Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Rathenow Überraschungsfund: Abgeordnete entlarven Müllsünder
Lokales Havelland Rathenow Überraschungsfund: Abgeordnete entlarven Müllsünder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:36 14.05.2019
Gerd Wollenzien, Hartmut Rubach, Horst Schwenzer, Jürgen Albrecht, Manfred Lenz und Karl-Reinhold Granzow (vl.) räumen das Grundstück am Falkenweg auf. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

 Bauschutt, Farb- und Tapetenreste, Asbest, alte Koffer, Bettgestelle – es ist unglaublich, was manche Zeitgenossen auf verlassene Höfe oder in die freie Natur schmeißen. Seit mittlerweile 20 Jahren nutzen dreiste Bürger unter anderem ein leerstehendes Grundstück im Falkenweg, um Dinge loszuwerden, die sie auch problemlos legal entsorgen können.

Mehrfach hat die MAZ darüber berichtet. Auch die Abgeordnete des Rathenower Stadtparlaments haben sich immer wieder mit dem Thema beschäftigt. Weil sie nicht länger zuschauen wollten, wie immer mehr Müll vor und auf dem Grundstück landet, schritten sechs Abgeordnete nun zur Tat.

Auf Vorschlag von Horst Schwenzer (FDP) trafen sich am Dienstagmorgen Hartmut Rubach und Manfred Lenz von der SPD, Jürgen Albrecht und Karl-Reinhold Granzow von der Fraktion Die Linke sowie Gerd Wollenzien, der für die CDU im Stadtparlament sitzt. Ausgestattet mit Arbeitshandschuhen und Elan befreiten sie die Fläche vom Unrat.

Drei LKW-Ladungen voll kamen zusammen. Sechs Mitarbeiter des städtischen Bauhofs packten ebenfalls mit an. Dabei machten die Abgeordnete auch ein paar sehr interessante Funde.

Einen ganzen Stapel mit Bußgeldbescheiden fanden sie in dem Gerümpel. Damit haben sich einige Müllsünder nun selbst entlarvt. Sie dürfen in den nächsten Wochen mit Post vom Ordnungsamt rechnen.

Drei Stunden rackerten die Abgeordneten, dann war die Arbeit, die nicht ganz legal war, getan. Da es sich um ein privates Grundstück handelt, hätten sie es eigentlich ohne Weiteres gar nicht betreten dürfen.

Jürgen Albrecht zeigt einen Teil der Bußgeldbescheide, die die Abgeordneten beim Aufräumen fanden. Quelle: Christin Schmidt

„Das war uns bewusst, für die gute Sache haben wir es trotzdem getan. Sollte uns jetzt eine Strafanzeige drohen, übernehmen wir die Konsequenzen für die Gruppe“, erklärten Horst Schwenzer und Gerd Wollenziehn.

Die Entsorgung hatte die Stadtverwaltung in Absprache mit dem Landkreis Havelland organisiert. Der Müll landet nun auf dem Wertstoffhof Bölkershof. Also dort, wo ihn auch die Bürger selbst abgeben können.

„Dieser Anblick ist einfach beschämend. Das hier ist nicht das Werk von zwei, drei Bürgern, es sind sehr viel mehr. Inzwischen gibt es einen regelrechten Mülltourismus“, so Wollenzien. Er hat bereits Bürger aus anderen Landkreisen beobachtet, die in und um Rathenow Müll abladen.

Karl-Reinhold Granzow, Hartmut Rubach und Jürgen Albrecht (v.r.) entsorgen den Müll dreister Mitbürger. Quelle: Christin Schmidt

Der Arbeitseinsatz wurde nebenbei auch zu einer Debatte über das Thema Umweltschutz. Dabei gab es auch viel Kritik für die große Politik gab. Umweltschutz lässt sich auch per Gesetz durchsetzen, waren sich die Männer einig.

Zum Schluss harkten sie noch die Fläche vor dem Grundstück, in der Hoffnung, dass der ordentliche Anblick die Menschen nun davon abhält, hier wieder ihren Abfall hinzuschmeißen.

„Wir hoffen, dass diese Aktion nachhaltig wirkt“, betonte Gerd Wollenziehn. Eines würden er und seine Mitstreiter zu gern wissen: „Warum tun Menschen überhaupt so etwas?“

Auch die MAZ würde sehr gern erfahren, was diese Menschen bewegt. Wer bereit ist, sich dazu anonym zu äußern, schreibt eine E-Mail an: rathenow@maz-online.de oder meldet sich unter: 03385/529818.

Von Christin Schmidt

Weil er die Rechtsordnung der Bundesrepublik nicht anerkennt, wollte ein Autofahrer sich nicht von der Polizei kontrollieren lassen. Er verschloss das Fahrzeug und blieb darin sitzen. Das nützte ihm wenig.

14.05.2019

Der Leiter der Polizeidirektion West, Peter Meyritz weist Vorwürfe zurück, die Polizei hätte die Demonstration des rechtsextremen Bürgerbündnisses Havelland verhindern müssen. Er verweist auf das Versammlungsrecht.

14.05.2019

Es gibt noch keine Ermittlungsergebnisse zu der mutmaßlichen Gewalttat, die sich am frühen Ostersonntag auf dem Märkischen Platz in Rathenow ereignet haben soll. Für die Richtigkeit von in sozialen Medien getätigten Behauptungen hat die Polizei weiter keine Anhaltspunkte. Dort hatte ein NPD-Mann von einer Attacke durch Ausländer berichtet.

14.05.2019