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Rathenow Jugendarbeit: Rathenow findet keinen Streetworker
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17:12 15.01.2019
Streetworkerin Kathrin Wittek braucht Verstärkung auf der Straße Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Rathenow sucht nach einem neuen Streetworker. Seit Juli 2018 ist die Stelle für einen qualifizierten Mitarbeiter ausgeschrieben, der Kathrin Wittek bei ihrer Arbeit unterstützen soll. Die 34-jährige ist seit fast zehn Jahren auf Rathenows Straßen unterwegs.

Weil sich die Situation in den letzten verschärft hat, forderten die Rathenower Stadtverordneten eine zusätzliche Stelle. Diese hatte der Jugendhilfeausschuss des Kreistages bereits im März bewilligt. Besetzt ist sie bis heute nicht.

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„Erst vier Bewerbungen sind bei uns eingegangen. Ein passender Kandidat war leider nicht dabei“, sagt Gudio Panschuk, Geschäftsführer der Diakonie Havelland.

Zweite Stelle schon vor fünf Jahren gefordert

Als Träger der beiden Streetwork-Stellen ist die Diakonie bemüht, ihrer Mitarbeiterin Kathrin Wittek einen Kollegen oder eine Kollegin an die Seite zu stellen. Es fehlt aber schlichtweg an geeigneten Bewerbern.

„Für diese Arbeit braucht es jemanden mit einer starken Persönlichkeit, der auch körperlich Präsenz zeigen kann und eine gewisse Frustration aushält“, weiß Tilo Windt. Er ist Jugendkoordinator der Stadt Rathenow und war früher selbst als Streetworker unterwegs.

Tilo Windt ist seit 2015 Jugendkoordinator der Stadt Rathenow. Quelle: Christin Schmidt

Der zusätzliche Bedarf auf der Straße kommt nicht überraschend. Schon 2014 hieß es im Konzept für die Jugendarbeit der Stadt Rathenow, dass ein zweiter Streetworker gebraucht wird. Nun hat sich der Bedarf durch die Lage rund um den Märkischen Platz noch verstärkt.

Der Streetworker soll nicht sanktionieren

Hier trafen mehrfach unterschiedliche Gruppen aufeinander, es gab gewalttätige Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen. „Hätten wir schon 2014 das Team gehabt, das wir nun versuchen aufzubauen, wären wir auf diese Situation besser vorbereitet gewesen“, ist sich Tilo Windt sicher.

Gleichzeitig betont er, dass es nicht um einen neuen Ordnungsdienst geht. „Es ist nicht Aufgabe eines Streetworkers, die Jugend zu sanktionieren. Dafür sind Ordnungsamt und Polizei zuständig. Die jungen Menschen brauchen vielmehr einen Ansprechpartner. Das könnte auch die Gesamtgesellschaft leisten, aber das wird bei uns leider nicht gelebt. Deshalb brauchen wir dringend Verstärkung auf der Straße“, so Tilo Windt.

Offen sein und aktiv zuhören

Das sieht auch Kathrin Wittek so: „Die Gruppen auf der Straße sind zu groß, wir müssen im Team raus um die Situation zu entspannen.“ Der ideale Kandidat ist allerdings schwer zu finden.

Guido Panschuk sucht nach jemanden mit einer sozialpädagogischen Ausbildung sowie Lebens- und Berufserfahrung: „Er muss offen sein, aktiv zuhören können, wenn es um Probleme und Belange junger Menschen geht.“

Integration junger Flüchtlinge gehört dazu

Auch ein Bewerber mit Migrationshintergrund, der Zugang zur Lebenswelt junger Flüchtlinge hat, wäre geeignet. Panschuk macht keinen Hehl daraus, dass die Integration minderjähriger Flüchtlinge eine von mehreren Herausforderungen für den neuen Streetworker sein wird. Er betont aber auch, dass die Stelle nicht erst seit dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen gebraucht wird.

Kernarbeitszeit ist am Nachmittag und in den Abendstunden, hin und wieder auch am Wochenende. Dabei geht er vor allem darum, Vertrauen aufzubauen und Angebote zu machen. „Es ist eine erfüllende Arbeit, die dazu beiträgt, Menschen auf ihren Weg zu bringen“, so Windt.

Erzieher als Streetworker ungeeignet

Die vier Bewerbungen, die bisher eingingen, kamen alle aus der Region ein. Zum Teil scheiterte es aber bereits an der Ausgangsqualifizierung, so Panschuk. Er schließt nicht aus, dass eine Nachqualifizierung möglich ist, wenn der oder die Bewerberin ins Profil passt. Frisch ausgebildete Erzieher seien für diese Arbeit aber ungeeignet.

Seit 2007 ist die Diakonie in der Jugendarbeit tätig. Derzeit sind es sieben Mitarbeiter an neun Standorten. Neben einem Streetworker sucht Guido Panschuk auch einen neuen Schulsozialarbeiter für die Oberschule Premnitz. Bewerbungen hierfür liegen nicht vor.

Von Christin Schmidt

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