suchen Rat

Weil längst nicht alle Schulen bereit sind, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen und die kostenlosen Vorträge nutzen, geht Sommer nun einen Schritt weiter. Er lädt zusammen mit Rathenows Jugendkoordinator Tilo Windt am 4. Juni erstmals zu einer öffentlichen Veranstaltung ein.

„Wir gehen davon aus, dass der Bedarf an Aufklärung sehr groß ist. Immer mehr Menschen fragen mich um Rat. Es gibt Phasen, in denen mich täglich mehrer Anfragen erreichen“, so Sommer.

Oft seien es Elternsprecher und Lehrer, die bisher nicht an einer Infoveranstaltung teilnehmen konnten, weil die Schulleitung Angst vor der Außenwirkung hat und nicht mit Drogen in Verbindung gebracht werden möchte.

Aufklärung statt Verbote

Sehr aktiv in dieser Hinsicht sei die Rathenower Bürgerschule, die aber längst nicht das größte Problem habe. Ganz bewusst führt Sommer auch Gespräche mit Schülern, bei denen kein Lehrer dabei ist. Dann würden sich die jungen Menschen öffnen und über ihre Drogenerfahrungen sprechen. Viele erzählen sogar recht ungeniert.

Rayk Sommer möchte die Jugend vorbereiten und informieren. Nicht in dem er Verbote ausspricht, sondern indem ihnen erklärt, was Drogen mit ihrem Körper machen und mit welche Konsequenzen sie rechnen müssen.

Die kennt Sommer als Notfallsanitäter nur allzu gut. Er ist regelmäßig mit dramatischen medizinischen Vorfällen konfrontiert, die auf Drogenkonsum zurückzuführen sind.

Ein Ehrenamtler mit fundiertem Wissen

Rayk Sommer ist Feuerwehrmann, Notfallsanitäter sowie Gründer und Leiter der Rettungstaucherstaffel des ASB.

Außerdem ist er Referent an der Gesundheitsakademie Berlin/Brandenburg.

Zwölf Jahre war er als Sanitäter bei Rock am Ring im Einsatz und leitet seit 2005 den Einsatz der Sanitäter auf der Antaris.

Seit 2002 bietet er Vorträge zur Drogenprävention in Schulen für Jugendliche, Lehrer und Eltern an.

Er kann auf unzählige Erfahrungen mit Drogenopfern aus der Praxis zurückgreifen.

Vor einem Jahr wurde Rayk Sommer mit der havelländischen Ehrenamtsmedaille für seinen ehrenamtliches Engagement geehrt.

Ende 2018 war er für den Deutschen Engagementpreis nominiert.

Auch Todesfälle gab es in den letzten Jahren. Deshalb sei es höchste Zeit, Klartext zu reden. Das sieht auch Jugendkoordinator Tilo Windt so, der gern auf die Erfahrungen Sommers zurückgreift.

Die Veranstaltung am 4. Juni soll aber mehr bieten als nur einen Vortrag. Rayk Sommer und Tilo Windt hoffen auf eine rege Diskussion und einen intensiven Erfahrungsaustausch. Neben ihnen sind auch Streetworker sowie Mitarbeiter der Suchtberatung dabei, mit denen die Gäste ins Gespräch kommen können.

Geht es nach Sommer soll es nicht bei einer Veranstaltung bleiben. Ihm schwebt vor, in einem weiteren Durchgang das Ganze aus unterschiedlichen Gesichtspunkten zu beleuchten.

Betroffene wollen von ihren Erfahrungen berichten

Ein Richter soll rechtliche Konsequenzen aufzeigen und auch eine Betroffene ist bereit, von ihren Erfahrungen zu berichten. Wenn das Interesse da ist, sollte dem nichts im Wege stehen.

Die erste Veranstaltung findet am Dienstag, dem 4. Juni statt und beginnt um 19 Uhr im Kulturzentrum. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig, um den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, anonym zu bleiben. Der Landkreis Havelland fördert das Ganze mit Mitteln des Erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.

Von Christin Schmidt

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